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Zur „Kultur des Sterbens“ bereitet der Stadtmarketing-Verein für den 14. September einen großen Thementag vor. |
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Zeitlebens sterben die anderen. Woher soll also das Wissen kommen um den Tod? Wer lehrt, was erlaubt ist, wenn der Abschied naht? Auf diese Fragen wollen der Stadtmarkteting-Verein und die Pankratiusgemeinde Antworten liefern mit einem Aktionstag zum Themenjahr „Burgdorf l(i)ebt Kultur“. Am Sonntag, 14. September, wollen die Initiatoren das „Sterben im Leben entdecken“. |
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Auftakt wird um 10 Uhr ein Gottesdienst in der Pankratiuskirche sein unter der Leitung von Superintendent Ralph Charbonnier. Um 11 Uhr setzt sich vor der Kirche eine Prozession zum Schloss in Gang. Der Posaunenchor Burgdorf spielt dazu das Stück „Just a Closer Walk with Thee“ von Richard Roblee. Joachim Kannegießer empfängt den Zug am Schloss mit einer Lesung zur Sterbekultur. |
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Im Schloss gibt es eine Ausstellung, an der sich 17 Institutionen, Gruppen und Geschäftsleute beteiligen. Sie gestalten ein Kaleidoskop, in dem sich die Bedürfnisse der Hinterbliebenen ebenso spiegeln sollen wie jene derer, die sich um den eigenen Tod Gedanken machen. |
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So gehören zu den Ausstellern Hospizdienste und auch Steinmetze. Eine Schneiderei für Totengewänder beteiligt sich wie eine Rechtsanwältin, die Auskunft geben kann über Patientenverfügungen und Testamente. |
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Zur Ausstellung gehört zudem ein Auszug der Präsentation „Reisende zwischen den Welten – Bestattungsrituale vom Mittelalter bis zur Neuzeit“ aus dem Trauerhaus Peine. Um 14.30 Uhr hält Dr. Thela Wernstedt, Palliativmedizinerin aus der Medizinischen Hochschule, einen Vortrag „Leben am Lebensende gestalten“. |
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Abschluss ist um 16.30 Uhr das Konzert „Bariton und Orgel“ in der Pankratiuskirche mit Werken von Johannes Brahms und Antonin Dvorak. Mitwirken werden der Bariton Thilo Dahlmann, Martin Burzeya an der Orgel. Pastor Michael Schulze wird Texte verlesen. |
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Der Anzeiger hat das Vorhaben auch mit einer Serie begleitet: |
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Die Inschrift am Friedhof Uetzer Straße klingt banal. Und dennoch fällt der
Umgang mit diesem Thema schwer.
Foto: Neander
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Teil 1 Leistungsnachweis am Grab |
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Für Pastoren gerät die Trauerrede oft zum Drahtseilakt – Fingerspitzengefühl ist gefragt |
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Der Auftakt der Serie widmet sich den Pastoren. Die Inschrift am Friedhof an der Uetzer Straße klingt banal. Und dennoch fällt der Umgang mit diesem Thema schwer. |
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Einmal, da wäre es fast schief gegangen. Gleiches Alter, gleicher Ort, gleiche Biografie. Drei Beerdigungen in einer Woche. Da liegt am Grab schon mal der falsche Lebenslauf auf der Zunge. Superintendent Ralph Charbonnier treibt seine Beinahe- Katastrophe aus frühen Pastorentagen auch Jahre später um. Beschreibt sie doch einen Kernkonflikt seiner Branche: „Für die Hinterbliebenen ist die Trauerfeier eine hochexistentielle Situation, absolut einmalig – und für uns Pastoren wird es zur Routine.“ |
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Zumindest droht sie es zu werden. Der demografische Wandel und die Verknappung der Stellen verschärfen die Situation ohnehin. Überdies hätte Charbonnier gern viel mehr dieser Termine im Kalender. „Ich wünschte mir, wir fänden den Weg zurück zur Kultur der Aussegnung“, sagt Charbonnier. Nur die Hinterbliebenen, der Pastor – und der Mensch, der nun so sehnlichst vermisst wird. Alle vereint in einem, vor der Öffentlichkeit, geschützten Raum. „Um Erinnerungen zu teilen, um Impulse zu geben.“ Und auch, um zu versöhnen. „Wer so etwas erlebt hat, übersteht die Tage bis zur eigentlichen Beisetzung viel gestärkter.“ |
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Doch wie soll das gehen, wenn er sich gleichzeitig wünscht, den Kopf dafür fern der Routine auch wirklich frei zu haben. Immerhin nennt Charbonnier das Grab den Ort, „an dem der Pastor zeigen kann, was er gelernt hat“. „Wenn die Gemeinde möchte, dass ihr Pastor hier nicht versagt, muss sie auf ihn verzichten“, lautet Charbonniers Vorschlag, um den Terminkalender zugunsten der Trauernden zu entlasten. Das Gespräch mit den Hinterbliebenen, um sich tief in das Leben des Verstorbenen hineinbegeben zu können, falle schwerer ins Gewicht als ein 70. Geburtstag. „Ein Pastor muss auch nicht bei jedem Gesprächskreis mit dabei sein.“ |
