include_once ("/var2/www/html/kk-burgdorf/www.kirchenkreis-burgdorf.de/amiscara/cls/cl_RuntimeEngine.php"); ?> $__runtime = new RuntimeEngine(); ?>

|
Wolfgang Hornig ist Diakon und Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Burgdorf |
|
|
Sonntagmorgen 10.00 Uhr. Im Bett? Am Frühstückstisch? Auf der Autobahn? Mit dem Hund spazieren? Mit den Kindern spielen? Beim Surfen im Internet erweckte diese Überschrift mein Interesse: NDR Info und BBC übertragen live aus Großbritannien: „Father forgive“ – Friedensgottesdienst aus Coventry - |
|
|
Sonntagmorgen 10.00 Uhr. Warum gerade aus Coventry? Jetzt, wie „aus heiterem Himmel“? Am 14. November wird es 69 Jahre her sein, dass die deutsche Luftwaffe einen schweren strategischen Bombenangriff auf Coventry flog, bei dem 568 Menschen getötet, 4.330 Häuser und die mittelalterliche Kathedrale zerstört wurden. Die Flächenbombardements auf Köln, Hamburg und Dresden waren die Antwort. „Vater vergib“ – diese Worte ließ der damalige Propst von Conventry nach dem Bombenangriff im November 1940 in die Ruinenwand hinter dem Altar meißeln. Aus Zimmermannsnägeln, die die mittelalterlichen Deckenbalken der Kathedrale zusammengehalten hatten, wurde ein Nagelkreuz zusammengefügt. Es steht heute auf dem Altar der neuen Kathedrale und gilt als Zeichen der Versöhnung und des Friedens. Weitere Nagelkreuze befinden sich in über 160 Kirchengemeinden weltweit, die zusammen die Nagelkreuzgemeinschaft bilden. |
|
|
Sonntagmorgen 10.00 Uhr. 70 Jahre nach Kriegsbeginn predigen in dem deutschsprachigen Radiogottesdienst auf NDR 1 und WDR 5 der Pastor der deutschen Auslandsgemeinde in Birmingham, Peter Büttner - ehemals Pastor in Sievershausen -, und Canon Adrian Daffern von der Kathedrale in Coventry. Außerdem wird Harold Nash seine Geschichte erzählen: Er war englischer Navigator und flog Bombenangriffe gegen Deutschland. Später lernte er Deutsch und wurde Friedensaktivist. |
|
|
Sonntagmorgen 10.00 Uhr. Haben Sie Zeit? Hören Sie doch mal rein. |
|
|
Zum Nachlesen: Matthäus 5, 9 |
|
|
|
|

Die alte und die neue Kathedrale von Conventry
Bildquelle: Wikipedia
|
Harold Nash: Vom Bomber zum Pazifisten |
|
|
Seine Geschichte hat mich tief bewegt. Er lebt in England und ist heute weit über 80. Damals war er gerade Anfang zwanzig. Harold Nash ist der Navigator in einem britischen Bomber. Gerade hat er seine todbringende Last über Hannover abgeladen. Das Flugzeug ist am 27. September 1943, auf dem Weg zurück nach England. Plötzlich: Einschüsse. Harold Nash sitzt im hinteren Teil der Maschine. Sein 13. Einsatz. Ein letzter Blick auf den Piloten, dann der Sprung mit dem Fallschirm ins Ungewisse aus der abstürzenden Maschine. Er landet bei Celle, schlägt sich vier Nächte lang durch, wird schließlich bei Bielefeld gefangen genommen. |
|
|
Im Zug geht es weiter nach Frankfurt. Zusammen mit seinem Bewacher sitzt er in einem Abteil mit drei Frauen in Trauerkleidung. Er ist abgerissen, ungewaschen. An seiner Uniform ist er eindeutig als Mitglied einer britischen Bomberbesatzung zu erkennen. Die Frauen tuscheln. Er hat Angst. Sie fahren durch eine Gegend, die offensichtlich in der letzten Nacht von seinen englischen Kameraden bombardiert worden ist ... Plötzlich greift eine der Frauen in ihre Tasche, holt ein Stück Brot heraus und bietet es ihm an, zu seiner Überraschung. "Sie haben in mir plötzlich den Sohn einer Mutter gesehen, das hat mein Leben verändert", sagt Harold Nash heute. Er verbrachte danach über zwei Jahre in einem Kriegsgefangenenlager in Litauen. Nach dem Krieg wird er Dolmetscher und Lehrer für Französisch und für Deutsch. |
|
|
Einige Zeit später hörte er in seiner Kirche einen Satz von Jesus: "Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch an." Ihm fiel die Geschichte von den Frauen wieder ein - und er wurde Pazifist, also Kriegsgegner. Bis heute, er ist jetzt 87, sprüht er vor Energie, Lebenskraft und Lebensfreude, ist in Deutschland und England unermüdlich unterwegs. Er erzählt seine Geschichte, besucht Schulen, Universitäten und wirbt im Fernsehen für Frieden und Versöhnung. Deshalb ist er seit Jahrzehnten auch aktives Mitglied im Kirchenvorstand der deutschen Gemeinde in Birmingham, dieser englischen Stadt, die im Krieg mehrfach von der deutschen Luftwaffe bombardiert wurde und fast 3000 Todesopfer zu beklagen hatte |
|
|
"Damit wir niemals vergessen" ist seine Losung. "Man darf die deutschen Gräueltaten in den Konzentrationslagern nicht vergessen. Wir mussten Deutschland angreifen", sagt Harold Nash. "Aber wie dies geschah, war ein Verbrechen. Ich weiß nicht, wie viele Menschen ich mit meinen Bomben getötet habe. Ich weiß heute nur, dass kein einziger Tod ein einziges Problem gelöst hat." Und der frühere Soldat und überzeugte Christ fügt hinzu: "Ich kann nicht vergessen, was ich getan habe. Nur Gott kann mir vergeben." |
|
|
Autor: Peter Büttner |
|
|
|
|

Blick in den Innenraum der neuen Kathedrale von Coventry.
|
|
|

Pastor Peter Büttner, Birmingham (links) und Canon Adrian Daffern, Coventry.