Zug der Erinnerung kommt

Rollende Ausstellung im Bahnhof Lehrte


Vor fast zwei Jahren war der Zug der Erinnerung ein Zuschauermagnet. Jetzt kehrt er für einen zweiten Besuch in den Bahnhof Lehrte zurück. Am Freitag, 13. November, 9 Uhr, wird die rollende Ausstellung über die Deportation von Kindern und Jugendlichen während der Nazizeit erwartet.

Bis Sonnabend, 14. November, bleibt der Zug der Erinnerung in Lehrte. Es gebe mehrere Gründe, warum der Zug erneut nach Lehrte kommt, sagt Jürgen Witzmann vom Lehrter Präventionsrat. Zum einen sei die Schlange der Besucher im Januar 2008 so lang gewesen, dass sicherlich einige Menschen wieder umgekehrt seien, ohne in den Zug zu kommen.

Diese Besucher sollen erneut eine Chance bekommen. Vor allem aber richte sich dieser zweite Besuch an die neunten Klassen der Schulen, in denen der Nationalsozialismus auf dem Lehrplan stehe. „Und jetzt gibt es in diesem Jahrgang wieder andere Schüler als damals“, sagt Witzmann. Der Freitag sei daher speziell als Tag für die Schüler konzipiert. Gruppen können sich für eine Führung unter Telefon (05132) 5 24 97 und per E-Mail an dgb-lehrte@web.de anmelden.

Wegen der gegenüber dem ersten Besuch längeren Vorbereitungszeit gibt es beim zweiten Besuch des Zugs der Erinnerung ein umfangreicheres Begleitprogramm, kündigt Reinhard Nold, Chef des Lehrter DGB-Ortskartells, an. Das Andere Kino am Sedanplatz wird passende Filme zum Thema zeigen. Nold selbst wird am Mittwoch, 11. November, im Anderen Kino ab 19 Uhr einen Vortrag über die Besetzung des Gewerkschaftshauses in Lehrte im Jahr 1933 halten.


Zug der Erinnerung hält wieder in Lehrte

Etwa zwei Jahre nach seinem ersten Besuch ist der Zug der Erinnerung gestern zum zweiten Mal in den Bahnhof Lehrte eingefahren. Bis heute um 19 Uhr können sich Besucher die in dem Zug gezeigte Aussteilung über deportierte Kinder im Dritten Reich anschauen.

„Man kann sich gar nicht vorstellen, dass so etwas geschehen ist“, sagte Michael Turowski. Er und Friedrich Schumacher gehörten gestern Vormittag zu den ersten Besuchern im Zug der Erinnerung, der derzeit auf Gleis 3 des Lehrter Bahnhofe hält „Wir arbeiten bei der Firma Hellmann. Schräg gegenüber lag während der Nazizeit ein Durchgangslager“, sagt Schumacher. „Diese Ausstellung berührt uns sehr.“

Das Lehrter Ortskartell des DGB und der Präventionsrat haben den Zug ein zweites Mal nach Lehrte geholt. „Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis des Erfolgs vom ersten Mal“, sagte Lehrtes DGB-Chef Reinhard Nold. Ihm gehe es um die „Aktualität der Erinnerung“, die jenseits ritualisierter Kranzniederlegungen an Gedenktagen hege. Für den stellvertretenden Lehrter Bürgermeister Hermann Hoffmann geht es darum, „dass man wissen muss, wo man herkommt, um zu wissen, wo man hinwill“. Als Einführung in die Schau stellten gestern Gisela Fähndrich und Otto Dempwolff vom Antikriegshaus in Sievershausen Biografien hannoverscher Überlebender der Kindertransporte vor.

Nach dem ersten Mal ist die Ausstellung ergänzt worden, teilte gestern Zugbegleiter Lars Grütering mit. Unter anderem ist ein Film der Bahn von 1985 ins Programm aufgenommen worden, der bis vor Kurzem noch auf der Internetseite des Unternehmens zu sehen war.

„Die Bahn bedauert darin die Kriegsschäden an ihren Anlagen, erwähnt aber mit keinem Wort die Verantwortung für die Transporte“, kritisierte Grütering.

Die Ausstellung im Zug der Erinnerung ist heute zwischen 9 und 19 Uhr auf Gleis 3 des Lehrter Bahnhofs zu sehen. Der Eintritt ist frei.

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Lehrte und Sehnde
vom 30. Oktober und 14. November 2009
Red. Michael Schütz