Zum Sonntag

Danke sagen


Wolfgang Thon-Breuker ist Pastor an
der St.-Pankratius-Kirche in Burgdorf

Im Sommer 2006 war Deutschland 4 Wochen lang im Ausnahmezustand. Während der Fußballweltmeisterschaft wurde nicht geklagt, sondern gefeiert. Am Ende wurde überschwänglich gedankt – sogar für einen undankbaren dritten Platz!

„Danke Klinsi!“ So stand es in schwarz-rot-goldenen Lettern in einer Zeitung.
Danke Mertesacker – dass einer aus der Region Hannover ganz groß bei der WM herauskam. Danke Beckenbauer – für die tolle Organisation. Danke Deutschland, du warst wunderbar! Danke für das schöne Wetter, sagte ein Burgdorfer Gastwirt.

Seine Fußball WM-Übertragung auf der Großleinwand im Burgdorfer Stadtpark hätte auch ins Wasser fallen können. Stattdessen gab es 30 Tage Sonnenschein. Er sei zwar nicht Millionär geworden. Aber für eine Reise auf die Kanaren würde es schon reichen. Dafür wolle er in einem Sonntagsgottesdienst kommen. So stand es am Tag nach dem WM-Finale in dieser Zeitung. Der Höhepunkt der Euphorie liegt nun schon eine Weile zurück. Aber wir schmunzeln immer noch über uns selber. Wie haben wir das bloß geschafft? 4 Wochen ohne Klagen. Mal ganz ehrlich! Haben Sie heute morgen schon geklagt?

Es ist wie eine geheime Lust. Manche behaupten: wir Deutschen sind Weltmeister im Klagen. Aber wer kann das wissen? Diese Weltmeisterschaft wird nicht offen zwischen den Völkern ausgetragen. Grundlos klagen wir nie. Das Wetter in Deutschland bietet uns immer Anlass im Überfluss:

Erinnern Sie sich noch, wie Sie gefroren haben – mitten im schönen August? Wenn wir die großen Klagethemen aus Gesellschaft und Politik abgearbeitet haben, bleibt noch Raum für die kleinen Klagen: Man klagt über Nachbarn, die in der Mittagszeit Rasen mähen, über Mütter, die das Falsche kochen, über Väter, die ihre Söhne nicht verstehen. Wir klagen auf hohem Niveau. Wir können es uns leisten. Vielen geht es gut in diesem Land! Doch nährt die Klage auch unsere Seele? Gibt sie uns täglich neue Kraft?

„Seid dankbar in allen Dingen,“ sagt der Apostel Paulus, „denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ (1. Thess. 5,18) Folgen wir lieber dem Apostel Paulus. Vermutlich gibt es 1000 Wege zur Dankbarkeit. Eine Möglichkeit will ich nennen: Besuchen Sie am Sonntag einen der vielen Erntedankgottesdienste in unserer Region! Sagen Sie Danke für die Fülle des Lebens!