Abschied von Pastor Karl-Martin Voget

Nach 18 Jahren geht Pastor Karl-Martin Voget nach Hannover in die Gnadenkirche zum Heiligen Kreuz


Neue Wirkungsstätte in Hannover: Karl-Martin Voget (49)
verlässt nach fast 18 Jahren seine zwei Gemeinden
Foto: Brand

Pastor Voget nimmt nach 18 Jahren Abschied

538 Taufen, 166 Trauungen, 480 Beerdigungen

Von Horst-Dieter Brand - HAZ Anzeiger
Rethmar. Als Pastor mit der Gitarre und der lauten Stimme wird er seinen etwa 2100 Schäfchen in Erinnerung bleiben. Er selbst wird die paradiesische Wohnsituation im geräumigen Pfarrhaus vermissen: Karl-Martin Voget verabschiedet sich an diesem Sonntag offiziell von seiner seit fast 18 Jahren betreuten Kirchengemeinde. Der 49-Jährige will sich noch einmal einer neuen Herausforderung stellen – und vor allem weiterhin auf einer vollen Planstelle wirken.

Vor zwei Jahren hatte der Kirchenkreistag die Entscheidung getroffen, die Stellen in Haimar und Rethmar ab 2008 auf nur noch 50 Prozent zu kürzen. In Vogets neuen Betätigungsfeld in der Gnadenkirche zum Heiligen Kreuz in Hannover-Mittelfeld ist die volle Planstelle allerdings zunächst auch nur für die nächsten fünf Jahre gesichert. Trotzdem wertet er den Wechsel als „wahres Gottesgeschenk“, weil Planstellen ohne Abstriche für Pastoren rar gesät seien.

Voget, der sich bewusst als konservativen Pastor mit Bibeltreue und Frömmigkeit einstuft, hat in seiner Sehnder Zeit in gleich vier Predigtstätten mehr als 1200 Gottesdienste gefeiert. Der gebürtige Hannoveraner hat 538 Kinder getauft, 427 Jugendliche konfirmiert, 480 Menschen beerdigt und 166 Paare getraut.

Die Illusion, dass „die Ehen, die ich schließe, auch ewig halten“, hat er allerdings inzwischen verloren. Dabei fällt ihm eine Begegnung ein, über die er noch heute den Kopf schüttelt. Einem Brautpaar wollte er wie üblich eine Traukerze stiften. Drei Tage vor der Hochzeit kam die Ablehnung des Geschenks mit der Begründung: „Wir wissen nicht, was wir bei einer möglichen Trennung damit machen sollen.“

„Schade, dass Sie gehen“: Wenn das der häufigste Satz nach seiner letzten Amtshandlung am Sonntag, 3. Juli, in Rethmar vor den mehr als 200 erwarteten Gästen ist, würde sich Voget freuen. Einen Vorgeschmack auf die Abschiedsstimmung mit gemischten Gefühlen hat der Seelsorger bereits beim letzten Gottesdienst in Haimar vor einer Woche erlebt. Dabei habe er ganz schön schlucken müssen, sagt der 49-Jährige.


Foto: Augsten

Mehr als 1200 Gottesdienste hat Pastor Karl-Martin Voget mit seinen beiden Kirchengemeinden Rethmar und Haimar gefeiert. Nun haben sich der Kirchenvorstand und die Gemeinden mit einem Festgottesdienst von ihrem Pastor verbschiedet.

Mehr als 350 Menschen waren zur St.-Katharinen-Kirche in Rethmar gekommen. Sein Vikariat hatte Voget schon in Hannover-Mittelfeld absolviert, wo er künftig, nach 18 Jahren Dienst im Kirchenkreis Burgdorf, die Gnadenkirche „Zum Heiligen Kreuz“ betreuen wird.

In seiner Probezeit in Rethmar und Haimar hatte sich Voget 1987 eine solche Entscheidung vorbehalten: „In 17 Jahren bin ich Ende 40 und werde überlegen müssen, ob ich noch einmal etwas anderes anfange.“ Seinem Abschied blickt Voget mit zwiespältigen Gefühlen entgegen. Sicherlich sei er traurig und fühle sich noch als „Landpastor“. „Trotzdem freue ich mich auf diese neue Herausforderung und die Menschen in der Stadt.“ aus

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger
vom 5. Juli 2005
Red.: Augsten