Zum Sonntag

Peinlich ist es, nicht zu helfen


Karin Lawrenz-Maier ist Diakonin in der Johannes-der-Täufer Kirchengemeinde in Uetze-Katensen

Für Teilhabe und Gerechtigkeit: Mitten im Leben – so lautet das Motto der diesjährigen Woche der Diakonie. Am Sonntag, dem 7. September beginnt sie. Ein aktuelles Thema haben die Verantwortlichen ausgewählt, denn in Deutschland haben sich die Einkommensverhältnisse in den vergangenen zehn Jahren besorgniserregend verändert. Die Reichen werden immer reicher, die Bedürftigen immer ärmer. Jeder achte Deutsche ist arm. Gäbe es die Sozialleistungen nicht, würde sogar jeder Vierte in Armut leben.

Die Folgen dieses Auseinanderdriftens tragen vor allen Dingen Menschen, die durch ihre Lebensgeschichte in irgendeiner Weise von Not betroffen sind. Langzeitarbeitslose und Alleinerziehende werden an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt. Aber auch andere Menschen geraten in Not und sind ständig damit beschäftigt mit dem Wenigen, das ihnen noch zur Verfügung steht, weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Sie fragen sich: Wovon sollen wir das Geburtstagsgeschenk bezahlen, wenn wir eingeladen sind? Vielleicht ist es besser den Sohn beim Sportverein abzumelden? Wir können uns die Fahrten zu den Terminen nicht mehr leisten, andere Eltern meckern schon.

Das Geld nicht so wichtig ist, behaupten meistens Menschen, die genug davon haben. Für die anderen, die sich um ihr Auskommen sorgen müssen, ist das fehlende Geld ein zentrales Thema, meistens ein für sie äußerst peinliches. Peinlicher finde ich, dass wir zu wenig unternehmen, um diese Menschen zu unterstützen. „Gott will, dass allen Menschen geholfen wird“, so heißt es in der Bibel. Schön wäre es, wenn dieses Wort ohne Umschweife und ganz selbstverständlich eine Ermutigung für die Einen wäre, ihre Belange zur Sprache zu bringen und ein Auftrag für die Anderen, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

zum Nachlesen
1. Buch Timotheus, Kapitel 2, Vers 4