Pastor träumt von einer friedlichen Welt

Bembenneck spricht am Volkstrauertag


Einen neuen Vorschlag zur Aufarbeitung der Burgdorfer Geschichte hat Rudolf Bembenneck am Volkstrauertag gemacht. In seiner viel beachteten Rede bei der Gedenkstunde in Burgdorf regte der Pastor im Ruhestand an, Erinnerungen von Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges zu sammeln.


Mit dem Volkstrauertag verbindet Bembenneck Albträume auf der einen und Träume der Hoffnung auf der anderen Seite. Leidvolle Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg hätten bei vielen traumatische Spuren hinterlassen, sagte der 74-Jährige. Einige Männer hörten noch nach Jahrzehnten die Schreie verwundeter und sterbender Kameraden. Bembenneck nimmt an, „dass auch manche derer, die die Bombenangriffe auf Burgdorf miterlebt haben, von Albträumen verfolgt worden sind“.
In zehn oder 20 Jahren werde kaum noch jemand, der den Zweiten Weltkrieg miterlebt hat, am Volkstrauertag am Ehrenmal stehen, vermutete Bembenneck, der bereits die Geschichte des jüdischen Lebens in Burgdorf intensiv aufarbeitet. Er regte an, in Burgdorf Feldpostbriefe sowie Aufzeichnungen von Soldaten, Flüchtlingen, Bombenopfern und Verfolgten des Naziregimes zu sammeln und daraus eine Geschichte aus Sicht der Opfer für spätere Generationen zu schreiben. Denn: „Verstehen wird nur möglich, wenn individuelle Schicksale mit lokaler Bodenhaftung anschaulich erzählt werden“, sagte Bembenneck.
Er ging auch auf die Attentate vom 11. September 2001 ein. Sie hätten vor Augen geführt, dass für einen ideologisch verblendeten Fanatismus Menschenleben nichts wert sind. Aber deshalb müssten sich Hoffnungsträume auf eine friedlichere Welt nicht in Schaum auflösen. „Im Gegenteil! Sie sind notwendig, weil in ihnen ein Hoffnungspotenzial steckt, das zu ausdauerndem und unbeirrbarem Einsatz Kraft gibt“, sagte der Pastor.

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Burgdorf und Lehrte
vom 19. November 2007
Red. Friedrich-Wilhelm Schiller