Zum Sonntag

Der Advent ist die Zeit des Wartens und der Vorbereitung


Angelika Wirz ist Mitglied im Pfarrgemeinderat der Röm.-kath. St.-Nikolausgemeinde und Beauftragte für ökumenische Zusammenarbeit in Burgdorf.

Mit dem neuen Kirchenjahr zum 1. Advent beginnt an diesem Wochenende der kirchliche Festkreiskalender. Dem ersten großen Fest Weihnachten ist eine Vorbereitungszeit vorgeschaltet, in der früher sogar gefastet wurde. Heutzutage bietet sie eine Chance, sich innerlich einzustellen auf das, was kommt. Die Ankunft Gottes als Kind, als Mensch, bei uns und in uns – denn Advent heißt Ankunft. Alle großen kirchlichen Feste haben ihre eigene Vorbereitungszeit, damit Innehalten, Umschalten und Einschwingen Raum bekommen. Damit wir innerlich dabei sind.

Darin entdecke ich große Lebensweisheit und etwas sehr Wichtiges: Ruhig werden, sich einstellen und sich öffnen für das Neue ist ein Angebot, das das Kirchenjahr vor den großen Festen für uns bereithält. Auch im täglichen Leben braucht jede Geburtstagsfeier, jede Hochzeit und vieles mehr Vorbereitung.

Nur vergessen wir in der Alltagshektik allzu leicht, dass alles Wichtige auch eine innere Einstimmung braucht. Daran zu erinnern, das zu lernen – dabei hilft Advent. Es sind vier Wochen, in denen wir bewusst üben können, das Warten zu lernen, Geduld und Zeit zu haben, Bereitschaft und Offenheit zu spüren.

So mag diese Besinnungszeit ja gedacht sein, mögen Sie denken. Die Wirklichkeit ist aber ganz anders. Zwischen Weihnachtsfeiern, Geschenke suchen, Festvorbereitungen und den beruflichen Verpflichtungen lässt sich Stille schwer unterbringen.

Dennoch greift das Grundthema von Advent allertiefste Hoffnungen in uns auf, die jeder in sich kennt und fühlt: Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, zutiefst angenommen und bejaht zu werden. In religiöser Sprache ausgedrückt, heißt das, von Gott geliebt zu sein. Ich wünsche Ihnen diese Erfahrungen in einer gesegneten Adventszeit.

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Burgdorf und Lehrte
2. Dezember 2006


Aus dem Nachbarkirchenkreis Burgwedel-Langenhagen

Birgit Birth ist Pastorin der Sankt- Christophorus-Gemeinde in Altwarmbüchen.


In der Adventszeit kann das Warten sehr schön sein

Warten Sie eigentlich gern? Ich hasse Warten. Am Schlimmsten ist es beim Einkaufen. Da stehe ich grundsätzlich an der falschen Schlange an. Wenn ich warte, habe ich das Gefühl, ich vergeude meine Zeit. Kann Warten auch schön sein?

Für meine Oma war es bei vielen Gelegenheiten so. So hat sie beispielsweise schon lange vor der Essenszeit den Tisch gedeckt „Die Vorfreude ist doch die schönste Freude“, sagte sie immer. Es ist eine Frage der Sichtweise: Ist das Warten Zeitvergeudung oder Vorfreude?

Morgen beginnt mit dem 1. Advent die Adventszeit – wieder eine Zeit des Wartens. Eine Zeit der Vorfreude, aber auch eine Zeit der Angst vor Enttäuschungen. In der Bibel heißt es: „Steht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!“ Ich finde, das ist eine gute Art des Wartens: Den Kopf aufrichten. Nicht in den Sand stecken. Auch wenn mir vielleicht danach ist.

Gott fordert uns in der Adventszeit zu einem aktiven Warten heraus. Inmitten dieser Welt an das Gute zu glauben. Immer wieder nach rechts und links zu schauen nach dem, der mir nahe steht; nach der, die meine Hilfe braucht. Ein wenig zum Frieden beizutragen. Wenn wir unsere Herzen bereit halten für den, der da kommt – alle Jahre wieder – dann macht das Warten einen Sinn.

Und nach diesem Motto zünde ich morgen die erste Adventskerze an: Um meine kleinen Hoffnungen und Sehnsüchte daran zu wärmen. Advent heißt: Ich warte, denn Gott kommt auf mich zu.

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Nordhannoversche Zeitung
2. Dezember 2006