Zum Sonntag

Mehr im Leben wollen als nur Geld


Susanne Paul ist Pastorin in der Martin-Luther-Kirchengemeinde Ehlershausen, Ramlingen, Otze

Bald sind die letzten Umzugskisten geschafft. Ein Umzug bringt viel Arbeit mit sich, gibt aber Anstöße zum Nachdenken. Was ist das eigentlich alles, was da mit uns umgezogen ist? Ist das alles mehr Ballast, der an uns zerrt oder der Reichtum einer zurückliegenden erfüllten Zeit? Wie viel davon brauchen wir in der Gegenwart, in der Zukunft? Was brauchen wir überhaupt zum Leben? Eine Frage, die sich auch auf ganz anderer Ebene in den vergangenen Wochen stellte. Die große Finanzkrise. Banken, die mit Risikoanlagen Kunden lockten, das schnelle Geld zu machen. Und dann der große Einbruch – viele Menschen verloren viel Geld, eine ganze Branche das Vertrauen in die eigene Arbeit.

„Gierige Banker“ so titelte die Bildzeitung in diesen Tagen. Schön, wenn man ein klares Feindbild hat, dem man die Schuld zuschieben kann. Aber ganz so einfach ist es dann ja doch nicht. Das Geschäft mit den Risikoanleihen funktioniert nur dann, wenn Menschen bereit sind, für mehr Geld ein höheres Risiko einzugehen, wenn ihr Verlangen nach „mehr“ stärker ist als die Mahnungen zur Vorsicht und Achtsamkeit.

Dieses Verlangen nach „mehr“ – es bestimmt unser Leben auf vielfältige Art. Mehr haben, um weiter auf der Gewinnerseite zu sein, mehr haben, um der Existenzangst zu begegnen, mehr haben, um des nicht Fassbaren vielleicht doch noch habhaft werden zu können. Schade nur, dass dieses Verlangen nach „mehr“ meist auf die materiellen Bereich unseres Lebens festgelegt ist. Wie wäre es denn mit dem Verlangen nach mehr Mitmenschlichkeit, die ich investieren möchte, der Begierde nach mehr Zeit miteinander ohne unnötigen Ballast, mit dem Verlangen nach einer Erfüllung, die sich nicht in Wertpapieren ausdrücken lässt.

Ich weiß – die Welt ist, wie sie ist. Geld wird immer eine entscheidende Rolle spielen, weil es die Existenz ganz fundamental sichert oder infrage stellt. Und doch bleibt mein Verlangen nach Menschen, die mit mir darüber nachdenken, wie dieser Kreislauf zu durchbrechen ist, der bei der Suche nach einem „Mehr“ immer nach materiellen Dingen sucht. Wir können uns dabei auf den berufen, dessen Namen wir als Christinnen und Christen tragen: Jesus sagt: ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Dem nachzuspüren, das wäre doch mal ein Grund, neugierig zu sein!

Zum Nachlesen:
Johannesevangelium, Kapitel 14, Vers 6