Zum Sonntag

Ein Licht für alle sein, die Hilfe brauchen


Wolfgang Thon-Breuker ist Pastor in der Ev.-luth. St.-Pankratius-Gemeinde Burgdorf

Ein Advent ohne die Lichter am Adventskranz ist undenkbar. Morgen am 4. Advent wird auch die 4. Kerze entzündet. Doch mit ein paar Lichtern ist es heutzutage nicht getan. Hannovers Innenstadt erstrahlt im weihnachtlichen Lichtermeer. Auch Burgdorf, Lehrte oder Uetze wollen uns mit weihnachtlichen Glanz bezaubern. Wir sind wirklich groß im Licht machen. Die Liste der Beleuchtungsideen ist ohne Ende.

Doch wir sind eher schwach darin, ein Licht für andere zu sein. Es ist ein weiter Weg aus unserem weihnachtlich beleuchteten Leben zum Stall von Bethlehem. Dort wird Gott Mensch. Dort wird sein Sohn geboren. Das Kind in der Futterkrippe wird zum Lichtblick für Menschen, die im Dunkeln wohnen. Muss uns das nicht zutiefst verstören?

Als moderne Lichtgestalt wäre Jesus untauglich. Er sah niemals blendend aus. Er ritt auf einem Esel. Er macht sich zum Gespött der Leute. Sein Outfit war niemals super: Nicht bei seiner Geburt im Stall von Bethlehem, nicht bei seinen Wanderungen durch Galiläa, nicht beim Einzug in Jerusalem und schon gar nicht bei seinem Tod am Kreuz. Und wir? Wir hören die Botschaft „Gott will im Dunkel wohnen“ und machen erst mal ganz viel Licht. Was würde Jesus wohl zu unseren Beleuchtungsideen sagen?

Vermutlich würde Jesus sagen „Macht nicht so viel Lärm um mich! Macht nicht so viel Licht um mich. Fragt einfach: Wie werde ich zum Licht für andere?“

Die Antwort ist einfach. Indem wir von ihm lernen. Jesus hat sie immer zuerst gesehen: Die Hirten! Draußen im Dunkeln vor der Stadt mussten sie leben. Jesus wurde in ihrer Nähe geboren. Den Kranken! 37 Jahre lag einer krank nahe des heilenden Wassers am Teich Siloah. Für ihn blieb das Wasser unerreichbar. Keiner hat ihn dorthin getragen. Jesus sieht ihn und hilft. Oder den blinden Bartimäus! Keiner hat sein Schreien gehört. Jesus hört ihn und hilft.

„Die im Dunkel sieht man doch!“ heißt die gute Nachricht im Advent. Jesus sieht sie doch! Wir sind eingeladen, es ihm gleich zu tun.