include_once ("/var2/www/html/kk-burgdorf/www.kirchenkreis-burgdorf.de/amiscara/cls/cl_RuntimeEngine.php"); ?> $__runtime = new RuntimeEngine(); ?>

In ein Stahlkorsett verschnürt wird die Emmauskirche auf einen Schwertransporter gehievt und zwölf Kilometer transportiert.
ddp
|
Kirche in Bewegung |
|
|
von Superintendent Matthias Weismann aus dem Partnerkirchenbezirk Borna |
|
|
Wenn die Kirche in Bewegung kommt, ist allemal was los. Wenn sie zum Beispiel Menschen nachgeht, die ihren Lebenssinn suchen oder die neu anfangen möchten. Nun soll sogar die kleine Heuersdorfer Emmauskirche aus dem 11. Jahrhundert im wahrsten Sinne des Wortes an einen anderen Standort bewegt werden. Weil das Dorf dem Bergbau weicht, soll wenigstens sie erhalten und mit beeindruckender Technologie des 21. Jahrhunderts im Ganzen versetzt werden. Ein Ereignis, das seinesgleichen sucht und schon jetzt weltweites Interesse in unsere Region lenkt. |
|
|
Es ist aber noch lange kein Grund, dass die regionalen Akteure spontan an einem Strang ziehen. Selbstverständlich muss eine ausgiebige Diskussion über den Sinn, den optimalen oder suboptimalen Standort, über Wünsche und Bedenken geführt werden. Doch wenn man zum Ziel kommen will, muss man irgendwann abwägen und sich entscheiden. Dann gilt es, unüberwindbare Hindernisse zu akzeptieren und ihnen nicht unrealisierbare Wünsche gegenüberzustellen. Die Emmauskirche aus Heuersdorf wird in Borna neben der Stadtkirche ihren neuen Platz finden. |
|
|
Das ist möglich, weil es für diesen Standort einen Antrag der Bornaer Kirchgemeinde mit einem interessanten Nutzungskonzept gibt. Hier soll sie gottesdienstlich genutzt und gleichzeitig mit der Stadtkirche, welche die erforderlichen Ausstellungsflächen und einen größeren Versammlungsraum einbringt, zu einem Zentrum des Gedenkens an den Bergbau mit all seinen Folgen in der Region entwickelt werden. Von niemand sonst wurde ein anderer Antrag gestellt, und es hat sich nach jahrelanger (!) Suche und Diskussion auch keine andere Kirchgemeinde der Region gefunden, diese Kirche in ihre Trägerschaft zu übernehmen. Das aber ist Vorraussetzung für die Genehmigungsfähigkeit einer solchen Umsetzung. |
|
|
Der Eigentümer hat dem Antrag aus Borna zugestimmt. Weil er möchte, dass die Kirche erhalten wird, verzichtet er auf jegliche finanzielle Entschädigung. Alle diese, ihm gesetzlich zustehenden Mittel werden also nicht auf ein Konto fließen, sondern für den aufwändigen Transport und damit für die Erhaltung dieses auch kunsthistorisch sehr wertvollen Baues verwendet. Es handelt sich dabei ausschließlich um Mittel eines Wirtschaftsunternehmens und nicht etwa um Steuergelder! Die denkmalschutzrechtliche Genehmigung liegt nach sorgfältiger Abwägung der Möglichkeiten vor. |
|
|
Die Stadt Borna hat die Verkaufsbereitschaft für das einzig mögliche Grundstück signalisiert, und die Mibrag bereitet den Umzug, der noch in diesem Jahr stattfinden soll, bereits intensiv vor. Es wäre also gut, wenn nicht nur alle Akteure an einem Strang ziehen, sondern wenn sich auch viele Menschen der Region mit dieser einmaligen Chance auseinandersetzen, sie möglichst konstruktiv mitentwickeln und wenn es dann soweit ist, auch feste feiern. Denn man sieht auf uns und man ist allemal gespannt, wenn die(se) Kirche in Bewegung kommt. |
|
|
Autor: Matthias Weismann, Superintendent im Kirchenbezirk Borna vom 21.04. 2007 |
|
|
|
|

|
Presse |
|
|
Den kleinen Ort Heuersdorf südlich von Leipzig wird es schon bald nicht mehr geben, weil die Braunkohlebagger anrücken. Nur die romanische Emmauskirche bleibt erhalten. Das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert muss allerdings wie die Heuersdorfer selbst umziehen: In einer beispiellosen Aktion wird die komplette Kirche mit ausgeklügelter Technik in den Nachbarort Borna gebracht. |
|
|
Am 23. Oktober begannen Transportspezialisten mit dem Anheben und Verladen. Am Reformationstag soll die Ankunft des Gotteshauses im zwölf Kilometer entfernten Borna gefeiert werden. „Die Kirche soll am neuen Ort ein geistliches Zentrum der Erinnerung sein und den vom Bergbau in der Region betroffenen Menschen Halt geben“, sagt Superintendent Matthias Weismann von der evangelischen Kirche in Borna. Im Blick hat er dabei nicht nur die Heuersdorfer. Tatsächlich sind im Leipziger Südraum wegen der Braunkohle in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Ortschaften verschwunden – und mit ihnen die Kirchen. Die unter Denkmalschutz stehende Emmauskirche soll in Borna direkt neben der Stadtkirche St. Marien ihren neuen Platz finden. |
|
|
Der Umzug des Gotteshauses wird mehr als drei Millionen Euro kosten. Bezahlt wird er vom Braunkohleunternehmen Mibrag. In der Region wird das auch als Zugeständnis an die Heuersdorfer verstanden, die ihre alte Heimat nicht freiwillig verlassen wollten. Das Unternehmen selbst spricht von einer Geste der Verständigung. Die zuletzt rund 300 Heuersdorfer hatten der Mibrag jahrelang die Stirn geboten. Ende 2005 machte ein Gericht aber endgültig den Weg für die Bagger frei, die nun noch dieses Jahr anrücken sollen. |
|
|
Der Transport einer kompletten Kirche gilt als Novum. Immerhin wird das 750 Tonnen schwere Gotteshaus komplett mit Dachstuhl, Glocken und Altar auf die Reise gehen. „Nach unserem Wissen hat noch niemand ein vergleichbares Projekt realisiert“, sagt Uwe Wenzel, Chef der auf Schwersttransporte spezialisierten Firma Mammoet. Sein Unternehmen hat schon Industrieanlagen bewegt, Wohnhäuser und eine Windmühle. Der neue Auftrag gilt jedoch als besonders knifflig. Vorsichtshalber hat die aus Feldsteinen errichtete Kirche eine Art Korsett bekommen. Mithilfe von Pressen soll sie zunächst auf ein Stahlgitter und anschließend auf ein Spezialfahrzeug gehievt werden. Mit einem Tempo von zwei Stundenkilometern wird die 15 Meter breite und knapp 20 Meter lange Kirche schließlich auf die heikle Reise gehen. |
|
|
nach: Hannoversche Allgemeine Zeitung Oktober 2007 Red. Lars Rischke |
|
|
|
|
|
|
|