Zum Sonntag

Auf den Arm genommen


Andreas Schmidt ist Pastor in der Kirchengemeinde Sehnde

Sie kommt gern in die Krippe. Zuerst war es ja eine große Umstellung. Weg von Mama und Papa, etwas auf eigenen Füßen stehen, was noch nicht ging. Jetzt kann sie schon laufen. Langsam wird die Krippe ihr zweites zuhause. Sie spürt, hier sind Menschen, die für mich da sind. Menschen, die mich lieb haben, so wie ich bin. Hier ist mein Raum, hier kann ich groß werden mit eigenen Schritten. Meinen Weg finden. Auch: Hier sind noch andere Kinder. Liebe und Zuwendung muss ich mit ihnen teilen. In der Krippe ist man füreinander da. Hier fühle ich mich sicher. Ich kann mich entwickeln. Ich selbst bleiben. Freiheit und Grenzen: Das tut mir gut.

Sie winkt, wenn jemand kommt oder geht. Sie winkt und entscheidet selbst, wem.
Doch dann auch: Wenn sie krank ist, tut es ihr gut auf den Arm genommen zu werden. Getragen. Mich getragen wissen. Den Herzschlag des anderen zu spüren. Dessen Wärme. Dessen ruhige Stimme. Mich aufgehoben wissen. Da nimmt sich jemand Zeit für mich. Für mich, weil ich das jetzt nötig habe. Weil ich nicht sagen kann, was mit mir ist. Verstehen mich die anderen? Auf dem Arm werde ich gehalten. Hier finde ich Trost und Sicherheit.

Fast wie damals.

Das Kind in der Krippe. Gott kommt in die Welt. Er lernt laufen in seiner Welt. Wärme und Geborgenheit geben ihm Maria und Josef. Er spürt: Ich bin willkommen. Die Herzen der Menschen um mich herum gehören mir. Nicht nur, weil ich klein und niedlich wie jedes Baby bin. Sondern weil ich erwartet wurde. Jesus erfüllt die Sehnsucht Marias und Josefs und schließlich - später - die der Welt. Er ist angekommen. Er ist angenommen.

Das wird er leben: Menschen annehmen. Sie tragen, ihnen Wärme und Geborgenheit geben, damit sie wieder Schritte wagen können.

Sie kommt gern in ihre Krippe.