Zum Sonntag

Ein Wunder - oder ist es der Glaube?


Die Presseleute von Zeitung und Fernsehen, gespielt von Lisa Meister (von links), Svenja Schmidt und Laura Kaiser, beobachten zusammen mit dem Jünger Johannes (Jarusch Müßel), wie Jesus (Lukas Bruns) die Gelähmte (Celine Pfennig) heilt.
Foto: Heinze

Wir lesen im Markusevangelium: Zwei Menschen setzen alles auf eine Karte, besser: setzen alles auf Jesus! Der Synagogenvorsteher, dem sein Kind unter den Händen wegstirbt, und die blutflüssige Frau, die schon ein Vermögen ausgegeben hat, um gesund zu werden. Sie können wahrlich nur noch auf ein Wunder hoffen. Und ein zweifaches Wunder geschieht tatsächlich: Das Kind lebt und die Frau wird nach zwölf elenden Jahren geheilt. Es ist fast wie im Märchen: Alles geht gut aus.

Hoffen auf ein Wunder! Hier könnten wohl viele aus eigener Erfahrung erzählen: hilflos am Krankenbett sitzend; die schluchzende Tochter am Telefon, die sich von ihrem Mann getrennt hat; der Enkel, von dessen Drogenabhängigkeit mir berichtet wird ... Hoffen auf ein Wunder! Mir persönlich hat sich besonders eine Szene eingeprägt, wie eine Frau ihrem schwerkranken Mann abgestandenes Lourdes-Wasser einflößte.
Aber: Haben gerade wir Christen nicht allen Grund, immer wieder auf ein Wunder zu hoffen? Wir bekennen uns doch zu Gott, dem Allmächtigen!

Allzu leicht übersehen wir eines: Wir haben nicht zwei Wundergeschichten gelesen, sondern zwei Heilungsberichte. Und in einem Fall wird ausdrücklich erwähnt, was die Heilung bewirkt hat, nämlich der Glaube »Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen« (Mk 5,34). Und das habe ich oft erfahren, welche großen und kleinen Wunder der Glaube bewirken kann:

»Jetzt komme ich wirklich mal zur Besinnung«, erzählte mir der Kranke nach dem überstandenen Herzinfarkt. »Alles, was sonst so wichtig ist - Wochenende, Urlaub, Freizeitprogramm, Haus und Auto - das ist mit einem Mal alles so weit weg. Und ich frage mich: Was zählt wirklich? Was habe ich wirklich in der Hand? Worauf kann ich wirklich mein Leben bauen? Ja, ich habe auch das Beten wieder ganz neu gelernt.« Oder die Gelassenheit und tiefe Zuversicht, die ich oft in der Begegnung mit alten Menschen am Ende ihres Lebens erfahren darf, manchmal auch mit Sterbenden - hier werde ich beschenkt durch einen Glauben, der ein echtes Fundament ist, ja einen Glauben, der wirklich hilft.

Ein Zweites: Bei der Heilung oder Auferweckung des Mädchens fällt mir auf: Es wird nicht berichtet, ob die Leute dadurch zum Glauben kamen, wohl aber wird berichtet, dass sie außer sich waren vor Entsetzen. Unser Gott ist eben kein »Wellness-Gott«, der kurz seinen Engel zu Hilfe schickt, ein kleines Wunder vollbringt und dann sind alle Probleme beseitigt. Wenn Gott in mein Leben eingreift, dann ist das nicht immer nur mit Wohlgefühl verbunden. Dann kann das auch Schrecken und Entsetzen zur Folge haben - allerdings einen heilsamen Schrecken und ein heilsames Entsetzen. Das kann man an ganz vielen Stellen in der Bibel nachlesen.

Also bleibt für uns: Der Glaube ist das Entscheidende. Der Glaube kann mich retten, der Glaube kann auch in mir große und kleine Wunder vollbringen. Auch wir dürfen, wie die beiden Hauptpersonen im heutigen Evangelium, alles auf eine Karte setzen, nämlich alles auf Jesus, den menschgewordenen Gottessohn. Für den ist nichts unmöglich.

Zum Nachlesen
Markusevangelium, Kapitel 5, Vers 21 - 43

Von Hartmut Berkowsky, Diakon in der katholischen St.-Nikolaus-Gemeinde in Burgdorf