Zum Sonntag

Häme ist der falsche Weg


Susanne Paul ist ab dem 1. Oktober Pastorin in der Kirchengemeinde Ehlershausen

Ob dieses Wochenende für die SPD etwas ruhiger wird? Vergangenen Sonntag, da gab es ja den Paukenschlag, als Kurt Beck zurücktrat. Und der wirkte noch die ganze Woche nach – auch bei mir.

Da waren die Bilder von ihm, als er durch den Hintereingang zu dem Parteitreffen hinein- und dann auch sehr bald wieder hinausging. Und da waren all die Kommentare: betroffen manche, viele aber auch recht nassforsch.

So ist das bei Misserfolgen und Niederlagen. Da erheben diejenigen das Wort, die es schon immer gewusst haben, die, die ganz schnell die Seite wechseln, weil sie mit Verlierern nichts zu tun haben wollen. Das kennen wir nicht nur aus der Politik – das gibt es auch im wahren Leben. Warum sie wohl entsteht – diese Häme, wenn jemandem etwas nicht gelingt, diese manchmal so scheinheilige Anteilnahme? Brauchen wir das, um uns selbst aufzubauen?

Diese Fragen sind schon alt, viel älter als die SPD oder alle anderen Parteien. Deshalb lohnt es sich, in die Bibel zu schauen. Im Galaterbrief werden uns für solche Situationen wertvolle Tipps gegeben: „Wenn ihr bei den anderen einen Fehler entdeckt, dann lasst euch vom Geist der Liebe leiten und steht so zu ihnen, dass sie damit zurechtkommen. Bedenkt dabei, wie leicht ihr selbst versagt. Tragt gegenseitig, was euch das Leben schwer macht, dann richtet ihr euch an Christus aus.“ Zugegeben, das liest sich leichter, als es gelebt wird.

Aber wenn wir an diese Worte denken, bevor wir mal wieder ganz klug erklären wollen, warum es genau so kommen musste, dann tragen wir jedes Mal ein kleines Stück dazu bei, dass unser Leben miteinander respekt- und würdevoller wird – auch bei Misserfolgen und Niederlagen.

Zum Nachlesen
Galaterbrief, Kapitel 6, Vers 1 bis 4