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Susanne Paul ist Pastorin in Sehnde |
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Wohl an keinem anderen Fest gibt es so viele Traditionen, so viele Rituale wie die rund um die Heilige Nacht. Plätzchen backen und an dem Geruch, der dann durch die Wohnung zieht, erkennen: bald ist Weihnachten; das besondere Weihnachtsessen, das es oft nur einmal im Jahr gibt, die Geschenke, überall in der Wohnung versteckt, der Kirchgang vor der Bescherung, zu Hause der leuchtende Tannenbaum, die Glocke, die dreimal vor der Bescherung läutet, in vielen Familien gemeinsamer Gesang, die Freude über ausgepackte Geschenke. |
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Aber manchmal werden diese Traditionen, diese liebgewonnenen Rituale auch schal – immer dann, wenn da kein Platz mehr ist für Unerwartetes. Die Weihnachtsgeschichte der Bibel lebt von diesem Unerwarteten und von Menschen, die sich davon berühren ließen: |
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Maria, deren Leben durch ihre Begegnung mit dem Engel Gottes eine völlig neue Wendung nahm und die sich nicht verschloss, sondern das annahm, was ihr Gott anvertraute; |
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Josef, der sich sein Vaterwerden sicher auch anders vorgestellt hatte und trotzdem bei seiner jungen Frau blieb. |
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Die Hirten, die nach ihrer Begegnung mit den Engeln ihre Angst überwanden und sich auf den Weg machten und zum Stall kamen. |
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Die Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern trauten, der ihnen zu leuchten begann und die dafür ihre Heimat verließen. |
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Mit dem Unerwarteten rechnen, die Herzen offen halten für die Begegnung mit Gott – das erst erfüllt doch alle weihnachtlichen Traditionen mit tiefem Sinn. Gott antwortet auf unsere Sehnsucht nach Versöhnung und Gerechtigkeit mit dem Kind in der Krippe. Gott überwindet unsere gefühlte Gottesferne mit seiner Geburt als Mensch. Unsere Weihnachtstraditionen sind entstanden aus dem Wunsch, diesem wunderbaren Geschehen einen festlichen Rahmen zu geben, es auch mit allen Sinnen erleben zu können. |
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Aber sie können für uns auch zum atemraubenden Korsett werden: wenn die Vorbereitungen uns die Kraft für das Feiern nehmen, wenn wir die Weihnachtsgeschichte mit dem Kitsch der Rührseligkeit zuschütten, wenn wir uns keine Zeit nehmen, uns wirklich berühren zu lassen von Weihnachten, von der Begegnung mit dem Unerwarteten, mit wir vielleicht nicht rechnen, aber nach dem wir uns doch sehnen. |
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Literaturtipps |
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Zur Weihnachtsgeschichte |
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Pastorin Susanne Paul empfiehlt: |
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- „Hilfe, die Herdmanns kommen“ von Barbara Robinson. Ein Krippenspiel bekommt eine ganz neue, lebensnahe Dimension durch Kinder einer Familie, die im Ort aufgrund ihrer Verhältnisse nicht wohl angesehen sind. Was zunächst wie das große Chaos bei den Proben erscheint, entpuppt sich nachher als wirkliches Spiel von der Menschwerdung Gottes. Das Buch ist für Erwachsene wie für Kinder geeignet. Oetinger Verlag 1974, 9,90 Euro. |
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- „Und es begab sich. Inwendige Geschichte um das Kind von Bethlehem“ von Karl H. Waggerl. In wunderbar tiefgründigen Legenden werden die Personen und Tiere der Weihnachtsgeschichte in ein neues und besinnliches Licht gestellt. Verlag Müller (Otto), 1986 Salzburg, 9,50 Euro |
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- „Maria. Eine Begegnung mit der Muttergottes“ von Dorothee Sölle. Die Autorin zieht in ihrem Buch die Linien von der biblischen Prophetin und Mutter über die Maria der Dichter zu „Unserer Lieben Frau“ des armen Volkes und seiner Poesie. Verlag Herder, Freiburg, 2005, 9,90 Euro. |
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- „Die Heilige Nacht“ in: „Geschichten zur Weihnachtszeit“ von Selma Lagerlöf. In wunderbarer Sprache erzählt Selma Lagerlöf davon, dass manchmal das Alter und die Weisheit notwendig sind, um das Wunder der Weihnacht zu verstehen. Verlag Nymphenburger, 2003, 5,95 Euro. |
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