Zum Sonntag

Jesus kennt das wirkliche Leben


Birgit Hornig ist Diakonin in den Kirchengemeinden St.-Paulus Burgdorf und Ilten-Höver-Bilm

„Countdown bis Weihnachten“ – so nennen Konfirmanden die Adventszeit. Heute beginnt er. Im Konfirmandenunterricht habe ich die Jugendlichen gefragt, was ihnen die Adventszeit bedeutet. „Es wird früh dunkel; dann kann man Kerzen anzünden“. „Mit der Familie zusammen sein, Kränze binden, Kekse backen, das duftet so lecker im Haus.“ „Türen öffnen im Adventskalender, dann freut man sich auf den nächsten Tag“ - die Spannung steigt mit jedem Türchen mehr. Vermutlich denken die Jugendlichen dabei eher an die Geschenke, die für sie unter dem Weihnachtsbaum liegen werden, als an die Geburt Jesu. Darüber hinaus hat der Advent - die Vorbereitung darauf, dass Gott selber Mensch wird - doch eine tiefere Bedeutung für die Konfirmanden. Sie zeichnen ein Bild von Vorfreude, Besinnlichkeit und Sehnsucht: „... dass man keinen Streit mehr hat“. Und „dass die ganze Familie Zeit miteinander verbringt“, denn das ist selten, wenn Vater oder Mutter nur am Sonntag wirklich frei haben.

Was bedeutet Ihnen die Adventszeit? Vielleicht finden Sie sich wieder in den Wünschen und Beschreibungen der Jugendlichen. Vielleicht empfinden sie die Tage im Dezember eher als hektisch, ist der Termindruck noch größer als sonst im Jahr.

Damals, für Maria und Josef, waren die Wochen vor der Geburt gewiß nicht geruhsam, und das romantische Bild von der Krippe im Stall bei Kerzenschein fühlt sich von außen betrachtet mit Sicherheit anders an als echt erlebt. Was mir daran Mut macht: Jesus und seine Eltern kennen das wirkliche Leben. Wenn auch der Streß, den sie damals hatten, ein anderer war als unser Streß heute, so wissen sie doch, wie er sich anfühlt.

Das Leben findet seinen Weg – seit 2000 Jahren immer wieder. Da kann man doch ruhig mal innehalten und sich – ganz im Sinne der Konfirmanden – auf Weihnachten und aneinander freuen.