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Wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, genießen in Europa viele Menschen den Advent. Wer im Sommer die langen Tage und kurzen Nächte auf der Terrasse, dem Balkon oder im Biergarten genießen kann, sitzt im Winter bei Kerzenschein und Glühwein beisammen: Alles hat seine Zeit und der Advent ist die Zeit der Ruhe und der Besinnlichkeit. Das hat gute, wenn auch nicht uralte Tradition: Die Adventszeit als Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest ist erst im 4. Jahrhundert entstanden Von Anfang an hatte die Adventszeit den Charakter der Bußzeit als Vorbereitung auf den "Geburtstag" des Messias. |
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Annette Charbonnier ist Pastorin in der Ev.-luth. St.-Paulus-Gemeinde in Burgdorf Sie hat die Predigt zu Römer 13, 8 - 12 im Gottesdienst am 1. Advent 2009 gehalten. - Für Sie zum Nachlesen: |
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"Liebe Gemeinde, eine etwas indiskrete Frage zu Beginn: Welcher Aufstehtyp seid Ihr, welcher Aufstehtyp sind Sie? |
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Verkriecht Ihr euch, wenn der Wecker geklingelt hat, lieber noch mal tiefer in der Bettdecke, es ist ja noch mitten in der Nacht und der neue Tag, o je, der kommt früh genug. Oder schlagt Ihr die Augen auf und seid frisch und munter für den neuen Tag? Und dann, wenn Ihr aufgestanden seid, muss man euch jedes Wort aus der Nase ziehen oder seid Ihr unverschämt guter Laune und könnt gleich loslegen? Und Sie: Drücken Sie am Wecker lieber noch mal die Schlummertaste nur noch ein Viertelstündchen und dann noch mal und dann: wieder zu spät rausgekommen, so dass Sie gehetzt, genervt und müde in den Tag stolpern? Oder genießen Sie es, den Tag früh zu beginnen, wenn er noch leise und unverbraucht vor Ihnen liegt? |
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Welcher Aufstehtyp seid Ihr, sind Sie? |
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Und wenn Ihr eher zum morgendlichen „Ich fühle mich so müde und mindestens doppelt so alt, wie ich bin-Typ“ gehört und nicht zum „Juhu, der neue Tag ist da-Typ“, woran liegt es? Natürlich, ich weiß, es liegt auch am Blutdruck und am Abend davor, ob Party war oder Ihr lange lernen musstet oder ob es Ärger gab und Sorgen uns umtreiben oder, oder. Aber, es hat auch mit dem zu tun, was uns am neuen Tag erwartet. |
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Davon jedenfalls spricht unser Predigttext für den 1. Advent, Advent bedeutet ja Ankunft und die Adventszeit, die Warte- und Erwartungszeit ist davon geprägt, was und wer uns erwartet und wen wir erwarten an einem neuen Tag und in diesem neuen Advent. |
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Ich lese aus dem Brief des Paulus an die Römer im 13. Kapitel: |
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Seid niemand etwas schuldig, außer, dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist: „Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren“, und was da sonst an geboten ist, das wird in diesem Wort zusammen gefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist die Liebe des Gesetzes Erfüllung. |
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Und das tut, weil ihr die Zeichen erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbei gekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. |
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Ich selber gehöre, ehrlich gesagt, meist eher zu den „Was - es ist schon Morgen- das kann doch nicht sein“-Menschen, die die Schlummertaste betätigen, bis wirklich nichts mehr geht. Und Leute, die morgens voller Energie aus dem Bett springen, sind mir seit je eher unheimlich gewesen. Und trotzdem. Der Predigttext ist ganz klar eine Werbung fürs Frühaufstehen und zwar nicht gezwungen, weil der Terminkalender so voll ist oder mich die Schmerzen und die Sorgen aus dem Bett treiben, nein, sondern Frühaufsteher aus Überzeugung, voller Lust und Laune! |
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Wie könnte das gehen? |
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Paulus sagt: Entscheidend ist, was Du von deinem Tag erwartest, oder was Du meinst, dass es dich erwartet. |
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Das kennen wir alle, denke ich: |
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Wenn ein unangenehmer Arztbesuch auf dem Programm steht, eine Prüfung, Ärger bei der Arbeit oder Stress in der Familie oder in der Schule, Langeweile oder Einsamkeit, ist es mit dem lustvollen Aufstehen eher schwierig, wir versuchen uns den Tag vom Hals zu halten und wenn der Tag unmissverständlich da ist, versuchen wir uns abzulenken, um die unangenehme Wartezeit hinter uns zu bringen... Aber: Sorge und Unruhe bleiben. Wie anders, wenn für den Tag ein lieber Besuch ansteht, es abends zur Party geht, wir etwas anderes Schönes vorhaben. Da wird die Wartezeit zur fröhlichen Erwartungszeit und zur Vorbereitungszeit Da bereiten wir uns selbst vor, machen uns zurecht und schön, da bereiten wir unser Zuhause vor mit Liebe und Lust und Vorfreude auf das schöne Ereignis. |
