Glockenweihe in St.-Pankratius

Großer Tag für Kirche und Stadt


Die Stadt stand am Wochenende im Zeichen der Glockenweihe in der St.-Pankratius-Kirche. Im Festgottesdienst am späten Vormittag wurden die drei neuen Glocken erstmals angeschlagen und die vierte, restaurierte Glocke wieder in Betrieb genommen. Mehr als 600 Bürger waren in die Kirche gekommen, um den feierlichen Akt der Weihe mitzuerleben.

„Die Glocken rufen zum lebendigen, tätigen Miteinander in dieser Stadt“, sagte Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann in ihrer Predigt. Bürgermeister Alfred Baxmann würdigte die Weihe beim anschließenden Empfang im Festzelt als „historisches Ereignis“ für die Stadt. Am gleichen Tage präsentierten die Kinderchöre der Gemeinde das Musical „Alice im Glockenland“. Schon am Vorabend hatte die ebenfalls gut besuchte kulinarische Glockennacht mit Musik und Snacks auf das Fest am Sonntag eingestimmt. Nach der Weihe ließ die Gemeinde ihre neuen Glocken noch mehrmals am Tag erklingen.

So hören sich die neuen Glocken an ...
Links finden Sie den Downloadlink


Landessuperintendentin Ingrid Spieckerman, die Pastoren Wolfgang Thon-Breuker und Michael Schulze sowie Superintendent Ralph Charbonnier verlassen nach der Glockenweihe die Pankratiuskirche.
Foto: Stefan Heinze, Burgdorf

Neue Glocken läuten für Burgdorf

Es sind die Glocken der Kirche, aber sie läuten für die ganze Stadt – das wurde gestern bei der Weihe des erneuerten Geläuts der Pankratiuskirche deutlich. Von Stefan Heinze Burgdorf. „Die Glocken sind für alle da, wie die Zuwendung Gottes in Jesus Christus für alle da ist“, sagte Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann in ihrer Predigt. Spieckermann, die in zehn Amtsjahren zuvor noch nie so viele neue Glocken weihen durfte, sprach das Einweihungsgebet. Danach läuteten die Glocken erst einzeln und dann alle vier gemeinsam. Damit die mehr als 600 Besucher das, so die Landessuperintendentin, „reine, harmonische Bronzeglockengeläut“ auch hören konnten, wurden die Kirchentüren geöffnet.

Dann stimmte die Gemeinde mit dem Lied „Nun danket alle Gott“ in das Geläut ein. Nach der Predigt ließ die Kantorei passend zum Thema des Tages aus dem Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn „Vollendet ist das große Werk“ erklingen. Gedankt wurde während des Gottesdienstes all denen, die die 240?000 Euro teure Investition möglich gemacht haben, insbesondere den rund 1900 Einzelspendern. Sie bestritten mit 130?000 Euro den größten Teil der Anschaffungssumme. Der Dank galt aber auch dem Glockenteam der Gemeinde und insbesondere dessen Leiter Manfred Dunker.

An dem besonderen Gottesdienst nahmen auch Vertreter des Rates und der Verwaltung teil. Dass die Weihe nicht nur Sache der Kirchengemeinde ist, kam erneut beim Zweck der Kollekte zum Ausdruck. Sie galt der Tageswohnung für Obdachlose in der Stadt und darüber hinaus dem Partnerkirchenkreis Johannesburg-West. Im Anschluss enthüllten Spieckermann und Pastor Michael Schulze eine Bronzetafel, die im Eingang der Kirche und damit am Fuß des Glockenturms an die Erneuerung des Geläutes erinnert.

Zum Abschluss der Weihe ließ die Gemeinde noch einmal das volle Geläut erklingen. Beim folgenden Empfang erläuterte der Metallbildhauer Hilko Schomerus die Motive auf den neuen Glocken. Pastor Michael Gärtner von der Partnergemeinde Borna berichtete, dass das Bibelwort „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“ auf einer der Glocken für ihn mit der Wende in der DDR verbunden sei.

