Diakonie zeigt zum Auftakt, was sie kann

Launiger Beginn in der Paulusgemeinde


Doris Lehrke-Ringelmann (von rechts), Beatrix Friedrich- Werner, Gertrud Mrowka und Karin Lawrenz-Maier streifen bei ihrer Kaffeerunde viele Probleme, für die die Diakonie eine Lösung hätte.
Foto: W. Hornig

Der Diakonieverband Hannover-Land hat seine Woche der Diakonie gestern in der Burgdorfer Paulus-Gemeinde mit einem launigen Programm eröffnet. Der Anzeiger stellt aus diesem Anlass in dieser Woche täglich eine der vielen diakonischen Einrichtungen in Burgdorf vor. Den Auftakt macht heute die Jugendwerkstatt Drei Eichen.

Es hat schon seinen Reiz, wenn die Leiterin der Suchtberatung ihren Freundinnen immer wieder ein Likörchen andrehen will. Und dies vor versammelten Publikum. Doch Beatrix Friedrich-Werner hatte nur Gutes im Sinn: Mit Gertrud Mrowka, Karin Lawrenz-Maier und Doris Lehrke-Ringelmann als tratschende Freundinnen stellte sie in einer amüsanten Kaffeerunde nahezu alle Problemlagen dar, für die die Diakonie eine Lösung parat hätte.

Eingebettet war dieses Anspiel in einen vielschichtigen Gottesdienst zum Auftakt der Woche der Diakonie, die der Diakonie-Verband Hannover-Land gestern von Burgdorf aus für die Region Hannover einläutete. Vom Diakonie-Lied, intoniert vom Burgdorfer Kinderchor unter der Leitung von Ilsabel Bartels-Kohl, bis zum mahnenden Gebet reichte die Agenda. Als Bonbon gab es zum Schluss die druckfrische Broschüre des Kirchenkreises Burgdorf, in dem alle diakonischen Angebote mit Ansprechpartnern und Telefonnummern aufgelistet sind.

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Burgdorf und Lehrte
vom 3. September 2007

Red. Rebekka Neander


Schulverweigerer erhalten eine Chance

Die Jugendwerkstatt Burgdorf vermittelt soziale Kompetenzen und berufliche Qualifikation

Von Susanne Wallentin

Keinen Schulabschluss, keine Berufsausbildung, kein Geld, keine Perspektive: Jugendliche, die in der Schule nicht zurechtkommen, haben es auch im Berufsleben schwer. Oft hapere es schon an selbstverständlichen Dingen wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Lernwilligkeit, sagt Gunda Obst, Leiterin der Jugendwerkstatt des Diakonieverbands Hannover-Land. „Die Jugendlichen verweigern Anweisungen der Lehrer oder Arbeitgeber oder kommen einfach nicht, ohne sich krank zu melden.“ Ihnen diese sogenannten Schlüsselqualifikationen beizubringen, sei das wichtigste Ziel und die Voraussetzung, um im Berufsleben zu bestehen.

In der Jugendwerkstatt Drei Eichen betreuen derzeit zehn Mitarbeiter 34 junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren. Schulverweigerer, die ihre Schulpflicht noch nicht erfüllt haben sowie junge Erwachsene ohne oder mit abgebrochener Berufsausbildung, arbeiten dort sechs Monate oder ein Jahr lang als Maler und Lackierer oder als Gartenbauer. Jugendliche ohne Schulabschluss können in einer kleinen Lerngruppe ihren Hauptschulabschluss nachholen.

In Einzel- und Gruppengesprächen trainieren Obsts Schützlinge, die ihr vom Jobcenter, den Haupt- und Sonderschulen sowie den Berufsbildenden Schulen Burgdorf-Lehrte zugewiesen werden, zudem soziales Verhalten. Es dauere manchmal bis zu drei Monate, bis sich die jungen Leute öffneten, sagt die Sozialpädagogin. „Das sind Menschen, die bisher nur erfahren haben, dass sich keiner für sie interessiert, dass sie niemandem vertrauen können und dass es keine Vorteile bringt, sich der Gesellschaft anzupassen.“ Den Jugendlichen innerhalb von sechs Monaten diese Ängste zu nehmen sei schwierig, wohl aber möglich, ihnen klar zu machen, dass sie den gesellschaftlichen Vertrag – Arbeitskraft gegen Geld – akzeptieren müssen, sagt Obst.

Wer die Jugendwerkstatt, Drei Eichen 5, kennenlernen will, hat dazu heute Abend (Montag) ab 18 Uhr Gelegenheit. Das Team lädt zur Woche der Diakonie zum Bratwurst-Essen am Lagerfeuer ein. Gunda Obst ist in der Werkstatt unter Telefon (0 51 36) 80 05 49 zu erreichen.

Ebenfalls Montag ab 15 Uhr können sich Interessierte die anderen diakonischen Einrichtungen an der Schillerslager Straße 9 anschauen und mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen.

"Woche der Diakonie" in Niedersachsen eröffnet

Braunschweig (epd). Mit einem zentralen Gottesdienst in Braunschweig haben am Sonntag die Diakonischen Werke der evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen die "Woche der Diakonie" und eine Haus- und Straßensammlung eröffnet. Der Präsident des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Pfarrer Klaus-Dieter K. Kottnik, dankte Spendern und Förderern, die der Diakonie den "Dienst am Nächsten" ermöglichten.

Das Bedürfnis nach Bestätigung und Dank sei allzu menschlich, sagte Kottnik in seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst in der Klosterkirche Riddagshausen. Der Präsident schloss daran die Frage an, ob in der Kirche und in der Diakonie die "Lobkultur" nicht viel zu wenig ausgeprägt sei. Der Grund sei die vermeintlich von Jesus geforderte Haltung, mit einem sogenannten Gotteslohn zufrieden zu sein.

Für die niedersächsischen Kirchen eröffnete der Direktor des Diakonischen Werkes der Braunschweigischen Landeskirche, Lothar Stempin, die neuntägige Aktionswoche. Sie steht unter dem Motto "Mitten im Leben". Letzter Tag ist der 9. September, der in den evangelischen Kirchengemeinden als "Diakonie-Sonntag" begangen wird. Die Geldsammlungen in den Gottesdiensten sind dann ebenfalls für diakonische Aufgaben bestimmt.

Immer mehr Menschen lebten in relativer Armut. Die Reparatur einer Waschmaschine könne schon eine finanzielle Katastrophe bedeuten, heißt es in einem Spendenaufruf. Mit den Spenden könne dort geholfen werden, wo alle staatlichen und familiären Mittel ausgeschöpft seien.

Die Mittel fließen teilweise in Projekte wie Nachbarschaftshilfen für Kranke und Einsa-me und die Sterbebegleitung in Hospizen. Der größte Teil komme Menschen in Not direkt zugute, erläuterte ein Sprecher. Ein Beispiel sei ein Rentnerehepaar, das durch einen Wohnungsbrand sämtliche Möbel verloren habe. Die Versicherung habe Zahlungen verweigert, so dass die Diakonie eingesprungen sei. Aus der hannoverschen Landeskirche meldet das Diakonische Werk, dass im vorigen Jahr 241 Personen mit einer Gesamtsumme von 75.580 Euro unterstützt wurden.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2509/02.09.07)