Trauer um Robert Enke in Burgdorf

Trauerandacht in der St.-Pankratiuskirche


Anlässlich des Todes von Robert Enke, Torhüter von Hannover 96 und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, wird am

Donnerstag, 12. November,
um 18 Uhr,
in der St.-Pankratiuskirche Burgdorf

eine Trauerandacht stattfinden. Gestaltet wird die Andacht vom Ev. Kirchenkreisjugenddienst gemeinsam mit der St.-Pankratius-Kirchengemeinde Burgdorf.


Andachtstext von Pastor Rainer Müller-Brandes

Robert Enke ist tot.
Man liest diese Worte. Man hört es im Radio. Und kann es nicht glauben,
Man steht fassungslos da, kämpft mit den Tränen und möchte nur eines:
Das ist nicht wahr.

Ich lese aus Psalm 69, aus dem Alten Testament, dem ersten Teil der Bibel:

„Gott. Hilf mir.
Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke im tiefen Schlamm, wo kein Grund ist.“

Ich möchte nur eines. Dass das nicht stimmt. Nur für eine Sekunde die Augen zu machen, und wenn ich sie wieder auf mache, dann soll die Welt wieder so sein wie vor dieser unfassbaren Nachricht.
Und in dieser Welt geht Robert Enke morgen zum Training, hält ein paar Schüsse, die nur ein großer Torwart wie er hält.
Die Zaungäste applaudieren und wenn das Training vorbei ist, dann geht Robert Enke in die Kabine. Und der Junge, der ihn nach einem Autogramm fragt, wird eines bekommen, so wie immer.

„Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser. Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.“

Gott, jetzt ist nichts mehr wie immer. Diese Welt gibt es nicht mehr. Robert Enke ist tot, und heute, morgen, ganz lange ist es kein Trost, dass er immer lebendig sein wird in unseren Herzen.
Und bei Dir.

Denn die Frage ist doch da:
Warum? Warum macht er das?
Und wir müssen akzeptieren, dass wir ihm nicht in ins Herz schauen können.
Das kannst nur Du, Gott.

Für uns, für viele war er ein Held, weil es bei 96 lange keinen Torhüter gab, der so unaufgeregt aufregende Paraden gezeigt hat.

Aber bewundert haben ihn auch die anderen. Die keine Fußballfans waren.
Als im September 2006 seine kleine Tochter Lara starb, rührte das ganz viele.
Die Enkes, er und seine Frau, wurden zum Vorbild für viele, die ähnliches durchleiden mussten.

„Ich aber bete zu Dir, mein Gott.“

Ob er das gemacht hat?
In seiner Verzweiflung- als Lara damals starb.
Als er das Schrecklichste durchleben musste, was einem Menschen passieren kann.
Ob er ihn angesprochen hat? Angeklagt, angeschrien hat?
Wie konntest Du nur Gott?
So wie der Pslambeter das gemacht hat?
Ich weiß es nicht.
Es gibt Situationen, da können wir nicht anders.
Als Gott die Sache vor die Füße zu schmeißen, oder ganz zu verzweifeln.

Ob Robert Enke es gemacht hat?

Mit der Adoption der Tochter jetzt im Mai schien das Glück zurückgekehrt zu Robert Enke. Und dass er plötzlich wegen dieser Erkrankung nicht mehr die Nummer 1 in der Nationalmannschaft war, war für uns ein großes Thema.
Aber trotzdem dachten wir: Er wird sich wieder zurückkämpfen. So wie er das in der Vergangenheit auch gemacht hat.
Wer es von der 2 spanischen Liga ins Nationaltor geschafft hat, für den kann doch kein Weg zu weit sein.
Erst recht nicht der zwischen die Pfosten, die ihm wichtig waren, aber längst nicht alles bedeuteten.

Aber dann das:
Sah es am Ende doch ganz anders in ihm aus?
Musste er alles überspielen?
Weil er Seelenqualen litt?
Keiner von uns kann das sagen.

„Gott, errette mich aus dem Schlamm. Dass ich nicht versinke.
Dass mich die Flut nicht ertränke und die Tiefe nicht verschlinge.“

Am Ende hat sie ihn doch verschlungen. Die Tiefe, die irgendwo in uns allen steckt.

Lieber Gott, sag mir, warum muss das sein?
Wo ist da der Sinn?
Ich würde so gern an dich glauben,
sag, hörst du mich nicht?

Wir haben das Lied gehört, eben auf CD
Und wir alle wissen, dass es nicht die Antwort gibt.

Das einzige, was wir sagen können, ist Mut zu machen:
Dass wir unseren Mist, den wir manchmal mit uns herumschleppen müssen, Gott vor die Füße knallen.
So wie der Pslambeter das gemacht hat.

„Gott hilf mir, denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.
Ich versinke im tiefen Schlamm, wo kein Grund ist.“

War für Robert Enke, der Druck im manchmal brutalen Fussballgeschäft doch zu hoch?
Hatte ihm das ständige Auf und Ab seiner Karriere doch mehr zugesetzt als wir durch die Augen der Kameras sehen konnten?

Niemand kann sich anmaßen, auf diese Fragen eine Antwort zu haben.

Momentan ist da nur eine große Traurigkeit und eine fast lähmende Betroffenheit.
Und der Wunsch, dass Robert Enke uns immer so in Erinnerung bleibt, wie wir, wie ganz viele ihn erlebt haben:
Als nachdenklichen, sympathischen und zuvorkommenden Menschen.
Und als Sportler, der bei vielen Kindern einen großen Wunsch hervorrief:
Einmal so ein toller Torwart werden wie Robert Enke.

Dieser Mann ist nicht mehr da.
Er ist jetzt bei Gott.
Da bin ich ganz sicher.

So dass die letzten Worte des Psalms uns gelten:

„Errette mich aus dem Schlamm, dass ich nicht versinke, dass mich die Flut nicht ertränke und die Tiefe nicht verschlinge.
Erhöre mich, Herr, denn deine Güte ist tröstlich, wende dich zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit.

Amen