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Wolfgang Thon-Breuker ist Pastor in der St.-Pankratius-Gemeinde Burgdorf |
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Die Altäre in unseren Kirchen wurden zum Erntedankfest geschmückt: mit den prallsten Äpfeln, dem frischesten Brot und der schönsten Erntekrone – von allem das Beste, natürlich zur Ehre Gottes. Ein anerkennendes „Oh, wie schön!“ hörten diejenigen, die den Kirchenraum geschmückt haben, gern. Auch die Feststellung „unser Erntedankaltar ist ja viel schöner als der im Nachbardorf“ lässt sich manchmal nicht vermeiden. Menschen stehen auch im Wettbewerb miteinander. Meist siegt der Sportsgeist: „Dabei sein ist alles.“ |
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Doch das erste Erntedankfest der Menschheitsgeschichte endet mit einer Familientragödie: Kain und Abel sind Brüder. Als Kinder sind sie Konkurrenten um die Gunst der Eltern. Später sind sie es im Wettkampf um die Gunst Gottes. Jeder gestaltet seinen eigenen Erntedankaltar: Kain ist Ackerbauer und bringt die Früchte des Feldes. Abel ist Schäfer und opfert das beste Tier seiner Herde. Abel gewinnt in der Gunst Gottes. |
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Kain hätte es sportlich sehen können. Aber ihn packt die Eifersucht. Wieso Abel? Wieso nicht ich? Gott spürt, dass mit Kain etwas nicht in Ordnung ist, dass in ihm ein mörderischer Gedanke keimt. Gott versucht, mit ihm zu sprechen: „Kain, was ist mit Dir? Wieso bist Du so grimmig? Warum senkst Du Deinen Blick?“ Doch Kain ist längst unerreichbar für jedes gute Wort. Er lockt seinen Bruder aufs freie Feld, dorthin, wo es keine Zeugen gibt, und schlägt ihn hinterlistig tot. Gott fragt ihn: „Kain, wo ist Dein Bruder?“ Und der antwortet mit einer Gegenfrage: „Soll ich meines Bruders Hüter sein?“ Von Reue zeigt er keine Spur. |
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Die Geschichte von Kain und Abel führt uns an den Abgrund der menschlichen Seele: Warum gewinnt das Böse manchmal solche Macht über uns? Warum werden herzensgute Menschen plötzlich zum Teufel in Person? Diese Fragen bleiben ohne Antwort. Aber auf die Gegenfrage Kains kann es nur eine Antwort geben: „Ja, wir sollen unseres Bruder Hüter sein.“ |
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