Zum Sonntag

Das kleine Licht namens Gott


Friedrich Kanjahn ist Pastor in der Kirchengemeinde Dollbergen-Schwüblingsen

Was bliebe von der Adventszeit übrig, wenn alle Lichter, aller Schmuck, das Gebäck, das Essen, die Lieder nicht wären? Oder etwas frömmer: Was hat sich seit der Geburt Jesu in dieser Welt geändert? Wer auf beide Fragen mit „nichts“ antwortet, muss sich fragen lassen, worin denn für ihn oder sie die Botschaft von Advent und Weihnachten besteht.

Advent bedeutet Ankunft. Da kommt also jemand. In der Bibel wird der Gesandte Gottes angekündigt – Jesus bezieht diese Ankündigung auf sich und lebt sie aus bis zu seinem Tod am Kreuz. In der Adventszeit lassen wir uns erinnern: Gott kommt zu uns Menschen, er wird einer von uns. Wichtig ist das Jesus mitten im Alltag ankommt, mitten in Unfrieden, mitten in Ungerechtigkeiten und Krisen.

Advent und Alltag, Advent und Krise passen durchaus zusammen, sie sind kein Widerspruch – auch wenn das so scheinen mag. Selbst das Weihnachtsfest ist nicht an Zeiten von Wohlstand und Zufriedenheit gebunden. Es kann ebenso in Unfrieden und in der Krise gefeiert werden. Wie ist sonst zu erklären, dass die stärksten Erinnerungen an Weihnachten in erster Linie aus Krisenzeiten stammen?

Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Gott unscheinbar kommt. Er ist kein gleißender Scheinwerfer, der nicht zu übersehen ist und uns Menschen erblinden lässt. Nein, Gott ist wie ein Licht, aber nur ein kleines. Er drängt sich nicht auf. Von Gott gilt, was der Liederdichter Jochen Klepper vor 70 Jahren so ausgedrückt hat: „Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.“

Gott wagt sich in das Dunkel dieser Tage, auch in Zweifel und Unsicherheiten. Und er lässt sich finden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Spuren Gottes in der Adventszeit und an Weihnachten entdecken – egal in welcher Situation.