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Pastor Dr. Ralph Charbonnier im Gespräch mit dem Journalisten Stefan Heinze und der Pädagogin Susanne Bürig-Heinze.
Foto: Dieter Heun
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Ein Gottesdienst mit dem Kandidaten für das Amt des neuen Superintendenten, Ralph Charbonnier, hat gestern rund 150 Gäste in die Burgdorfer St.-Pankratius-Kirche gelockt. Darunter war auch die Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann. |
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Nicht nur Mitglieder der Pankratiusgemeinde, sondern auch kirchliche Mitarbeiter, Ehrenamtliche und andere Interessierte aus dem Kirchenkreis Burgdorf waren gekommen, um die sogenannte Aufstellungspredigt von Charbonnier zu hören. Schein und Sein war das Thema seiner Predigt. |
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Der zugrunde liegende Text aus dem neutestamentlichen Buch der Offenbarung gilt als anspruchsvoll. „Es war ein schwerer Text, aber er ist souverän damit umgegangen“, würdigte Gemeindemitglied Lutz Nolte Charbonniers Auslegung. Ruth Beneke warb angesichts von Unterschieden zum Predigtstil des bisherigen Superintendenten Detlef Klahr um Offenheit. „Man darf nie jemanden mit dem Vorgänger vergleichen“, sagte sie. „Es wird frischer Wind in die Gemeinde ziehen“, meinte Wolfgang Schüttler. |
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Charbonnier, der vor seiner theologischen Ausbildung auch ein Ingenieurstudium absolviert hat, nutzte die Gelegenheit, im Anschluss an den Gottesdienst beim Kirchen-Café aus seiner beruflichen Biografie zu erzählen. Ob er neuer Superintendent wird, entscheidet der Kirchenkreistag am 17. Januar. |
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Ralph Charbonnier erläutert seinen Werdegang.
Foto: S. Heinze
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Kurzlebenslauf von Dr. Ralph Charbonnier |
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Seit über fünf Jahren Studienleiter am Zentrum für Gesundheitsethik, einem sog. An-Institut der Evangelischen Akademie Loccum in Hannover. Arbeitsschwerpunkte: Förderung der Palliativversorgung, Hospizarbeit und Seelsorge für schwer kranke und sterbende Menschen und Ethikberatung im Krankenhaus. |
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Gebürtig (Jg. 1962) in Schlüchtern/Hessen. Dort auch Schulbesuch bis zum Abitur. 1981-1988 Studium der Ingenieurwissenschaften (Feinwerk-, Mess- und Regelungstechnik) in Braunschweig und Berlin. 1988-1994 Studium der Evangelischen Theologie und Philosophie an der Philipps-Universität Marburg/Lahn. Vikariat in der Matthäus-Gemeinde und im Predigerseminar in Hildesheim. Anschließend Promotion zum Thema „Technik und Theologie“ mit Hilfe eines Stipendiums der Hanns-Lilje-Stiftung. Von 1999 (Ordination) bis 2002 Pastor in der St.-Vitus-Kirchengemeinde Wilkenburg-Harkenbleck bei Hannover. |
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Persönliche Daten: verheiratet, 2 Töchter (2 und 4 Jahre alt). Ehefrau ist auch Pastorin. |
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Neben der Berufstätigkeit: Zeit mit der Familie, in der Freizeit: Chor- und Orgelmusik, Lesen (Biographien und philosophische Klassiker), zum Ausgleich für geistige Tätigkeiten: Fahrradfahren, Schwimmen, Camping. |
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Predigt zum 3. Advent in der St. Pankratius-Kirche Burgdorf 16.12. 2007 |
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Liebe Gemeinde! |
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Ich lese den für den heutigen Sonntag vorgeschlagenen Predigttext aus dem Buch der Offenbarung, Kapitel 3, Verse 1-6: |
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Und dem Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott. So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. Aber Du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einherge-hen in weißen Kleidern, denn sie sind’s wert. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! |
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Der Gemeinde in Sardes in Kleinasien wird zugemutet, sich das anzuhören: „Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.“ |
