Evangelische Kindertagesstätten legen Qualitätsstandards fest

Erzieher und Kinder begegnen sich jetzt auf Augenhöhe


Beobachtungsbögen für jedes Kind, regelmäßige Gespräche mit den Eltern, die Vermittlung christlicher Werte – insgesamt sechs Leitsätze haben die evangelischen Kindertagesstätten unter Trägerschaft der Kirchenkreise Burgwedel-Langenhagen und Burgdorf jetzt für sich formuliert. Damit setzen die Erzieherinnen, der Träger und die Elternvertreter wesentliche Punkte in die Praxis um, die sie beim einjährigen Projekt „Integrierte Qualitäts- und Personalentwicklung“ (IQUE) herausgearbeitet haben, und reagieren zugleich auf die Pisa-Ergebnisse.

„Viele Dinge gehören schon heute für uns zum Kindergartenalltag“, sagt Heike Eggers von der evangelischen Kindertagesstätte in Bissendorf. Als Beispiel nannte sie, dass Erzieherinnen stets in die Hocke gehen sollen, wenn sie mit den Mädchen und Jungen sprechen. „Natürlich machen wir das schon jetzt, doch künftig achten wir ganz bewusst auf solches Verhalten“, ergänzt Ulrike Ahrens von der Kindertagesstätte St. Nikolai in Kirchhorst. Angelika Zerbe-Schulz vom Emmauskindergarten Langenhagen sieht zwei wesentliche Vorteile: In allen evangelischen Kitas gelten künftig die gleichen Standards, und die Erzieherinnen in allen Einrichtungen müssten die gleichen Anforderungen erfüllen.

Eggers nennt ein weiteres Beispiel des IQUE: „Bislang haben sich Pädagogen oft an den Defiziten der Kinder orientiert und dies auch den Eltern vermittelt, jetzt wollen wir verstärkt die Kompetenzen herausarbeiten.“ Für Heiko Lick, Vater eines Kindes im Pestalozzi-Kindergarten Burgwedel, ist dieses Vorgehen nicht neu. „In unserer Kita haben wir schon vieles von dem umgesetzt, was in den Leitsätzen steht.“ Für die Eltern sei dies sehr beruhigend, weil sie ihren Nachwuchs in guten Händen wüssten. Außerdem seien Mütter und Väter eher bereit, über Probleme ihrer Kinder zu sprechen, wenn die Erzieherinnen auch deren Stärken erkennen würden. „Ich denke, dass die Kitas mit ihren Leitsätzen auf einem guten Weg sind – dessen Ende aber noch nicht abzusehen ist“, meint Lick.

Zerbe-Schulz und Eggers weisen darauf hin, dass die Kita-Leiterinnen sich auch künftig unter der Regie von IQUE-Mitarbeiterin Ulrike Ziesche treffen und in Arbeitsgruppen die tägliche Umsetzung und weitergehende Ziele hervorheben wollen.
Antje Bismark
Der Kommentar

Neuer Wettstreit

Eher am Rande der Präsentation fiel eine Aussage, die die Situation der Kindertagesstätten verdeutlicht: Die Zahl der Neugeborenen sinkt, und damit wächst der Wettbewerb der Einrichtungen um die Knirpse. Möglicherweise übersteigt schon bald das Angebot an Kita-Plätzen die Nachfrage. Dann werden Eltern bei ihrer Suche nach einer geeigneten Betreuung ihrer Kinder neben solchen Faktoren wie Öffnungszeiten oder Entfernung zur Wohnung auch bestimmte weiche Faktoren, beispielsweise Wertevermittlung oder Schulvorbereitung, berücksichtigen. Mit der IQUE stellen sich die Kitas schon jetzt diesen Anforderung.
Antje Bismark

An der Integrierten Qualitäts- und Personalentwicklung haben auch einige Eltern mitgearbeitet. Wie schätzen sie die neue Entwicklung ein – eine kurze Umfrage.

Karin Rustemeyer (45), Pankratius-Kita Burgdorf: „Ich als Elternvertreterin möchte gern wissen, wie die Kinder gefördert werden und wie die Tagesstätte mit ihnen umgeht. Das Projekt ist deshalb notwendig und wird sicherlich stetig ausgebaut.“

Dunja Reuschke (31), Die Arche in Altwarmbüchen: „Mir gefallen das Projekt und die heutige Präsentation sehr gut, weil die Kindergärten die Standards selbst entwickelt haben. Jetzt geht es darum, diese Anforderungen mit Leben zu füllen.“

Anette Brinkmann (42), Pestalozzi-Kindergarten Burgwedel: „Als neue Elternvertreterin musste ich mich erst in das Projekt einarbeiten, weil die Standards sehr abstrakt formuliert sind. Jetzt müssen die Erzieherinnen dies täglich umsetzen.“

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Nordhannoversche Zeitung
vom 28. Oktober 2004