Burgdorfer Kantorei singt Bach

Großes Werk mit kleinen Schwächen


Foto: M. Schorr

Gemessenen Schrittes tritt der Kreiskantor vor die imposante Chorkulisse der Burgdorfer Kantorei. Ein prüfender Blick über Orchester und Solistenbank: es sind alle da. Dann gibt Martin Burzeya mit energischer Handbewegung den Beginn für eine bemerkenswerte Aufführung des Bachschen Weihnachtsoratoriums frei.

Bemerkenswert, weil sich die Kantorei keine Anstrengung anmerken ließ, obwohl sie tags zuvor bereits die Kantaten 1 bis 3 in Uetze aufgeführt hatte. Bemerkenswert auch die Disziplin, mit der der große Chor dem Kantor folgte, ohne den Versuchungen zu erliegen, den Glanz mit Kraft und Lautstärke aufzupolieren.

Bemerkenswert auch die straffen Tempi, die der Chor überraschend wendig und agil mitging. Ein Sonderlob steht dem Tenor zu, der, wie im Eingangschor der 5. Kantate, als homogene Stimme mutige Präsenz zeigte. Das hatte „Drive“ und strahlte bei aller Konzentration eine gute Portion Fröhlichkeit aus.

An einigen jungen Gesichtern in Sopran und Alt konnt man ablesen, dass die engagierte Jugendarbeit an St. Pankratius erfreuliche Früchte trägt. Im Solistenquartett überzeugten die schlank und beweglich agierende Sopranistin Konstanze Ruttloff sowie der Alt von Claudia Erdmann. Tenor Henner Leyhe ging die ambitionierten Tempi gut textverständlich mit, wurde aber in den Höhen etwas eng, Bassist Stefan Geyer sang frisch und ausdrucksstark, doch etwas steif in den Koloraturen.

Die Kammersinfonie Bremen zeigte ihre Stärke in makellos intonierten Klangteppichen und farbiger, greifbar plastischer Begleitung. Allerdings hätte der ausgezeichnete Oboist die Echos in der Sopranarie besser seiner Partnerin überlassen, die Geigensoli blieben deutlich hinter der guten und bis auf einen Rutscher aufmerksamen Orchesterleistung zurück. Dennoch ein gelungener Auftritt, Glückwunsch an die Kantorei.

von Matthias Schorr, Burgdorf

aus:
Anzeiger (HAZ) vom 20. Dezember 2005