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Eine Trauerrede hingegen verlange enormes Fingerspitzengefühl, wenn das Leben in Gänze gewürdigt werden soll: „Niemandem hilft es, wenn man nur Gutes erwähnt.“ Nicht selten erfährt ein Pastor in den Gesprächen Einzelheiten, die der Rest der Familie nicht weiß. „Dann gilt das Beichtgeheimnis.“ Eine angemessene, wie auch respektvolle Einordnung von Gewalt oder Sucht könne heikel werden. „Schlimm ist auch, wenn Angehörige dicht machen und mir vorschreiben, was ich zu sagen habe.“ Charbonnier macht sich dabei nicht frei davon, Sympathien oder Abneigungen zu entwickeln. „Wichtig ist dabei, dass man offensiv damit umgeht.“ |
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Und so wie für Charbonnier alle Facetten eines Lebens zum Trauern gehören, gehöre auch der Gestorbene allen Trauernden. „Ich verfolge mit Bedauern das Bestreben, die Trauer zu privatisieren.“ Ob es sich um die zum Diamanten gepresste Asche handelt oder das anonyme Grab. „Man darf den Verstorbenen nicht aus Eigennutz anderen entziehen. Er gehört allen, die mit ihm gelebt haben.“ |
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Teil 2 Auch ein blauer Fußball ist als Urne möglich |
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Um zu zeigen, dass das Sterben zum Leben gehört, stellt sich Familie Volkmann in ihrer Sargausstellung zum Gruppenbild auf (von links): Thorsten, Sylke, Erika, Katharina, Klaus und Yannik Volkmann.
Foto: Neander
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Besonders schick findet Thorsten Volkmann die Fußbälle. Es gibt sie in Schwarz-Weiß, in Rot, in Blau und Grün. „Es gibt eigentlich alles, was man sich wünschen kann“, sagt der Hobbyfußballer und Vater zweier Kinder erfreut – und klappt den Katalog für Urnen wieder zu. |
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Ist das jetzt pietätlos? Kaum. Genauso wenig wie das zum Design der Urne passende Erinnerungslicht für Zuhause: ein unauffälliger Teelichthalter. Der Tod gehört zum Leben, so könnte das Credo der Familie Volkmann lauten. Und das Leben eben zum Tod. Und wenn der Verstorbene leidenschaftlicher Fußballer war, warum denn dann keine ebenbürtige Urne? |
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Geht also alles? Nein. So grenzenlos die Gestaltungsmöglichkeiten für Trauerfeier samt Zubehör scheinen, so gnadenlos sind die Volkmanns, wenn es ums Benehmen geht. Probeliegen im Sarg? Ein Kauf womöglich noch vor dem Ableben im Sinne früher Vorsorge? Keine Chance. „Wir wollen nicht, dass die Leute im Ort herumerzählen, wo sie sich bei uns überall hineingelegt haben“, hält Thorstens Vater Klaus Volkmann diskussionslos fest. Und einen Sarg herausgeben – womöglich an irgendeinen Spaßvogel, der dann damit im Auto durch die Gegend fährt? Da hört Volkmanns Vertrauen in seine Mitmenschen vollends auf. |
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Aber vielleicht braucht es gerade so verlässliche Grenzen, wenn es um einen so intimen Moment wie den Abschied für immer geht. Die Dankesbriefe, der kurze Besuch zum Gespräch Wochen nach der Beisetzung sind den Volkmanns Beweis genug, dass sie in jenem Fall der Herausforderung genügt haben. „Das ist nicht immer so einfach“, räumt der Junior ein, für den es schon in Kindertagen, als er im Sarglager mit dem Fußball kickte, keinen anderen Berufswunsch als Bestatter gab. Als es vor einiger Zeit darum ging, ein zweijähriges Mädchen zu begleiten, das der Krebs besiegt hatte, da war er über eine Beratung mit der Kinderklinik schon ganz froh. |
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Unwissenheit, so scheint, ist der größte Feind eines würdevollen Abschieds: Wo lernt man denn etwas über die Rechte der Erben am Leichnam und über die wahren hygienischen Risiken? Und wo lernt man, warum der Abschied zu Hause am Ende vielleicht an der fehlenden Windel scheitern kann, weil nur wenige an die Erschlaffung wirklich aller Muskeln denken? „Leider nicht in der Schule, sondern erst in der akuten Katastrophe“, beschreibt es der Senior. Und selbst wer das alles schon rechtzeitig in Erfahrung gebracht hatte, erlebt dann Nachbarschaft auf neue Weise. „Im Wissen um den aufgebahrten Verstorbenen rebelliert dann auch schon mal der Rest des Wohnblocks“, erinnert sich Volkmann Senior traurig. |
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Teil 3 Angehörige wollen etwas Individuelles |
