Ausstellung: Drei Jahrunderte jüdisches Leben

Grosser Veranstaltungszyklus in ehemaliger Synagoge


Die Geschichte Burgdorfs kann nicht geschrieben und verstanden werden, ohne die Rolle zu würdigen, die Jüdinnen und Juden in unserer Stadt gespielt haben. Seit 1689 haben jüdische Menschen in Burgdorf gewohnt und das Leben in der Stadt mitgeprägt. Sie waren aktiv in der Feuerwehr und im Schützenverein, in Sport- und Gesangvereinen, im Verkehrs- und Verschönerungsverein, im Handwerk und im Geschäftsleben. Die Geschichte der Synagogengemeinde gehört mitten hinein in die Stadt- und die Heimatgeschichte Burgdorfs.

In der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sind die jüdischen Bürgerinnen und Bürger erniedrigt und verfolgt worden. Bürgerrechte und Menschenrechte wurden ihnen abgesprochen. Einige konnten der Verfolgung durch Emigration entgehen - unter Verlust der Heimat und von Hab und Gut. Viele aber wurden Opfer von Rassenhass, Antisemitismus und verbrecherischer Gewalt.


Die Ausstellung „Drei Jahrhunderte jüdisches Leben in Burgdorf“ gibt Einblicke in eine facettenreiche und wechselvolle Geschichte. Zwei aus Burgdorf stammende Persönlichkeiten werden insbesondere gewürdigt: Ernst Pinchas Blumenthal, der Verfasser des Buches „Die gläserne Wand – ein Burgdorfer Roman“ und Dr. Bruno Italiener, Schriftsteller, Theologe, Rabbiner in Darmstadt, Hamburg und London.

Sonntag, 21. Juni 2009 - 16.00 Uhr
KulturWerkStadt, Poststr. 2
Eröffnung der Ausstellung
Schirmherr Bürgermeister Alfred Baxmann
Michael Fürst Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen
Einführung in die Ausstellung
Pastor i.R. Rudolf Bembenneck, Burgdorf

Mittwoch, 24. Juni 2009 20.00 Uhr
KulturWerkStadt, Poststr. 2
Das Wort der Kirche ist nicht gekommen
Die evangelischen Kirchen und die Judenverfolgung im
Nationalsozialismus
Professor Dr. Heinrich Grosse, Hannover

Donnerstag, 2. Juli 2009 20.00 Uhr
KulturWerkStadt, Poststr. 2
Betrachtungen zur aktuellen Lage in Israel-Palästina
Henning Niederhoff, Berlin - Jahrelang Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah

Mittwoch, 8. Juli 2009 20.00 Uhr
KulturWerkStadt, Poststr. 2
Zionismus und Staat Israel
Anknüpfung an das Buch von E.P. Blumenthal „Diener am Licht“/ Theodor Herzl
Pastor Wolfgang Raupach-Rudnick, Hannover

Mittwoch, 15. Juli 2009 20.00 Uhr
KulturWerkStadt, Poststr. 2
Die Päpste und die Juden
Prälat Klaus Wyrwoll, Hildesheim

Mittwoch, 29. Juli 2009 20.00 Uhr
KulturWerkStadt, Poststr. 2
Zeitdiagnose im Nationalsozialismus und im Kaiserreich: Dr. Bruno Italiener – ein Burgdorfer Rabbiner, Gelehrter, Theologe
Superintendent Dr. Ralph Charbonnier, Burgdorf

Donnerstag, 6. August 2009 20.00 Uhr
KulturWerkStadt, Poststr. 2
Martin Luther und die Juden
Professor Dr. Peter von der Osten-Sacken, Berlin

Samstag, 8. August 2009 20.00 Uhr
Burgdorfer Schloss, Ratssaal
Klezmer-Konzert
Trio Oyftref

Mittwoch, 12. August 2009 20.00 Uhr
KulturWerkStadt, Poststr. 2
Antisemitismus – ein unausrottbares Ressentiment?
Anknüpfung an die Schrift von B. Italiener „Waffen im Abwehrkampf“
Pastor Wolfgang Raupach-Rudnick, Hannover

Mittwoch, 19. August 2009 20.00 Uhr
KulturWerkStadt, Poststr. 2
Judentum heute
Jüdisches Leben in Deutschland nach dem Holocaust –
Entwicklungen und Perspektiven
Landesrabbiner Jonah Sievers, Braunschweig

Donnerstag, 27. August 2009 20.00 Uhr
KulturWerkStadt, Poststr. 2
Synagogale Musik:
Psalmvertonungen von Louis Lewandowski

Der Kleine Chor Leitung Ilsabe Bartels-Kohl
Vortrag:
Rückblicke – Einblicke – Ausblicke
zur Geschichte der Stadt Burgdorf und ihrer jüdischen Bürgerinnen und Bürgern

Pastor i.R. Rudolf Bembenneck, Burgdorf

Freitag, 4. September 2009 20.00 Uhr
KulturWerkStadt, Poststr. 2
Chanson vom Montag
Lieder, Lyrik und Prosa von Mascha Kaleko
Lesung von Günter Gall begleitet von Konstantin Vassiliev, Gitarre

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Alfred Baxmann.
Sie wird veranstaltet vom Arbeitskreis „Gedenkweg 9. November“, dem die Kirchengemeinden der Stadt St.-Pankratius, St.-Paulus, St. Nikolaus, Martin-Luther, der Kulturverein Scena und einzelne Persönlichkeiten angehören. Die besonderen Veranstaltungen am 8. August und am 4. September werden von Scena - Kulturverein im VVV durchgeführt. Für diese Abende wird Eintritt erhoben. Bei allen anderen Veranstaltungen ist der Eintritt frei - Spenden sind willkommen.

