Zum Sonntag

Tempolimit ist Wort der Woche


Friedemann Pannen ist Pastor in der Johannes der Täufer Kirchengemeinde Uetze

Zugegeben: Ich fahre auch gerne schnell! Von daher würde mich ein Tempolimit treffen, wie es die SPD am vergangenen Wochenende forderte. Aber die Kanzlerin hat ja schon abgewunken. Die Automobilklubs sind erwartungsgemäß auch dagegen.

Für mich ist Tempolimit das Wort der Woche. Das Tempo begrenzen, das gilt für mich nicht nur auf der Autobahn. Es tut gut, einmal den Fuß vom Gas zu nehmen. Man muss ja nicht gleich bremsen.
Wenn ich permanent mit durchgetretenem Gaspedal arbeite und lebe, dann rauscht das Leben an mir vorbei. Ich kriege gar nicht mit, wie meine Kinder erwachsen werden. Ich übersehe, wie sich mein Partner oder meine Partnerin verändert.

Bei Tempo 200 auf der Autobahn des Lebens wird mir derjenige gleichgültig, den ich bemitleidend überhole, weil er nicht so schnell ist wie ich. Derjenige, der langsam vor mir fährt und mich zum Abbremsen zwingt, wird mir zum ärgerlichen Hemmnis. So mache ich mich – vielleicht unbewusst – selbst zum Maßstab und einzigen Bezugspunkt meines Lebens. Mein Tempo gilt, denke ich. Im Hochgeschwindigkeitsrausch meiner Arbeit (immer mehr in immer kürzerer Zeit) und meines privaten Lebens (immer weiter weg, immer einen neuen Kick) verliere ich unweigerlich die Ruhe. Das kann nicht gut gehen.

Wer ab und zu mit begrenztem Tempo über die Straße seines Lebens fährt, entdeckt den Mitmenschen wieder neu. Wer einmal Pause macht, nimmt wahr, wo es sich lohnt zu verweilen. Wer es gelernt hat, langsamer zu sein, verpasst dann auch nicht den Wegweiser.
Ein solcher Wegweiser könnte folgendes Bibelwort sein: „Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes...“ – und für mich. Morgen ist ein Tag zum Ausruhen. „Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott – bei der Erschaffung der Welt – von den seinen.“ (Hebräer 4,9f.)