Ohne ärztliche Beratung geht es kaum

Eine Vorsorgevollmacht als Ergänzung ist wichtig


Auf den ersten Blick ist es nicht so schwierig. Wer volljährig ist, kann schriftlich festlegen, welche Art medizinischer Behandlung von schmerzstillenden Mitteln bis zur künstlichen Ernährung er wünscht, wenn sein Leben zu Ende geht. So sagt es das im September verabschiedete Gesetz. Doch die Formulierungen können es in sich haben und sind für den Arzt bindend.

Die Rechtsanwältin und Berufsbetreuerin Nicole Busse plädierte im Paulus-Kirchenzentrum vor rund 70 Zuhörern für möglichst konkrete Aussagen. „Ich wünsche keine lebensverlängernden Maßnahmen“ reiche beispielsweise nicht aus. Der Internist Tom Steinmetz hingegen wünschte sich offenere Formulierungen, die dem Arzt Spielraum lassen, um den Willen des Patienten situationsgerecht umzusetzen. Wer, wie einer der Zuhörer, eine künstliche Beatmung ausgeschlossen hat, riskiert, an einer schweren Lungenentzündung zu sterben, von der er eigentlich wieder gesunden könnte.

„Es kommt auf die Passgenauigkeit an“, sagte Hans-Joachim Schliep vom Zentrum für Gesundheitsethik an der Evangelischen Akademie Loccum. Deshalb mochten die Referenten keine konkreten Formulierungen vorschlagen. Wer zugehört hat, kann jetzt in einem Workshop seine eigene Patientenverfügung aufschreiben. Damit sie sicher umgesetzt wird, sind weitere Erklärungen nötig.


Wer will, dass seine Patientenverfügung in jedem Fall umgesetzt wird, sollte sie durch eine Vorsorgevollmacht ergänzen. Nur so ist sichergestellt, dass eine gewünschte Person auf die Durchsetzung hinwirken kann. Wer zudem eine Betreuungsverfügung aufsetzt, sichert sich auch für Grenzfälle ab, in denen die Vorsorgevollmacht nicht hinreicht.

Das wurde bei der Veranstaltung des Seniorenrates zur Patientenverfügung deutlich. Diese muss schriftlich abgegeben werden. Ein Widerruf ist aber mündlich möglich. Es wurde sogar von einem Patienten berichtet, der das Legen einer Magensonde ausgeschlossen hatte, dem aber durch Kopfnicken vor Arzt, Betreuer und Angehörigen auf dem Krankenbett doch stattgab. Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit der Paulus-Gemeinde und dem runden Tisch Palliativ- und Hospizarbeit statt.

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Burgdorf und Uetze
vom 24. Oktober 2009
Red. Stefan Heinze