
Kai Schumacher ist Pastor der evangelisch-lutherischen St.-Pankratius-Kirchengemeinde in Burgdorf.
Um uns herum wird es dunkel. Die Nächte brechen immer noch früh herein. Die Festlichkeiten der vergangenen Wochen sind jetzt Erinnerungen. Glühbirnen haben den Kerzenschein ersetzt. Die guten Taten sind von gestern. Jetzt heißt es wieder: Ich bin mir selbst der Nächste – und um uns herum wird es dunkler. Der eine hat seine Weihnachtsbeleuchtung wieder sorgsam in der grünen Kiste verstaut. Der andere hat seinen Weihnachtsstern schon entsorgt. Die Lichterketten sind eingeräumt. Es herrscht Sehnsucht nach Licht und nach Wärme und nach Geborgenheit in rauer Zeit.
Was bleibt vom Weihnachtslicht? Hat das Fest der Liebe nur eine Fassade angeleuchtet oder sind ein paar Strahlen tiefer vorgedrungen? Haben sie sich entzündet und tauchen auch den Nächsten in das Licht der Welt? Das Licht der Welt, das an Weihnachten zu uns gekommen ist und eben nicht klein und unscheinbar in der Krippe liegen blieb, sondern ausstrahlte in die Welt? In die Dunkelheit, die nach den glanzerfüllten Feiertagen und dem bunten Jahreswechsel ganz besonders schmerzhaft zu spüren ist, fällt immer noch dieses eine Licht, das nicht zusammen mit dem letzten glimmenden Kerzendocht erstickt wird.
Gott sprach: „Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben.“ Dieses Licht im Herzen kann sichtbar werden in der Welt. Wir können erzählen und so die Wärme und Geborgenheit ausstrahlen, die uns in unsere Herzen gegeben wurde. Du fragst: Können Worte es wirklich heller werden lassen? Ich glaube ja. „Mama“, ruft das kleine Mädchen aus seinem großen Zimmer. „Mama, sag doch bitte was zu mir. Es ist so dunkel hier. Ich habe Angst.“ Die Mutter: „Das bringt doch nichts. Du kannst mich ja gar nicht sehen.“ Das Kind: „Das macht nichts Mama, wenn Du sprichst, wird es hell.“
Zum Nachlesen
2. Korintherbrief, Kapitel 4, Vers 6.
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