Zum Sonntag

Mensch ärgere Dich nicht


Uwe Paladey ist Prediger in der Landeskirchlichen Gemeinschaft Burgdorf

„Mensch ärgere dich nicht!“, meint ein Bekannter zu mir, als ich das Spiel verloren habe. Dabei sah alles so gut aus. Von Anfang an habe ich die richtigen Zahlen gewürfelt. Schnell konnte ich meine Spielsteine ins Spiel bringen. Aber vor dem Ziel gab es einen Stau und das Zittern begann. Runde um Runde wurde ich von den anderen Spielern „rausgeworfen“. Und am Ende war ich Letzter. Der Hinweis „Mensch ärgere dich nicht!“, das ist doch nur ein Spiel, ärgert mich. „Mensch, ärgert es mich“, wenn ich ein Spiel verliere. Denn beim Spiel will ich gewinnen.

Auf der Gewinnerspur zu leben, das zählt. Dann scheint das Glück garantiert zu sein. Doch was geschieht, wenn es nicht so ist? Kann man glücklich sein, auch wenn man nicht gewinnt?

Ich habe den Eindruck, das „Unglück“ ist mir manchmal viel gegenwärtiger als die Momente, in denen ich Glück hatte. Gerade dann fallen mir Menschen ein, die „immer“ Glück haben. Denen alles zu gelingen schein - im Spiel und im Leben. Und wenn dann jemand zu mir kommt und mir sagt: „Mensch ärgere dich nicht“, dann ärgert mich das um so mehr.

„Mensch ärgere dich nicht“, das könnte aber zu einem Lebensmotto werden. Denn was macht mich glücklich? Was macht mein Leben wertvoll und einzigartig? Kann ich für mich selber sagen, dass alle Dinge, die ich erlebe, auch die Unglücksmomente, nicht nur zu meinem Leben gehören, sondern mein Leben bereichern?

Ich denke, dass zu so einer Lebenshaltung Vertrauen gehört. Vertrauen zu dem Vater im Himmel, der uns zusagt, dass wir seine Kind sind und er weiß, was wir nötig haben und gibt, was wir brauchen. Wenn wir aus diesem Gottvertrauen zu leben lernen, müssen wir uns mit unseren Höhen und Tiefen nicht so wichtig nehmen. „Mensch ärgere dich nicht“, das könnte der Satz werden, der uns wieder aus dem Frust in die Gegenwart zurück bringt.