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Sie können sich vorstellen, dass ich geschluckt habe als ich diesen Text las und wusste, diesen Text sollst Du auslegen in der Pankratius-Kirchengemeinde, die Du doch gar nicht so gut kennst ... |
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Aber hier gilt natürlich, was für jeden Bibeltext gilt: Jeder von uns und jede Gemeinde, die hier vertreten ist, prüfe sich selbst, was aus dem Bibeltext er oder sie auf sich beziehe. |
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Wurde Ihnen als Mitglied einer Kirchengemeinde schon mal ins Gesicht gesagt: „Deine Gemeinde erscheint ja ganz lebendig, ist aber in Wirklichkeit tot!“? – oder vielleicht etwas abgemildert: „Sie ist doch sterbend!“ |
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Oder noch bedrängender: „Du – als Person – erscheinst ja ganz lebendig, innerlich aber bist du tot!“ |
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Am schlimmsten vielleicht die Selbsterkenntnis: „Ich lebe Fassade. Dahinter spüre ich Leere, Ödnis, Tod. Rollen, die von mir erwartet werden, fülle ich aus. Ich setze mir die Maske des Lebendigen auf und spiele das Spiel mit. Innerlich aber bin ich ganz woanders, sterbe innerlich ab, fühle mich immer wieder wie tot. Mein Leben ist mehr Schein als Sein!“ – Eine harte Selbsterkenntnis: Mehr Schein als Sein! |
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Adventsbräuche bieten für diese „Überlebensstrategie“ reichlich Möglichkeiten: |
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- Überbordende, bunte, blinkende Adventsbeleuchtung, vor allem heller und bunter als beim Nachbarn, erstickt manches Sein im Schein! |
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- Süßer die Glocken nie klingen und Heilige Nacht im Supermarkt ab November – der Schein macht die Musik! |
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- Zuckerguss und Süßes aller Orten – zum Schein wird alles heil! |
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Die Liturgieexperten, die den Text aus der Offenbarung für den 3. Advent vorgesehen haben, hatten im Sinn: Im Advent muss das Sein aufgedeckt werden – um ein Umdenken einzuleiten, auch wenn es zunächst schmerzhaft sein kann! Deswegen ein apokalyptischer Text, ein das Sein aufdeckender Text – aber kein schonungsloser Text, vielmehr ein therapeutischer, ein heilmachender Text. |
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Die Gemeinde in Sardes in Kleinasien hatte einen guten Namen: Mutige Christen der ersten oder zweiten Stunde hatten sie gegründet. Sie hatten ihren Glauben bekannt und auch an ihm festgehalten als es Widerstände gab. Die nächste Generation aber fand zunehmend Gefallen an der griechischen Kultur und am römischen Kaiserkult. Sie vermieden, die Konkurrenz zwischen Götzendienst und Gottesglauben klar zu sehen. Anpassung an das, was in der Gesellschaft en vogue war, wurde ihnen wichtiger als ihre christlichen Wurzeln. Die Konsequenz: Nach außen wurde der Schein gewahrt. Die christliche Identität ihrer Gemeinde aber bröckelte, starb ab, ging verloren. Eine Weile ging das gut. Aber irgendwann wurde die Diskrepanz zwischen Schein und Sein zu groß. Fast war es zu spät. Dann hieß es: „Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. ... Ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.“ Walter Jens übersetzt noch drastischer: „Deine Werke, ich hab sie geprüft, sind Fetzen und Bruchstücke vor meinem Gott.“ |
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– Ein wahrlich apokalyptischer, schmerzlich aufdeckender Brief des Johannes an die Gemeinde in Sardes. |
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Aber glücklicherweise endet er nicht mit diesem Impuls. Der Brief zeigt die therapeutische Absicht des Johannes: |
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Drei Therapieschritte kann ich in den weiteren Sätzen des Briefes erkennen: |
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1. Das Lebendige, das zu sterben droht, stärken: „Werde wach und stärke das andere, das im Sterben lag!“ Eine Art Sofortmaßnahme: Das gefährdete Lebendige, sehen, schützen, fördern. |
