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Annette Charbonnier ist Pastorin in der St.-Paulus-Gemeinde Burgdorf |
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Auf meinem Schreibtisch steht ein kleines Modell einer südamerikanischen Kirche: ein unscheinbarer Bau mit einem Kreuz aus Streichhölzern auf dem Kirchturm. Kürzlich ist mir dieses Kreuz abhanden gekommen, wahrscheinlich heruntergefallen und im Staubsauger gelandet. Eine Kirche ohne Kreuz, das geht doch nicht! Aber warum? Natürlich ist das Kreuz das christliche Symbol – aber es löst auch ganz unterschiedliche Gefühle aus: Die einen finden es abstoßend: Warum so viel an Leid und Tod denken? Andere sehen es als Ausdruck eines befremdlichen Gottesbildes: Braucht Gott das Sterben des unschuldigen Menschen Jesus, um uns vergeben zu können? Wieder anderen ist es wichtigster Kern ihres Glaubens, der sie trägt: „Jesus ist für mich gestorben!“ |
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Ich glaube, Jesu Leid und Tod können dann für uns lebendig werden, wenn wir uns selbst in seinem Gesicht wiederkennen, mit ihm die verletzenden Erfahrungen unseres Lebens aushalten: Er kennt den Schmerz der Einsamkeit, die Enttäuschung über verratene Liebe, die Klage, sich sogar von Gott verlassen zu fühlen. Und er hat es mit denen ausgehalten, die sich in der Stunde der Not aus dem Staub gemacht haben. |
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In Jesu Gesellschaft muss nichts unter den Teppich gekehrt werden: weder das, was wir erleiden, noch das, was wir anderen antun. Unser Leben ist verletzt durch Schmerz und Verlust, und wir verletzten andere. So bekommt der Satz „Jesus hat für uns gelitten“ für mich die Bedeutung: Er leidet noch heute mit uns. Die Erfahrung des neuen Lebens, das wir an Ostern feiern, gibt es nicht ohne den Abstieg in das, was uns dunkel und schwer erscheint. Aber dieser Abstieg muss nicht mehr einsam und bodenlos sein. |
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Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bliebt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12,24 |
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