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Der Stadtmarketing-Verein und die St.-Pankratiusgemeinde bereiten für morgen einen großen Aktionstag zum Thema „Im Sterben das Leben entdecken“ vor. Der Anzeiger begleitet dies mit einer Serie. Heute im letzten Teil geht es um die Zukunft der Friedhöfe. |
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Wer von seinem Grab lange etwas haben will, muss nach Otze ziehen. Der Lehm macht?s möglich. 50 statt der üblichen 25 Jahre braucht es dort, bis ein Sarg samt Inhalt sich gesundheitsbehördlich betrachtet in ausreichend viele Bestandteile zersetzt hat. Und deshalb wird es in Otze jetzt eng. |
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„Spätestens in drei Jahren müssen wir für den Otzer Friedhof eine Ergänzungsfläche gefunden haben,“ sagt Silke Vierke. Darüber hinaus aber macht ihr der städtische Friedhofsplan kein Kopfzerbrechen. Die Leiterin der Tiefbauverwaltungsabteilung kann sich sogar gutgelaunt über die Begräbnisstätten auslassen. Sogar mit Blick auf das Jahr 2050. Denn dann wird der demographische Wandel die Sterblichkeitsquote von heute zehn Toten auf 100 Einwohner verdoppelt haben. |
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Soweit die Statistik. Doch in der Gesellschaft wandelt sich offenkundig mehr als nur der Altersdurchschnitt. Und dies lässt auch Vierkes Kollegen Rainer Herbst und Martina Behncke zuweilen unruhig werden. Waldgräber oder anonyme Rasenflächen auf der einen, Kostendruck und weit entfernt wohnende Angehörige auf der anderen Seite wirken sich weitaus stärker auf die Friedhofsplanung aus. „Jeder möchte etwas Individuelles haben“, sagt Tiefbauabteilungsleiter Herbst und verweist auf den Friedhof in Hamburg-Altona. Dort gibt es jetzt eine Art Stadion für die Gräber von HSV-Fans. |
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Stadt ist für innovative Vorschläge offen |
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Und in Burgdorf? Künftig also alle Handballer unter sich? „Wenn das die Bürger wollen, werden wir es planen“, entgegnet Herbst ohne jedes Pathos. Wobei er – wie auch seine Kollegin Behncke – eine gewisse Schere im Kopf nicht ausschließt: In Sachen Kinderspielplätze gingen innovative Vorschläge in Richtung Politik sicherlich unbeschwerter von der Hand. |
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Da die Platzverhältnisse auf den Burgdorfer Friedhöfen eigentlich ganz entspannt sind, stellt sich für das Trio auch eine andere Frage nur zögerlich: Wie gelangen die Friedhöfe und damit auch das Thema Tod stärker ins alltägliche Leben? Dabei hätten sie in Superintendent Ralph Charbonnier durchaus einen Fürsprecher. Eine Urnenwand auf dem Spittaplatz? „Warum nicht?“, sagt Charbonnier. Aber da zuckt Martina Behncke dann doch. „Man will doch auch seine Ruhe haben, um zu trauern.“ Oder, wie es Vierke umreißt, ein Café womöglich auf einer geschickt platzierten Freifläche eines Friedhofes? Nicht alles, was der Markt hervorbringt, ist allerdings in Niedersachsen erlaubt: Aschestreuwiesen beispielsweise gibt es nur in wenigen Bundesländern. |
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Und nicht alles erfreut auch wirklich alle: Das alljährliche Chorkonzert in der Kapelle auf dem Stadtfriedhof hat noch niemanden erzürnt, den Einzug der Kunst in die Kapelle auf dem Magdalenen-Friedhof dagegen bezeichnen einige als Störung der Totenruhe. |
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Städtische Friedhöfe Bald auch Urnen unter Bäumen |
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Die städtischen Friedhofsplaner sind sich einig, dass der Magdalenen-Friedhof derzeit unfreiwillig aus den Augen und damit aus dem Sinn entschwunden ist. „Das ist schon unglücklich, wie der neben der Hochbrücke eingequetscht und dann noch hinter dem Buswartehäuschen versteckt liegt“, sagt Tiefbauabteilungsleiter Rainer Herbst – und eröffnet gleichzeitig die Diskussion, ob daran beim Innenstadtumbau nicht gerüttelt werden könne. In die politische Diskussion gehen davon unbenommen in den nächsten Wochen zwei Beschlussvorschläge: Zum einen soll es auf dem Friedhof in der Südstadt künftig Urnen unter Bäumen geben – eine klare Reaktion auf den Uetzer Friedwald. Zum anderen wünschen sich die Planer eine detaillierte Bestandsaufnahme aller sieben städtischen Friedhöfe. Ziele sind unter anderem eine optimierte Kostenrechnung und denkbare alternative Bestattungsformen. |
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aus: Hannoversche Allgemeine Zeitung Anzeiger für Burgdorf und Uetze vom 1. August 2008 und 12. August 2008 Red. Rebekka Neander |
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