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2. Ressourcen, innere Reichtümer erschließen: „So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest!“ Besinnung auf das, was Identität gab und neu zu erschließen ist. Besinnung auf die Erwählung durch Gott, auf den einstmals erfahrenen Zuspruch. |
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3. Ein verheißenes Ziel ins Auge fassen: „Du hast einige in Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir einhergehen in weißen Kleidern. ... Wer überwindet, ... dessen Namen werde ich nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater.“ Ein neues Ziel vor Augen stellen, dadurch ein Umdenken einleiten. Metanoia – den Sinn, das Denken umkehren. „Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann“ – dieser neurophysiologisch wohl nicht ganz haltbare Spruch macht trotzdem auf etwas aufmerksam: Wir sind wandlungsfähig, lernfähig, unser Gehirn bleibt plastisch bis ins höchste Alter. Ein motivierendes Ziel kann dieses Umdenken einleiten – erst recht, wenn ein solch großartiges Ziel vor Augen gestellt wird: „Ich werde deinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens!“ |
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Mögen Sie dies einmal – zur Probe – auf ihre eigene Gemeinde beziehen? Wird ihr nachgesagt, dass sie lebendig ist, obwohl Sie, von innen schauend, sterbende Züge sehen? |
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Sich diese Frage zu stellen, ist der apokalyptische Schritt im therapeutischen Prozess einer bewusst betriebenen Gemeindeentwicklung. Sie kennen sicherlich solche Erfahrungen aus Ihren Bemühungen, in Ihrer Gemeine ein Gemeindeprofil zu benennen. Das wird manchmal schmerzhaft gewesen sein: Zu unterscheiden zwischen alten Bilder von der eigenen Gemeinde aus goldenen – oder nachträglich vergoldeten – Zeiten auf der einen Seite und der Realität auf der anderen Seite. Da kann Angst hochkommen: Angst, den scheinbar (!) guten Namen der Gemeinde zu verlieren. Angst davor, den schleichenden Identitätsverlust offen zuzugeben. Angst davor, es könnte erkennbar werden, dass manche der gemeindlichen Arbeitsfelder sterbend sind. |
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Folgen wir Johannes, dann geschieht dieser apokalyptische Schritt in therapeutischer Absicht und therapeutischer Zielsetzung: Welche eigentlich lebendigen, aber akut gefährdeten Bereiche müssen als Sofortmaßnahme gestärkt werden?: Vielleicht das gute Miteinander zwischen Kirchengemeinde und Dorfleben. Vielleicht die Kirche oder Kapelle, die Schmuckstück im Ort ist und darum einbezogen wird in das Leben im Ort. Oder die Kirchenmusik, die Lebendigkeit ausstrahlt im Ort und über die Ortsgrenzen hinaus. |
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Ressourcen, innere Reichtümer erschließen – aber die wirklich eigenen Ressourcen: Keiner wird letztlich fragen: „Warum wart Ihr nicht wie die Marktkirche in Hannover oder wie der Wal auf dem EXPO-Gelände?“ Berechtigt ist aber die Frage: Welches persönliche Gesicht hat Deine Gemeinde? In der Fotoausstellung des Kirchenkreises konnte ich jüngst viele dieser Gesichter erkennen. |
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Ziele erkennen, formulieren, sich von ihnen motivieren lassen, der Gemeindearbeit eine neue Richtung geben – manchmal auch umkehren! |
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Und schließlich: Das Neue Sein zum Scheinen bringen! Hier ist die Öffentlichkeitsarbeit gefragt. |
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Sie kennen dies alles aus den Organisationsentwicklungsprozessen, die Sie durchgeführt haben. Wenn man hört, was der Seher Johannes der Gemeinde Sardes schreibt, sieht man: Nichts neues unter der Sonne – trotzdem noch immer richtig, und vor allem: heilsam! |
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Lassen wir die Einsichten, die Johannes auf die Gemeinde in Sardes bezieht, an uns selbst heran, dann meine ich: Sie treffen auch die Wirklichkeit eines jeden Menschen: |
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Ich glaube, jede und jeder von uns kennt das unangenehme Gefühl: „Mehr Schein als Sein!“: |
