Zum Sonntag

Das Leben ist endlich – der Tod natürlich


Friedrich Kanjahn ist Pastor in der Ev.-luth. Kirchengemeinde Dollbergen-Schwüblingsen

Der Alltag hat die Gedanken an den Tod schon wieder verdrängt, nicht nur im Fußball. Die Medien haben den Selbstmord von Robert Enke von allen Seiten beleuchtet – er ist damit nicht verständlicher geworden. Fragen bleiben – vor allem eine: Warum hat er Hilfsangebote abgelehnt? Weil Depressionen in unserer Gesellschaft als Schwäche gelten und nicht als wirkliche Krankheit?

Dann kann ich nur hoffen, dass das Thema Depression noch eine Zeit lang diskutiert wird. Schließlich gibt es Hilfe für Menschen, die depressiv sind und keinen Weg mehr sehen. Es gibt andere Wege als den des selbstgewählten Todes.

Der Suizid von Robert Enke hat den Tod öffentlich gemacht. Darum ist wohl die Betroffenheit, die Trauer, so groß, auch von vielen, die ihn nicht persönlich gekannt haben. Die große Trauerfeier in der AWD-Arena wirkte wie eine große Inszenierung. Die Tränen der Trauer waren mit Sicherheit echt. Tausende haben geweint. Und das in diesen grauen Tagen kurz vor dem Totensonntag.

Tod und Trauer sind normalerweise privat und damit verborgen, obwohl doch jeder Mensch einmal sterben muss. Wir müssen uns mit dem Tod auseinandersetzen, uns damit beschäftigen, dass unser Leben endlich ist, um nicht zu stolz zu werden. Die christliche Hoffnung zeigt einen Weg in die Zukunft, nämlich die Hoffnung, dass Gott uns Menschen sieht und unsere Endlichkeit. Er würdigt uns und schenkt Hoffnung auf Auferstehung, Hoffnung auf ein Leben bei ihm. Dieser Ausblick ist im letzten Buch der Bibel beschrieben: „Der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“ Mit dieser Hoffnung können wir leben, ohne ängstlich auf die Endlichkeit starren zu müssen. Wir können fröhlich leben und unsere Verantwortung wahrnehmen.

Zum Nachlesen
Offenbarung 21, Vers 4.