15 Jahre SMS: Ein nicht vorhersehbarer Siegeszug

Vor 15 Jahren wurde die erste SMS ver­sen­det.


Unzählige Kurznachrichten werden Tag für Tag von Handy zu Handy geschickt
(Symbol­bild).

Vor 15 Jahren wurde die erste SMS ver­sen­det. „Seither hat sie einen unglaub­lichen, in keiner Weise vor­her­seh­baren Sie­ges­zug erlebt”, sagte der Erfur­ter Handy-For­scher Joachim Höflich in einem Gespräch mit der Deut­schen Presse-Agentur dpa.

23 Mil­liar­den SMS-Nach­rich­ten werden die Deut­schen nach Schät­zung des Bun­des­ver­ban­des Infor­mati­ons­wirt­schaft bis zum Jah­res­ende ver­schickt haben - etwa 350 je Han­dynut­zer. Noch im Jahr 1999 waren es erst 3,6 Mil­liar­den gewesen.

Am 3. Dezember 1992 hatte ein Techniker in Groß­bri­tan­nien die erste Kurz­nach­richt (Short Message) zu Test­zwe­cken von einem Com­puter an das Mobil­tele­fon eines Kol­legen über­tra­gen. Die Bot­schaft lautete: „Merry Christ­mas”. Der Short Message Service (SMS) war damals gar nicht für die Kom­muni­kation zwi­schen den Tele­fon­nut­zern gedacht. Viel­mehr wollte der Betrei­ber damit die Nutzer unter anderem über Netz­störun­gen infor­mie­ren. Deshalb wurde dieses Neben­pro­dukt auch zunächst kos­ten­los ange­boten.

Der Erfolg dieses Mediums sei ange­sichts der meist wenig benut­zer­freund­lichen Funk­tion erstaun­lich, sagte Höflich. Die Tasta­tur sei klein, das Schrei­ben oft schwie­rig. „Dass es trotz­dem so ein­geschla­gen hat, ist auf die Jugend­lichen zurück­zuführen. Sie haben es sehr schnell als ihr eigenes Medium ange­nom­men. Sie können damit weit­gehend unkon­trol­liert von den Eltern kom­muni­zie­ren, quasi unter der Bett­decke Nach­rich­ten emp­fan­gen und ver­schi­cken.”

Junge Leute hätten auch eine unglaub­liche Vir­tuo­sität beim Schrei­ben von SMS-Texten und eine eigene Sprache ent­wickelt. „Nun gut, die Texte sind oft eher profan: "Hab dich ganz doll lieb" oder abge­kürzt "hdgdl" wird da dem Empfän­ger mit­geteilt. Aber unser Alltag ist ja auch über­wie­gend profan”, meinte der Handy-For­scher.

Seit 1994 unter­stüt­zen alle Mobil­tele­fone Versand und Empfang der Kurz­nach­rich­ten. „Inzwi­schen ist es Alltag gewor­den. Heute sehen wir, wie sogar die Bun­des­kanz­lerin mit dem Daumen die Tasten ihres Handys bear­bei­tet”, so der Pro­fes­sor.

Unter Schülern seien SMS mit den Zet­tel­chen ver­gleich­bar, die sich Mädchen und Jungen unter der Schul­bank zusteck­ten. Oft würden sie auch gemein­sam geschrie­ben und gelesen. Beim Ver­fas­sen der SMS gebe es große geschlechts­spe­zifi­sche Unter­schiede. „Frauen schrei­ben nicht nur mehr Briefe und Mails, sondern auch mehr, längere und schö­nere SMS”, weiß Höflich aus Studien. „Die Ant­wor­ten der Männer fallen meist eher kurz aus, etwa: "Ich dich auch, dein Otto".”

Die SMS im bis­heri­gen Format ist laut Höflich ein Aus­lauf­modell. „Wenn von jedem Handy Mails in belie­biger Länge ver­sen­det werden können, braucht es die Reduk­tion auf die 160 Zeichen nicht mehr.” Für den Bun­des­ver­band Infor­mati­ons­wirt­schaft, Tele­kom­muni­kation und neue Medien gibt es aller­dings noch keinen Anlass für einen Abge­sang auf die SMS: Eher werde die Mobile Mul­time­dia-Nach­richt MMS mit Urlaubs­foto die Post­karte erset­zen, glauben die Fach­leute.

Gespräch: Thomas Kunze, dpa

aus:
Rheinzeitung
vom 8. Dezember 2007