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© Michael Blum, Macht hoch die Tür, 2007
Mischtechnik, Blattgold
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In den Straßen auf dem Bild ist alles dunkel. Die Häuser sind verschlossen, kein Licht hinter den Fenstern. Niemand ist zu sehen, niemand scheint zu bemerken, was in dieser besonderen Nacht geschieht. Kein Mensch bekommt mit, wie der Himmel sich auftut und die Dunkelheit durchbrochen wird. Niemand geht in den Gottesdienst, niemand hat die Straßen festlich geschmückt, niemand hat Geschenke besorgt oder mit den Kindern Adventslieder gesungen, keine Krippe ist aufgestellt, die Kirchen sind still und leer. Der Himmel steht offen, es ist Weihnachten, aber die Türen in den Häusern der Menschen sind zu. Weit und breit wird die Veränderung, die mitten in unserer Welt geschieht, anscheinend gar nicht wahrgenommen. |
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Das Bild, das Sie sehen, stammt von dem Euskirchener Künstler Michael Blum. Die verschlossenen Häuser, die Dunkelheit auf der Erde – sind sie vielleicht ein Symbol für die innere und äußere Verschlossenheit, für unser menschlich begrenztes Vermögen, das zu sehen, was seit der Heiligen Nacht über unseren Alltag hinausragt? Können wir wirklich begreifen, was es mit dem Kind in der Krippe für uns auf sich hat? |
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Ein Vers aus dem Buch des Propheten Jesaja liegt diesem Bild zu Grunde. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell“. Der Künstler hat es an die alttestamentliche Erzählung von der Himmelsleiter angelehnt, die schon dem scheinbar verlorenen Jakob zeigte, wie tief Gottes Liebe gerade zu denen ist, die im Finstern ihren Lebensweg finden müssen. Mir zeigt das: mit Weihnachten eröffnen sich Zugänge und Einsichten, die aus menschlicher Sicht eigentlich unmöglich sind. Sie können von uns selbst nicht geschaffen werden. Das Licht kommt von oben, der Weg über die Leiter wird vom Himmel her eröffnet, wie dunkel auch immer die Finsternis bei uns hier unten auf der Erde, in meinem Leben, in unserer Welt ist. Mit Weihnachten kommt Gott in unser Leben und in unsere Welt – das bleibt überraschend, bewegend. Gott kommt zu mir und zu dir. Gott will dein und mein Leben stärken. Ich bin gemeint, ich kann mich anvertrauen, auch heute Abend, gerade in der Heiligen Nacht. |
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Die Heilige Nacht kommt, unabhängig von allem, was wir tun und vorbereiten. Sie kommt, unabhängig von dem, was ich im Moment davon begreifen und aufnehmen kann, innerlich und äußerlich. Gott kommt zu mir und zu dir, das ist die Botschaft. Damals, am ersten Weihnachtstag, war auch nichts vorbereitet. In Israel hat niemand von der Ankunft dieses Kindes gewusst. In Bethlehem war in keiner Herberge Platz, nirgends war auch nur das Geringste geplant. Und der Stall, den Josef fand, war mit Sicherheit nicht so, wie ein Ort vorbereitet sein sollte, an dem eine Frau ein Kind zur Welt bringt. Ahnungslos waren die Menschen, gefangen in der Dunkelheit, die nicht begreifen konnte, was da geschah. |
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„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell“. Das Besondere an dieser prophetischen Verheißung ist für mich, dass das Licht stärker ist als die Finsternis. Das heißt: die Finsternis werden wir in unserem Leben nicht vollständig überwinden können. Krankheit, Trauer und Ausweglosigkeit, Dunkelheit und Kummer - das alles gehört zu unserem Leben. Aber Weihnachten geschieht trotzdem. Die Botschaft der Engel „Fürchtet euch nicht!“ legt sich verheißungsvoll über alles, was wir als dunkel und bedrohlich erleben und empfinden. Mit der Heiligen Nacht kommt Gott zu uns in die dunkelsten Winkel unseres Lebens und verspricht uns: niemals soll es sich in deinem Leben so verfinstern, dass du keinen Halt findest. Und gerade über all dem, was für uns auch nicht zu verändern ist, bleibt Gottes Licht in hoffnungsvoller Nähe. Das ist das Geschenk der Heiligen Nacht für uns. |
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Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir mit unseren ganzen Vorbereitungen und all der Hektik, die in den Wochen vor dem Heiligen Abend verbreitet wird, auch unsere Hilflosigkeit diesem Weihnachtsgeschehen gegenüber ein wenig vertuschen wollen. So, als wollten wir nicht wahrhaben, dass wir am Geschehen der Weihnacht eigentlich ganz unbeteiligt sind. So, als könnten wir nicht glauben, dass uns ohne alles Zutun dieser große Trost zugesagt und geschenkt wird. Das Fest, an dem wir die meiste Aktivität im ganzen Jahr entfalten, ist eigentlich das große Fest des Beschenkt-Werdens ohne alles Zutun. Gott ist es, der handelt. Gott kommt zu uns, mitten in unseren Kummer, unsere Fragen, unser Leben. Das können wir am Heiligen Abend feiern - staunend, fragend, dankbar. |
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Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten, Ihre |
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Margot Käßmann |
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