Rupert Neudeck hält leidenschaftliche Laudatio

Antikriegshaus ehrt Junusova


Mit der Preisträgerin Taita Junusova (Mitte) freuen sich (von links) die Geschäftsführerin der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte, Martina Bäurle, Rupert Neudeck, Elvin Hülser, Vorsitzender der Dokumentationsstätte, und die Präsidentin des Antikriegshauses, Gisela Fähndrich.
Foto: Schütz

Der Friedenspreis „Sievershäuser Ermutigung“ ist am vergangenen Sonntag im Antikriegshaus der Tschetschenin Taita Junusova verliehen worden. In seiner Laudatio plädierte der Gründer der Flüchtlingsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck, dafür, dass die westliche Welt nicht nur von Menschenrechten reden, sondern etwas unternimmt.

Der Preis wird alle zwei Jahre in Sievershausen von der Dokumentationsstätte an Menschen verliehen, die sich für den Frieden einsetzen. Er ist mit 5000 Euro dotiert. Empfängerin Taita Junusova will den Preis für ihr derzeitig entstehendes Konzept zur Friedenserziehung und Aufklärung über Kinder- und Jugendrechte einsetzen will.

Die 40-jährige Tschetschenin ist Mitbegründerin der Vereinigung für Frauen des Nordkaukasus, die Flüchtlingen in ihrem Land hilft. Sie vermittelt unter anderem Aufenthalte für tschetschenische Kinder in Russland, um sie aus der Atmosphäre ständiger Gewalt in dem kaukasischen Land herauszuholen. Dass die Kinder in einem Umfeld aufwachsen, in dem es ständig Krieges gibt, ist auch für Rupert Neudeck eines der größten Probleme. Die Menschen müssten die Chance haben, der umkämpften Region zu entfliehen. Vor diesem Hintergrund sei es unglaublich, dass es deutschen Behörden nach wie vor gelänge, tschetschenische Flüchtlinge abzuschieben.
„Wenn das Asylrecht noch etwas bedeuten soll, muss man den Tschetschenen bedingungslos Asyl gewähren“, sagte der 67-Jährige. „Sonst kann man das Gesetz gleich abschaffen.“ Ganz Europa müsse sich nicht nur mit Worten an den Menschenrechten orientieren, sondern auch konkrete Hilfe anbieten.

Preisträgerin Junusova, die sich zuerst kurz auf Deutsch und schließlich auch auf Russisch bedankte, widmete den Preis ihren Mitarbeitern und „allen, die sich mit Tschetschenien beschäftigen“.

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Burgdorf und Lehrte
11. Dezember 2006

Red. Michael Schütz