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Wie anders sieht der Tag aus, je nachdem, was wir erwarten. Unsere Erwartung prägt den Tag, der Tag ist nicht einfach so nur da, sondern wir gestalten ihn durch das, was wir erwarten. |
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Das ist in der Adventszeit mit Händen zu greifen, wie schön wird da alles vorbereitet, wie ist die Sehnsucht nach Weihnachten zu greifen, Weihnachten mit all seinen Verheißungen – bei vielen ist das so. Andere erleben allerdings hauptsächlich den Stress und den Druck, es doch jetzt schön haben zu müssen, sie stehen unter Adventserfolgsdruck. |
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Paulus nun ist der Überzeugung: Was für das Aufstehen gilt und dafür, wie wir den Tag anpacken, das ist im ganzen Leben so. Und für ihn steht fest: |
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Christen, das sind Menschen, die eine ganz besondere Erwartung haben, Christen sind Erwartungsmenschen, fröhliche Lebensfrühaufsteher und keine Angst und Trägheitsmenschen, die versuchen, den Tag totzuschlagen... - übrigens ein ganz fieser Ausdruck, finde ich: Die Zeit totschlagen! |
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Paulus sagt: Die Stunde ist da, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher! Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe herbeigekommen. |
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Was erwarten denn die Christen und was erwartet sie? |
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Das Heil, sagt Paulus, vielleicht ein fremdes, sperriges Wort, oft auch missbraucht, wie aus einer alten Kiste hervorgekramt. Heil. Aber darin steckt ja das Wort heilen, heil machen, gesund machen. Und da fiele mir schon eine Menge ein und Euch und Ihnen bestimmt noch viel mehr: |
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Uns heil machen von den Wunden, die schlechte Erfahrungen in uns geschlagen haben, der Streit in der Familie, der Verrat durch Leute, die wir für Freunde hielten, Heilung von dem Gefühl, nichts wert zu sein und nicht gebraucht zu werden, heil zu werden von der Angst, in der Schule nicht zu den richtigen Leuten zu gehören und nicht mitzukommen. Heil zu werden von der Lebensangst, die uns gierig und egoistisch macht, vielleicht auch müde und verzweifelt. |
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Unser Heil ist nahe, der, der uns heil macht, kommt. Gott steht vor der Tür, steh auf, raus aus den Federn und ergreife die Gelegenheit beim Schopf. Das ist die adventliche Botschaft unseres Predigttextes. |
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Und wie, bitte, soll das gehen? |
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Paulus gibt eine ganz schlichte, einfache Antwort, haltet euch an die Liebe. Jeder Tag als Chance, sich selbst und die anderen zu lieben noch ein bisschen mehr als am Tag zuvor. In der Familie, auf dem Schulhof, bei der Arbeit, im Seniorenkreis, auf dem Hausflur. Jeder Tag als Chance zur Liebe, als eine Chance, die Gott uns gibt. |
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Das ist kein leichtes Unterfangen, das hat uns auch keiner versprochen. Paulus spricht von den Waffen des Lichts, die wir brauchen in diesem täglichen Kampf gegen die Finsternis. Denn es geht bei dieser Liebe ja nicht um ein romantisches Gefühl, sondern um die Liebe, die sich tatkräftig für den anderen einsetzt und auch auf sich selbst achtet. Was brauche ich, was brauchen die Menschen, die um mich sind, zum Leben? Das reicht von der Familie bis in die Politik und zurück. Und das wird manchen Streit und manch harte Auseinandersetzung nötig machen, wenn sich die Liebe gegen Verzweiflung und Gleichgültigkeit durchsetzen will. |
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Und dann, so höre ich Paulus sagen, dann werdet Ihr merken, Gott steht nicht nur vor der Tür, sondern er ist schon längst mitten drin, mitten unter euch. |
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Advent, Zeit der Erwartung, in diesen Wochen ist es mit Händen zu greifen. Uns erwartet an keinem Tag ein blindes Schicksal, sondern Gott, der unser Leben neu mit Leben füllen will. Er erwartet uns in den leisen, stillen Momenten des Advent, im freundlichen Wort auf dem Hausflur genauso wie im notwendigen Streit. Und das gilt – Gott sei Dank - für jeden von uns, egal was für Aufsteh-Typen wir sind. |
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Mir fiel ein Wort ein, das Martin Luther zugeschrieben wird: |
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Der Glaube ist wie ein Vogel, der singt, auch wenn die Nacht noch dunkel ist. Für mich ist das Adventszeit, schon den Morgen ahnen, Gottes Gegenwart schon spüren und Gott herbeisingen, dass er uns und diese Welt heil macht und dann: Im Gesang erleben, er ist schon mitten unter uns. Der Glaube ist wie ein Vogel, der singt, auch wenn die Nacht noch dunkel ist. |
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Solche Vögel lasst uns sein mit Herzen, Mund und Händen. |
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Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen" |
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