Wort zum Sonntag

Einnern, damit so etwas nicht wieder möglich wird.


Pastorin Susanne und Pastor Matthias Paul im Gespräch mit Gerda Wassermann im Restaurant von Macy`s in New York am 25. Oktober 2006.
Foto: W. Hornig

Vor einigen Tagen haben wir uns, wie in jedem Jahr, vor dem Rathaus I versammelt, um gemeinsam den Gedenkweg zur "Reichspogromnacht" zu gehen: Über die Synagoge, vorbei an Häusern, in denen Burgdorfer Juden gelebt haben, hin zum jüdischen Friedhof in der Uetzer Strasse.
Erinnern, damit solche Verbrechen nicht wieder möglich werden. Die Verbrechen der Deportation, und der Ermordung, aber auch die Verbrechen der Ausgrenzung und Diskriminierung.

Erinnern ist wichtig. Vor einigen Wochen haben wir in New York Gerda Wassermann, geb. Rose getroffen. Sie ist die wohl letzte noch lebende Jüdin, die aus Sehnde verschleppt wurde. Sie wurde mit in das Lager Riga deportiert. Sie hat überlebt, und hat einen neuen Anfang gemacht, in New York nach dem Krieg. Mit sehr geringen Sprachkenntnissen in einer ganz fremden Umgebung.

Sofort, im Gespräch, waren die alten Zeiten, die alte Heimat in Sehnde wieder präsent. Sie erzählte davon in einer eigentümlichen Mischung aus Deutsch und Englisch. Was aus den einzelnen wohl geworden ist? Nach vielleicht 60 Jahren New York, da spürten wir die Sehnder Wurzeln, und was Heimat eigentlich ist. Obwohl sie nicht nur freundliches zu berichten wusste. Ganz besonders weh hat es getan, als eine Nachbarin, eigentlich eine Freundin, eines Tages mit den anderen singend, oder grölend, durch die Mittelstrasse gezogen ist: "Wenn das Judenblut vom Messer spritzt …". Noch die Erzählung davon lässt uns erschaudern.

In den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurden einige wenige wegen "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verurteilt. Ob solche Lieder, und erst recht die damit verbundene Ausgrenzung und Feindlichkeit gegen "Minderheiten" nicht auch zu solchen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gehören?

"Was ihr einem meiner geringsten Geschwister getan habt, das habt ihr mir getan" Matthäus 25,40 - das schreibt der Jude Jesus uns Christinnen und Christen ins Stammbuch.

Matthias Paul ist Pastor in der St.-Paulus-Gemeinde in Burgdorf