20 Jahre friedliche Revolution und deutsche Einheit

Der DDR-Bürgerrechtler Hans-Jochen Tschiche referiert am Freitag, 8. August, im Antikriegshaus


Der DDR-Bürgerrechtler Hans-Jochen Tschiche ist am Freitag, 6. August, zu Gast im Antikriegshaus.

Am Freitag, 6. August 2010, um 19.30 Uhr ist der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und Zeitzeuge Hans-Jochen Tschiche zu Gast im Antikriegshaus Sievershausen. Im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung wird er von den Ereignissen um die friedliche Revolution und die deutsche Einheit berichten und eine Bilanz nach 20 Jahren ziehen.

Der evangelische Pfarrer Hans-Jochen Tschiche gehörte schon lange vor den gut 20 Jahre zurückliegenden Ereignissen rund um die friedliche Revolution in der damaligen DDR und der nachfolgenden Vereinigung Deutschlands 1990 zu den prägenden Persönlichkeiten der Bürgerrechts- und Friedensbewegung in der DDR. Mit ihm, der 1990 als Bürgerrechtler in die Politik ging, wollen wir erörtern, was vom Aufbruch der friedlichen Revolution übrig geblieben ist, welche Rolle die Geschichte der DDR im heutigen Bewusstsein spielt und insbesondere, wie Tschiche den Vereinigungsprozess nach 20 Jahren beurteilt.

Bereits nach dem Abitur 1948 geriet Tschiche in Konflikt mit dem SED-Regime und wurde aus politischen Gründen vom sog. Neulehrerkurs ausgeschlossen. Darauf nahm Tschiche ein Studium der Theologie auf.

Seit 1978 Leiter der Evangelischen Akademie von Sachsen-Anhalt in Magdeburg, engagierte sich der streitbare Theologe ab Anfang der achtziger Jahre in der kirchlichen Opposition innerhalb der Friedensbewegung der DDR. So gehörte er zu den Beteiligten des 'Berliner Appells' 1982 und war theologischer Berater und maßgeblicher Inspirator für das Netzwerk Konkret für den Frieden. 1989 war Tschiche Mitbegründer der Bürgerbewegung Neues Forum und als deren Vertreter an den Verhandlungen des Runden Tisches des Bezirkes Magdeburg beteiligt. Bei den ersten freien Wahlen wurde Tschiche im März 1990 Mitglied der Volkskammer der DDR und anschließend bis Dezember 1990 Mitglied des Bundestages. Zwischen 1990 und 1998 schließlich war er Abgeordneter des Landtages Sachsen-Anhalt und dort Vorsitzender in der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Tschiche hat sich über die Jahre seinen kritischen Blick auf Vergangenheit wie Gegenwart bewahrt, gleichzeitig aber Pragmatismus bewiesen.
So hat er die DDR einerseits als "autoritäres Regime" und eine "Republik der Kleinbürger" kritisiert, in der es keine vergleichbare Weltoffenheit und Wendung zur Demokratie gegeben habe wie in der Bundesrepublik ab den sechziger und siebziger Jahren. Gleichzeitig gilt er als einer der Architekten des 'Magdeburger Modells' zwischen 1994 und 1998, einer rot-grünen Minderheitsregierung unter Tolerierung der PDS. Jener PDS, die er noch im Jahr 2000 gegenüber der taz als "Partei der Kleinbürger" bezeichnete.

Die Rolle der Bürgerrechtler in der Wende beschrieb er als die eines Türöffners: "Hinter der Tür haben dann andere die Politik gemacht." Nur für einen kurzen Zeitraum, vom September bis zum 9. November 1989, hätten die Bürgerrechtler eine Mehrheit hinter sich gehabt, sie wurden wieder Minderheit, als "neue Autoritäten am schwarz-rot-goldenen Himmel erschienen".

Tschiche selbst hat sich nachhaltig ökologischen und sozialen Fragen gewidmet und sich für demokratische Werte engagiert.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

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gemeldet am 02.08.2010 um 22:53 Uhr