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Mein Arbeitsplatz liegt hinter Gittern. Seit Oktober 2004 bin ich Seelsorger in der JVA Sehnde. Vorher war ich 25 Jahre ganz normaler Gemeindepastor. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, wie vielfältig, herausfordernd und vor allem bereichernd meine Arbeit hier sein würde. |
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Vor ein paar Tagen habe ich einen Inhaftierten in den Kirchraum unserer Anstalt begleitet. Wegen Totschlags wurde er zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteil Nach dem letzten Gottesdienst kam er auf mich zu, zeigte auf den Altar und fragte: Kann ich hier mal mit Ihnen beten?“ |
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Als sich sein Wunsch nun erfüllte und wir nebeneinander am Altar standen, sagte er nach einer Zeit des Schweigens: „Ich habe das Gefühl, hier ist eine Brücke auf der ich mein Opfer erreichen kann.“ Später, ich hatte ihn längst in seinen Haftraum zurückgebracht, viel mir ein altes Wort ein. Es heißt Pontifex. Das bedeutet „ Brückenbauer“. In der lateinischen Bibel wird dieser Name mit Christus verbunden. Christen glauben, dass ER ein „Brückenbauer“ ist (Hebräerbrief 4,14). Darum kommt er aus Gottes Welt in die Welt der Menschen. Das feiern wir Weihnachten. Am Himmelfahrtsfest erinnern wir uns an seine Rückkehr aus der Menschen in die Gotteswelt. Der Christus-Weg war ein großer Brückenschlag, der Himmel und Erde für immer verbunden hat. |
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Wir Menschen können diese Brücke jederzeit betreten und nutzen. Das geschieht, wenn wir beten. Wenn wir beten, dann betreten wir die Brücke, die der „Brückenbauer“ zwischen dort und hier geschlagen hat. Dann stehen wir zwar noch mit beiden Beinen in der Menschenwelt, aber wir können die Welt Gottes doch schon erreichen. Und wir können die Menschen erreichen, die in Gottes Welt schon angekommen sind. Ich stelle mir das so vor: was wir Gott im Gebet sagen, das findet den Weg in sein Herz. Auch das, was wir Gott über die Menschen, an die wir besonders denken und die schon in seiner Welt zuhause sind. Das, was wir Gott für diese Menschen ans Herz legen, das gibt er an sie weiter. Was wir diesen Menschen gerne sagen möchten, das erreicht sie auch. Denn Gott schlägt die Brücke zu ihnen. |
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Im Kirchenraum unserer Anstalt habe ich erfahren, was das bedeuten kann. Dort am Altar bin ich mit dem Inhaftierten in der Stille des Gebets lange auf der Brücke unterwegs gewesen. Er hat mir erlaubt von diesem Weg zu erzählen. Als wir zurückgekehrt waren, haben wir noch eine Weile schweigend nebeneinander gestanden. Dann sagte: „Ich bin so erleichtert dass ich alles sagen konnte, dass ich endlich loswerden konnte, was mir so leid tut und das ich um Vergebung bitten konnte. Ich hoffe es hat ihn alles erreicht.“ Diese Hoffnung teile ich. Christus bürgt mit seinem Namen dafür. ER hat eine Brücke geschlagen, die immer begehbar bleibt. |
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Pastor Gerhard Dierks, evangelischer Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Sehnde |
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