Zum Sonntag

Woher kommt das schlechte Gewissen?


Pastorin Anita Christians-Albrecht ist Beauftragte für die Verkündigung in plattdeutscher Sprache in Burgdorf.

Glauben kann sie es ja beinahe nicht, aber es stimmt tatsächlich: Ja, das ist ihr Portemonnaie. Beim Einkaufen im Supermarkt war es ihr gestohlen worden, nicht gestern oder letzte Woche, nein, zehn Jahre ist das nun schon her. Und heute ist es als Päckchen angekommen – sogar das Geld ist noch drin. Diese Geschichte ist wirklich passiert. In Burgdorf.

Mich beruhigt es ja, wenn Menschen heutzutage überhaupt noch so etwas wie ein schlechtes Gewissen kennen. Aber wenn ich dann genauer über diesen Menschen nachdenke, komme ich doch ins Grübeln. Ob sie oder er damals vielleicht in einer Notlage war? Wie auch immer: Es hat ihn zehn Jahre lang gequält, Die ganze Zeit hat der Mensch gewusst: Da gibt es etwas, das ich wieder in Ordnung bringen muss. Woher kommt so ein schlechtes Gewissen? Ist Gott selbst das, der da mit einem spricht, setzt er einem so lange zu, bis man zuletzt ganz klein ist?

Mahatma Gandhi, der große Mann aus Indien, hat einmal ähnliches erlebt: „Als ich 15 war “, erzählt er, „habe ich einmal gestohlen. Ich hatte Schulden, darum nahm ich Vaters goldenes Armband und machte es zu Geld. Aber ich konnte mit dieser Schuld nicht leben. Ich schrieb meinem Vater einen Brief. Der las, sah mich an und – riss den Zettel kaputt: „Ist alles wieder in Ordnung!“, sagte er und nahm mich in die Arme.

So ist das, wenn einem vergeben wird! Wenn man weiß: Es ist alles wieder in Ordnung. Was ich getan habe, muss mich nicht mehr niederdrücken. Das ist wie ein neuer Anfang, ein neues Leben. Und so ist das auch mit Gott: Klein machen will er uns ganz sicher nicht.