Zum Sonntag

Umdenken ist in der Kirche zurzeit entscheidend


Marcus Buchholz ist Pastor im Kirchenkreis Burgdorf

Die Gerichte auf der Speisekarte klingen vielversprechend: Eine Suppe trägt zur Bewusstseinserweiterung bei, ein Thunfischsalat weckt die Leichtigkeit des Seins. Lecker! Die Speisekarte liegt auf einem Tisch in einem Bielefelder Restaurant namens „Glück-und-Seligkeit“.

Das modern anmutende Lokal ist in der ehemaligen evangelischen Martinikirche untergebracht. Spachteln auf der Empore, bechern im Altarraum. Vor einem Jahr wurde die Martinikirche zum Nobelrestaurant umgebaut. „Mal umdenken ist angesagt“, sagt Betreiber Achim Fiolka.

Recht hat er: Umdenken ist in unserer Kirche zurzeit entscheidend. Einbrechende Finanzen und Mitgliederschwund fordern uns heraus, über eine neue Gestalt von Kirche nachzudenken. Dazu gehört auch, sich von traditionellen Immobilien zu trennen, Gemeinden zusammenzulegen, Pfarrstellen zu streichen. Ein Prozess, der unserer Kirche schwerfällt.

Doch ein anderer hat es uns bereits vorgemacht: Am nächsten Dienstag feiern wir in der evangelischen Kirche wieder das Reformationsfest. An diesem Tag veröffentlichte der Mönch Martin Luther in Wittenberg seine 95 Thesen zur Erneuerung der Kirche – im Jahr 1517. Der Tag gilt als Geburtstag unserer Kirche. Und Luther hat ordentlich aufgeräumt: Den Handel von Ablassbriefen hat er aufs das Schärfste kritisiert. Nur die Liebe Gottes zählt, sagte er, nicht der Kauf von Sünden tilgenden Dokumenten. Damit jede und jeder versteht, was in der Bibel steht, hat er die alten Schriften ins Deutsche übersetzt.

Nehmen wir uns ein Beispiel an diesem Umdenker, halten nicht nur an Altem fest, sondern suchen neue Wege. Was hätte Luther zum Speiselokal in der Martinikirche gesagt? „Das Evangelium kann auch unter einem Strohdach oder in jedem Saustall verkündet werden.“ Wir müssen nicht gleich die Kirchen aus den Dörfern vertreiben. Aber Mut zur Reform tut immer gut.