Gelegenheit zur Besichtigung wird es auch jeweils vor und nach den Abendveranstaltungen geben; dann ist freilich der Raum „bestuhlt“.

Führungen für Schulklassen und Gruppen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.
Anmeldung:
Pastor i. R. Rudolf Bembenneck
Tel. 05136 - 87 96 29
eMail: rudolfbembenneck@arcor.de

Parallel zu dieser Ausstellung bietet der Kulturverein scena in der Magdalenenkapelle neben der Hochbrücke eine Ausstellung mit Werken des Künstlers Alexander Dettmar an unter dem Thema „Steine und Spuren“. Alexander Dettmar ist Barlach-Preisträger und gilt als herausragender Architekturmaler. Einige seiner Bilder haben einen unmittelbaren Bezug zur Ausstellung in der KulturWerkStadt. Sie zeigen Synagogen und jüdische Friedhöfe.

Spendenkonto
Kirchenkreisamt Burgdorfer Land
Konto-Nr. 7252
Stadtsparkasse Burgdorf, BLZ 25151371
Stichwort: „Dokumentation jüdische Geschichte“


Dieser Reprint einer aufwendig illustrierten Liturgie des jüdischen Passah-Festes aus dem 15. Jahrhundert wird bei der Schau gezeigt. Herausgegeben hat ihn der in Burgdorf geborene Schriftsteller und Rabbiner Bruno Italiener.

Burgdorfer Presse

Jüdische Geschichte ist Thema

Etwa ein Jahr nach der Eröffnung der Burgdorfer KulturWerkStadt geht es in der ehemaligen Synagoge um „Drei Jahrhunderte jüdisches Leben“ in der Stadt. Neben einer umfassenden Ausstellung gibt es ein breit gefächertes Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen, Musik und mehr.

Zu den bedeutendsten Exponaten der Schau vom 21. Juni bis 6. September zählt eine aufwendige Illustration der Liturgie des jüdischen Passah-Festes. Das besondere Buch aus dem 15. Jahrhundert wird zwar nur als Reprint zu sehen sein. Der jedoch wurde von dem in Burgdorf geborenen und aufgewachsenen Bruno Italiener herausgegeben. Der Schriftsteller, Theologe und Rabbiner Italiener wird in der Schau besonders gewürdigt. Von ihm sind Briefe zu lesen, in denen er sich über den Antisemitismus äußert.

Italiener ist verwandt mit Ernst-Pinchas Blumenthal, dem Verfasser des Burgdorfer Romans „Die gläserne Wand“. Blumenthal bildet ebenfalls einen Schwerpunkt der Schau. Weitere Themen sind jüdische Kauf- und Feuerwehrleute, Schüler, Schützen und der jüdische Friedhof an der Uetzer Straße. An Burgdorfs ersten sogenanten Schutzjuden erinnert ein – allerdings von einem anderen Juden stammender – Schutzbrief.

Die Dokumente, Fotos und Gegenstände bis hin zum Gettogeld aus Theresienstadt hat der Pastor im Ruhestand, Rudolf Bembenneck, über Jahre gesammelt. Er ist federführend für die Ausstellung verantwortlich. Die rund 3000 Besucher der Schau „BlickWechsel – Jüdisches Leben in Burgdorf und Niedersachsen“ vor vier Jahren werden sehr viel Neues entdecken, denn zahlreiche Exponate wurden erst danach gefunden.

Veranstaltet wird die Schau vom Arbeitskreis Gedenkweg 9. November. An der Grundlagenarbeit war auch Stadthistoriker Reinhard Scheelje beteiligt. Viele Ehrenamtliche bringen sich ein, um das Ereignis zu ermöglichen. Schirmherr ist Bürgermeister Alfred Baxmann.

Die Ausstellung in der KulturWerkStadt, Poststraße 2, ist bis zum 6. September sonnabends und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Führungen für Schulklassen und Gruppen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich. Anmeldung unter Telefon 05136 - 87 96 29.

Michael Fürst kommt zur Eröffnung der Schau

Ein umfangreiches Programm begleitet die Ausstellung „Drei Jahrhunderte jüdisches Leben in Burgdorf“. Am Sonnabend, 20. Juni, 20 Uhr, bringt Der Kleine Chor im Schloss das Liedoratorium „Dietrich Bonhoeffer“ zu Gehör. Eröffnung der Schau ist am Sonntag, 21. Juni, 16?Uhr, mit Bürgermeister Alfred Baxmann und dem Vorsitzenden des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, Michael Fürst. Rudolf Bembenneck gibt eine Einführung. Die elf weiteren Veranstaltungen wird der Anzeiger gesondert ankündigen. Es gibt Vorträge über die evangelische Kirche und die Judenverfolgung im Nationalsozialismus, das Problem des Antisemitismus heute und über „Die Päpste und die Juden“. Zudem sind Konzerte mit synagogaler Musik, Klezmer und ein Chansonabend mit Lesungen geplant. Im Juli und August ist sonntags von 14 bis 17 Uhr im Schloss die Gedenktafel für die Opfer der Judenverfolgung in Burgdorf zu besichtigen.

Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Burgdorf und Uetze
vom 17. Juni 2009
Red. Stefan Heinze, Burgdorf