Gedichte eines Flüchtlings

Kosovo-Albaner Bekim Morina liest gemeinsam mit Oskar Ansull im Antikriegshaus


Lesen gemeinsam im Antikriegshaus: Bekim Morina (links) und Oskar Ansull.
Foto: Baller

Gemeinsam mit dem jetzt in Berlin lebenden hannoverschen Schriftsteller Oskar Ansull war Morina zum Abschluss der diesjährigen Friedensdekade nach Sievershausen gekommen. Er wurde 1989 wegen politischer Aktivitäten verhaftet und gefoltert und stand als damals 17-Jähriger Todesängste aus. Während des Kosovo-Krieges floh er 1998 mit seiner Frau und fand nach Aufenthalten in sieben Ländern und mehreren Gefängnissen Unterkunft in Langlingen bei Celle. Morinas Asylantrag wurde nach mehreren Anläufen anerkannt, nicht aber der seiner Frau. So bleibt weiterhin eine Unsicherheit über den künftigen Aufenthaltsort des Paares.

Vor seiner Flucht hatte Morina Literaturwissenschaft und Albanisch studiert. Ein ihm in Deutschland ab 2003 gewährtes Stipendium der Möller-Stiftung ermöglichte mit Unterstützung von Oskar Ansull die Herausgabe seines ersten Lyrikbandes mit 29 Gedichten in albanischer und deutscher Sprache.
Stark beeindruckt waren die etwa 20 Zuhörer von dem Gedicht „Lebe“ mit 54 Strophen, von denen einige vorgelesen wurden. Autobiografisches wird darin künstlerisch verpackt. Lebe, so schwer es auch immer fällt – das muss sich der Kriegsflüchtling mit seiner Frau immer wieder gesagt haben. Morina möchte auch weiterhin gern schreiben, wenn möglich, in seinem Land und in seiner Sprache. Darauf mag er angesichts der politischen Lage aber kaum hoffen.

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Burgdorf und Lehrte
vom 23. November 2007
Red. H. Baller