Zum Sonntag

Friedhöfe sind eine Zuflucht


Wolfgang Thon-Breuker ist Pastor der St.-Pankratius Gemeinde Burgdorf

Jemand lässt die Asche eines Verstorbenen zu einem Diamanten pressen, um seinen Liebsten immer bei sich zu tragen. Im brandenburgischen Guben prahlt der umstrittene Anatom und Geschäftsmann Gunther von Hagens damit, die von ihm entwickelte Plastination – eine Methode zur Haltbarmachung und Zurschaustellung von Leichen – würde sich neben der Erd- und Feuerbestattung bald als dritte Bestattungsform in Deutschland etablieren.

Bei der Diskussion um zeitgemäße Bestattungsformen findet oft nur das Außergewöhnliche und das Skurrile Beachtung. Für mich hat aber die in Jahrhunderten gewachsene, vom christlichen Glauben durchdrungene Bestattungskultur auf vieles klügere Antworten als marktschreierisch vorgetragene Neuheiten.

Unsere Friedhöfe warten nur auf eine Wiederentdeckung. Trauernde suchen einen Schutzraum für die Seele: Auf den Friedhöfen finden die Menschen Zuflucht. Dort lässt sich das Erinnern an die Verstorbenen lebendig erhalten. Dort kann man über den Tod hinaus Zwiesprache halten mit Angehörigen und Freunden. Man kann Fragen und Bitten an Gott richten, der Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod Ausdruck verleihen und im Kreislauf der Jahreszeiten erleben, dass im Vergehen eine neuer Anfang liegt.

Viele Menschen sind verunsichert, welche Form der Bestattung angemessen ist. In Lehrte gab es am vergangenen Sonntag einen gut besuchten Tag des Friedhofs. Gemeinsam mit örtlichen Floristen, Bestattern und Steinmetzen hatte die Kirchengemeinde als Träger des Friedhofs Anregungen für eine lebendige Trauerkultur gegeben.
Gehen Sie doch mal ohne konkreten Anlass auf einen Friedhof. Sie werden überrascht sein von der Vielfalt. Lassen Sie sich einfangen von der Ruhe unter alten Bäumen, entdecken Sie stille Ecken. Mancher Grabstein wird Sie zum Nachdenken anregen. Und Sie treffen Menschen. Sprechen Sie miteinander. Auch über den Tod! Auch über die Trauer.