Spenden für Erdbebenopfer

80 000 Erdbeben-Tote in Südasien befürchtet


Mit einer Stärke von 7,6 auf der Richterskala war es das schwerste Erdbeben auf
dem indischen Subkontinent seit 1935: Damals wurde ein Beben der Stärke 7,5
gemessen - zehntausende Menschen kamen zu Tode.

Islamabad/Neu Delhi - Bei dem verheerenden Erdbeben in Südasien könnten bis zu 80 000 Menschen getötet worden sein. Diese Befürchtung äußerte am Montag der Ministerpräsident von Jammu und Kaschmir, Sikander Hayat Khan.
Offiziellen Angaben zufolge sind im pakistanischen Teil von Kaschmir mindestens 40 000 Menschen ums Leben gekommen, im indischen etwa 1600. Die Bundesregierung hat am Montag ihre Hilfe für Pakistan auf fünf Millionen Euro aufgestockt.

Die Hilfsaktionen wurden neun Tage nach der Katastrophe verstärkt. Die Helfer seien zu Fuß, mit Eseln und Maultieren unterwegs, um Verwundete aus schwer zugänglichen Gebieten in Sicherheit zu bringen. "Angesichts der Wetterverhältnisse benutzen wir jede nur denkbare Art von Transportmitteln", sagte ein Militärsprecher in Pakistan.

Mittlerweile sind auch 28 Helfer des Technischen Hilfswerks in den betroffenen Gebieten im Einsatz, um Verletzte zu bergen. Zunehmend konzentrieren sich die Helfer auch auf die Wasserversorgung, hieß es. Das Deutsche Rote Kreuz kümmere sich mit seinen Schwesterorganisationen um die medizinische Betreuung. Die Bundeswehr hat Ärzteteams entsandt sowie Medikamente, Betten, Zelte und Decken in das Einsatzgebiet nördlich der Hauptstadt Islamabad transportiert.

"Es ist die schlimmste Tragödie in unserer Geschichte", betonte Khan nach einem Bericht der Zeitung "Daily Times" vom Montag. Die Stadt Muzaffarabad gleiche einem Friedhof, schrieb das Blatt. Weiterhin würden Wasser und Nahrungsmittel benötigt. Es gebe immer noch entlegene Gebiete, die von Helfern nicht erreicht worden seien. Auch wachse die Sorge vor Seuchen wegen zerstörter Abwassersysteme und Trinkwasserquellen. Eine erste Zeltstadt ist bereits in Balakot rund 100 Kilometer nördlich von Islamabad entstanden. Eine weitere soll in den nächsten Tagen in Rawalpini errichtet werden.

Unterdessen strömen immer mehr der Obdachlose aus den ländlichen Regionen in der Hoffnung auf Hilfe in die größeren Orte. Die Krankenhäuser sind mit der Menge der verletzten Flüchtlingen überfordert. In manchen Krankenlagern liegen die geschwächten Menschen im Morast, weil der Regen das Erdreich aufgeweicht hat, wie Helfer der Johanniter Unfall Hilfe berichteten.

Viele der Menschen seien schwer traumatisiert. "Diejenigen, die das Erbeben überlebt haben, werden noch lange von ihren schrecklichen Erlebnissen verfolgt werden", sagte der Psychiater Fareed Monhas aus dem Hospital in Rawalpini. Tausende Kinder seien zu Waisen geworden.

In Pakistan wurden mehr als 65 000 Menschen zum Teil schwer verletzt. Pakistans Nothilfe-Beauftragter, Generalmajor Muhammad Farooq, befürchtet, dass sich die Zahl der Opfer erhöht, sobald die Trümmer in den am härtesten betroffenen Gebieten weggeräumt seien.

Der Regionalchef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Hussain A Gezairy meinte, die Verwüstungen und Langzeitfolgen des Erdbebens seien schlimmer als die Zerstörungen bei der Tsunami-Katastrophe. Grund seien die hohe Zahl der Obdachlosen, die zerstörte Infrastruktur und das schwer zugängliche Terrain.

Rhein-Zeitung
dpa-infocom