Künftig auch ein Mittagsläuten

Mit der Glockenweihe der St.-Pankratius-Kirchengemeinde tritt eine neue Läuteordnung in Kraft. Die sieht auch ein Mittagsläuten um 12 Uhr vor. „Glockengeläut ist auch Tagesstruktur in einer Stadt“, begründete Pastor Wolfgang Thon-Breuker die Neuerung gegenüber dem Anzeiger. Geläutet wird am Mittag die Glocke mit dem Namen Glaube.

Damit sie nicht gleichzeitig mit den Sirenen der Stadt erklingt, schlägt die Gemeinde die Glocke am Sonnabend immer erst nach dem allwöchentlichen Probealarm an.


Superintendent Ralph Charbonnier würdigt den großen Einsatz des Glockenteams unter der Leitung von Manfred Dunker. (9. v.l.)
Foto: Stefan Heinze, Burgdorf

Großer Applaus für Kinderchöre

Noch einmal um Glocken ging es gestern am Nachmittag. Rund 60 Sänger der Kinderchöre der Pankratiusgemeinde nahmen rund 350 Zuhörer mit auf eine Reise zu „Alice im Glockenland“. So lautete der Titel eines Musicals von Johannes Matthias Michel.

Darin passierte das, was sich in Burgdorf wohl niemand vorstellen möchte. 100 Jahre nach der Weihe ist eine Glocke verschwunden. Doch die kleine Alice macht sich auf den Weg ins Glockenland, um die Glocke zu suchen. Fremdenführer Ding Dang Dong, Uhrmachermeister Ziehauf, Papageno, der Ritter Parsifal und Friedrich von Schiller helfen ihr.

Die Suche wurde auch szenisch dargestellt. Diese Szenen hatten Diakonin Caroline Singer und Julia Verspermann mit den Kindern eingeübt. Eine Band und ein Orchester begleiteten die Aufführung. Die Leitung hatte die Kantorin Tina Röber-Burzeya. Für alle Akteure gab es am Schluss einen begeisterten und nicht endenden wollenden Applaus.

Musik von Klassik bis Jazz bei der Glockennacht

Mit einer kulinarischen Glockennacht hat die Pankratiusgemeinde am Sonnabend auf die Glockenweihe eingestimmt. Rund 350 Zuhörer kamen. Noch bevor die neuen Glocken nach dem Test beim Einbau gestern erstmalig angeschlagen wurden, war bei dem Konzert schon eine Variation über deren Töne zu hören. Kantor Martin Burzeya spielte auf der Orgel das gewaltig klingende Stück Carillon de Westminister von Louis Vierne. Übereinstimmungen zwischen den Tonabständen der Glocken im Big Ben und in der Pankratiuskirche schufen die akustische Brücke.

Der erste Teil des Abends gehörte fast ausschließlich verheißungsvollen, jungen Talenten. Die Geschwister Dorothea und Lukas Stepp eroberten mit ihrem Spiel auf der Violine, Meng Sun auf dem Flügel die Gunst des Publikums. Dorothea war mit gerade einmal 13 Jahren die jüngste Musikerin.

Vielfalt von venizianischer Mehrchörigkeit bis hin zu friedlich-ruhigen Requiemklängen brachte das Leipziger Blechbläserquintett Embrassment teils mit Orgelbegleitung zu Gehör. Die Kantorin Tina Röber-Burzeya bereicherte unter anderem mit einer Toccata den Abend.

Populäre Jazzmusik stand im Zentrum des dritten Teils. Zu den Höhepunkten zählte ein verjazztes Beethoven-Potpourri, gespielt von Jan Hildebrand. In den zwei Pausen war bei Snacks und Getränken Gelegenheit zur Begegnung im Zelt vor der Kirche. Das Catering-Team der Gemeinde servierte. Stehenden Ovationen für den musikalisch-kulinarischen Abend.

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Burgdorf und Uetze
vom 7.09. 2009
Red. Stefan Heinze, Burgdorf