Die gute Seele sagt heute Ade

Abschied von der Leiterin der Lehrter Bahnhofsmisssion



Anneliese Mudra war 30 Jahre lang die gute Seele der Lehrter Bahnhofsmission. 20 Jahre hatte sie die Leitung inne: Heute wird die 73-Jährige am Gleis 11 verabschiedet.

Wenn Anneliese Mudra Ende September die blaue Helferweste der Bahnhofsmission an den Nagel hängt, kann sie auf eine ereignisreiche Zeit zurückblicken. 1979 nahm sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit auf. Anfangs sammelte sie auf dem Bahnhofsgelände lediglich hin und wieder Geld mit der Spendenbüchse ein. Schnell kamen jedoch Dienste in den Räumen am Gleis 11 hinzu. 1989 löste Mudra die damalige Leiterin Mathilde Meyer ab. Außer der Betreuung der Besucher gehörten jetzt auch Buchführung, Abrechnungen und das Erstellen der Dienstpläne zu ihren Aufgaben.

„Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht“, sagt die 73-Jährige. In der Bahnhofsmission habe sie sehr viele Menschen mit interessanten Schicksale kennengelernt. Viele Besucher seien regelmäßig erschienen und ihr mit ihren Lebens- und Leidensgeschichten ans Herz gewachsen.

Anfangs waren es die Fahrschüler, die in den Räumen am Gleis 11 ihre Hausaufgaben erledigten oder spielten, bis ihr Zug kam. Später suchten vermehrt Obdachlose die Bahnhofsmission auf. Heute ist die Einrichtung unter anderem Anlaufpunkt für Besucher der benachbarten Drogenberatungsstelle Drobel.

Für alle hatte Mudra ein offenes Ohr. Jeden behandelte sie unvoreingenommen, ohne Berührungsängste und stets mit dem gleichen Respekt. „Ich habe auch viel zurückbekommen. Und wenn nur gesagt wurde, dass es wieder gut geschmeckt hat“, erinnert sich die gebürtige Kolshornerin.

Aus Alters- und Gesundheitsgründen zieht die sechsfache Großmutter sich jetzt zurück. Kürzer treten wollte sie eigentlich schon im April. Weil es damals aber noch keine Nachfolgerin gab, machte Mudra weiter. Zum Oktober wird die Leiterin nun von Ute Bachmann abgelöst.

Die Markus- und die Matthäusgemeinde verabschieden Mudra heute um 11 Uhr in der Bahnhofsmission am Gleis 11.

Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Lehrte und Sehnde
vom 19. September 2009
Red. Katja Eggers



Posaunen auf Gleis 11 - 60 Jahre Bahnhofsmission wurden 2006 gebührend gefeiert

Im Lehrter Bahnhof waren ungewohnte Töne zu hören: Aus den Räumlichkeiten der Bahnhofsmission auf Gleis 11 erklangen christliche Gesänge, am Bahnsteig davor spielte ein Posaunenchor. Anlass der schönen Musik: Die Bahnhofsmission feierte ihren 60. Geburtstag mit Gottesdienst und Jubiläumsempfang.

Zahlreiche Gäste, darunter Vertreter von Stadt, Kirche, Polizei und Wohlfahrtsverbänden, waren erschienen, um Leiterin Anneliese Mudra und ihren Mitarbeiterinnen Lob und Dank auszusprechen, Blumen und Geschenke zu überreichen, bei einem Gläschen Sekt auf eine erfolgreiche Zukunft anzustoßen und über „alte Zeiten" zu plaudern.

Im gemeinsamen Gottesdienst mit Pastoren der Kirchengemeinden Matthäus und Markus blickte Superintendent Dr. Detlef Klahr zurück auf 60 Jahre Tradition, Gastfreundschaft und christliche Nächstenliebe. Seit ihrer Gründung im Jahr 1946 hätten sich zwar Zeit und Umstände nicht aber der Auftrag der Bahnhofsmission, verändert, betonte der Superintendent.

Damals wie heute biete die Bahnhofsmission Reisenden eine Herberge, ein Dach über dem Kopf und eine Anlaufstation, um sich zu setzen, sich auszuruhen, Rat zu holen und zu stärken. Detlef Klahr würdigte die Leiterin Anneliese Mudra und ihre Mitarbeiterinnen als „eine großartige Crew". Zur Anerkennung gab es Rosen und eine Anekdote: Noch als Student hatte Detlef Klahr 1980 im Bahnhof Celle mit einem Strauß Rosen auf seine „Angebetete" gewartet. Als die nicht kam, hatte er die Blumen den Mitarbeiterinnen der dortigen Bahnhofsmission geschenkt.

Auch über Präsente in flacher Form durfte sich hingegen die Lehrter Bahnhofsmission freuen. Wie bereits berichtet, hatte die Bahnhofsmission anlässlich ihres runden Jubiläums in Zusammenarbeit mit dem MARKTSPIEGEL die Aktion „60 mal 60" gestartet. Gesucht wurden dabei 60 Personen oder Geschäfte, die der Bahnhofsmission zu ihrem 60. Geburtstag eine 60 Euro spendeten. Im Vorfeld waren bereits über 4.000,- Euro zusammengekommen. Im Laufe des Jubiläumsempfangs wuchs die Summe auf 5.050,- Euro an. Insgesamt haben nun 69 Spender je 60 Euro und mehr gespendet. Markusgemeinde-Pastor Anke, Vorsitzender der Bahnhofsmission, verkündete strahlend: „Damit ist die Arbeit der Bahnhofsmission für die nächsten zwei Jahre gesichert!"

aus:
Marktspiegel Lehrte

Red. Katja Eggers


Mathilde Meyer (91) ehemalige Leiterin der BM Lehrte

Zum 60. Geburtstag der Bahnhofsmission Lehrte
am 01. Juli 2006

Wir haben uns heute hier eingefunden,
um in einigen besinnlichen Stunden
über die Arbeit der Bahnhofsmission in den 60 Jahren nachzudenken,
in denen sie viele Geschicke konnte lenken.

1946, als der Krieg schon 1 Jahr war aus,
verließen noch viele Menschen aus dem Osten Hof und Haus.
Alle Quartiere und Bahnhöfe waren besetzt bei Tag und Nacht;
das hat in Lehrte Pastor Gerhard zum Handeln gebracht.
Er dachte sich etwas Gutes für die Flüchtlinge aus
und baute am Ende des Bahnsteigs, heute Gleis11, ein Haus.
Seine Tante, die auch aus dem Osten kam,
trat dann als Leiterin die Stelle an.

Als sie dann alt und schwach,
holte mich Frau Schönborn als Leiterin nach.
Mit Schülerbetreuung in der Missi,
mit Kartoffelbrei und Spiegelei, das Essen, das allen noch heute gefällt,
so ist die B.M. Lehrte bekannt in der halben Welt.

Als ich 1989 auch alt und schwach,
folgte mir Frau Mudra in der Leitung nach.
Das macht sie nun schon 17 Jahre mit Bravour und viel Geschick,
und mit lieben Helferinnen hat sie großes Glück,
aber leider ist auch sie in die Jahre gekommen,
und eine Nachfolgerin wäre sehr willkommen.

So wünsche ich mir heute zum 60. Geburtstag der Bahnhofsmission als Geschenk und Gewinn
eine neue Leiterin.

Mathilde Meyer (91)