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Jugendlicher oder jünger erscheinen wollen als man ist!? Nicht erst mit Anti-Aging-Maßnahmen und Schönheitsoperationen fangen die Versuche an, sich so zu geben wie man von außen gerne gesehen wird. Das Gesicht wird mehr und mehr zur Maske. Bis die Diskrepanz zwischen außen und innen, zwischen Schein und Sein immer größer wird. Dann wächst die Angst des Gesichtsverlustes, weil der Verlust der Maske mit Gesichtsverlust ineinsgesetzt wird. |
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Immer wieder wird von Menschen berichtet, die arbeitslos werden, und die trotzdem jeden Morgen zur üblichen Zeit das Haus verlassen, im Business-Anzug oder Blaumann, mit Laptop unterm Arm oder mit Pausenbrot in der Tasche. Sie kehren abends wie gewohnt zurück als wäre nichts gewesen. Die Fassade wird aufrecht erhalten, die Maske schützt, das Spiel wird mitgespielt – bis eines Tages der Selbstbetrug auffliegt. |
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Was passiert? Freunde und Kolleginnen beziehen sich auf den Menschen, der seine Rolle spielt – der innere Mensch wird nicht mehr erreicht, er trocknet aus, wird leblos. Irgendwann drängt sich die innere Einsicht immer mehr auf: „Ich werde lebendig genannt und bin doch tot.“ |
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Ganz bitter kann es kommen, wenn Menschen in Armut geraten, ihren Kindern aber Demütigungen ersparen wollen, wenn die Eltern trotzdem Markenkleidung kaufen und sich schämen, dem Lehrer gegenüber zuzugeben, dass sie das Geld für die Klassenfahrt nicht zahlen können. Das Versteckspiel nimmt seinen Lauf. Die Spirale der Angst, entdeckt und demaskiert zu werden, treibt Menschen in große Nöte. |
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Wie heilsam ist es, wenn ein Mensch dann in einem geschützten Rahmen diese Wahrheit benennen, aufdecken kann, wenn zugleich Stärken gestärkt werden, Lebensressourcen gesucht werden – einfach von Mensch zu Mensch oder auch im Gespräch mit professionellen Beraterinnen und Beratern. |
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Welche Erleichterung geht dann durch die Herzen mancher Menschen wenn sie hören: „Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden; denn die Herrlichkeit des Herrn soll offenbart werden!“ (Jesaja 40) |
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Welche Erleichterung macht sich in Menschen breit, die in ihrem Leben, das zur gespenstischen Maskerade geworden ist, ihre Masken fallen lassen können, weil sie hören wie wir es im Evangelium gehört haben: „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt.“ (Matthäus 11) |
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Dann setzt Umdenken ein. Die Umkehr von Schein zum Sein. |
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Johannes’ Brief an die Gemeinde in Sardes kann für uns Skizze sein für den Weg vom 1. bis zum 4. Advent bis zur Heiligen Nacht: Es ist der Weg von der Scheinwelt, in der es heißt „Mehr Schein als Sein“, hin zur neuen Wirklichkeit, in der es heißt: „Das Neue Sein soll scheinen!“ |
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Und dabei können uns all die guten und bewährten Adventstraditionen helfen: Kerzen können unserem inneren Sein eine Chance geben, sich zu zeigen, weil Erfreuliches und Schmerzhaftes nicht ans Licht gezerrt werden, aber erkennbar werden – und das, was sonst im gleißenden Licht erscheint und uns attraktiv erscheint, bleibt im Dunkeln. Adventliche Texte oder Musik können helfen, Ressourcen in uns, innere Reichtümer, die vielleicht verschüttet sind, stark werden zu lassen. Neue, uns gut tuende Lebensziele können uns so in den Blick kommen. |
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Derart neu oder wieder entdecktes Sein soll dann ausstrahlen, scheinen! |
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Glühwein, Kekse, Festbeleuchtung, in der heimischen Wohnung oder auch im gemeinsamen dörflichen oder städtischen Raum bekommen dann ganz neue Qualität: Denn: Hinter dem Schein ist lebendiges Sein! |
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Amen. |
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