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Die rote Lady spricht für den ANC
Potchefstrom/Burgdorf. „Haben Sie schon ein Township gesehen?“, fragt die Bürgermeisterin von Potchefstrom, Ina Stoltz, zu unserer Überraschung. Die Stadt Potchefstrom ist eine der letzten Stationen, die die Delegation des Kirchenkreises Burgdorf im Partnerkirchenkreis Johannesburg-West besucht.
Es muss also möglich sein, durch Südafrika zu reisen, ohne zu sehen, wo die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung lebt. Seit anderthalb Wochen haben wir kaum anderes gesehen als bescheidene Häuser und notdürftige Hütten, in denen Hunderttausende Schwarze, „Colored“ und „Indians“ wohnen.
Das Leben der Nichtweißen in den Townships zu teilen, lehrt echte Dankbarkeit für die einfachen Dinge des Lebens und sei es nur ein frisches Handtuch. Wer hinter der weißen Bürgermeisterin Ina Stoltz eine Repräsentantin des Postkolonialismus vermutet, irrt. Die Frau mit dem feuerroten Haar, dem roten Kleid und den roten Schuhen ist Mitglied des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC).
Nahezu täglich gabt es aus Südafrika auch Berichte von Teilnehmern im Blog kirchenkreisburgdorf.wordpress.com/
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Foto: Stefan Heinze, Burgdorf
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Lernen mit den Kontrasten umzugehen |
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Eine Delegation des Kirchenkreises Burgdorf besucht vom 19. bis 2. November den Partnerkirchenkreis Johannesburg-West. Anlass ist das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft mit den Südafrikanern. Mit dabei ist auch Stefan Heinze, Mitarbeiter des Anzeigers. Er erzählt von seinen Eindrücken am Rande der offiziellen Termine. |
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Wenn eine Gemeinde wie die in der Stadt Munsieville zu singen beginnt, entdecken selbst die eher verhaltenen Lutheraner der norddeutschen Tiefebene ihren Sinn für Rhythmus vor Kreuz und Altar. Jeder, der sich da mitreißen lässt, denkt zumindest im Gottesdienst nicht mehr an die Tagelöhner, die an Kreuzungen auf Arbeitgeber warten, vergisst die 50, 60 Patienten, die im Flur der Ramirez-Klinik stundenlang auf Hilfe warten, und die HIV-infizierten Menschen, die vom AIDS-Projekt des Kirchenkreises versorgt werden. |
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Während daheim die Blätter von den Bäumen fallen, sind hier im südafrikanischen Frühling 21 Abgesandte aus dem Kirchenkreis Burgdorf unterwegs, um ihre Partner in der evangelisch-lutherischen Kirche zu besuchen. Wer im Kirchenkreis Johannesburg-West unterwegs ist, stößt auf überwältigende Gastfreundschaft, muss aber auch mit Kontrasten umgehen. |
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Wer wie die Lehrterinnen Marlies Prüß und Gabriela Wätjen sowie ich im BMW der 5er-Reihe auf Ledersitzen durch ein Township kutschiert wird, ahnt, wie sich Wohlhabende in einem Land fühlen, in dem die Schere zwischen Arm und Reich sehr weit auseinanderklafft. Wir residierten bis Sonnabend vom Elektrozaun geschützt im Mehrzimmerhaus einer wohlhabenden schwarzen Gastfamilie und hatten sogar einen Koch. Elena Buness aus Burgdorf hingegen teilte sich ein Bett und eine Decke mit ihrer Gastmutter. Unsere Gastgeber öffneten aber nicht nur uns drei Gästen die Tür, sie haben auch den Kirchenbau von Munsieville maßgeblich mit ermöglicht. |
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Bild: Stefan Heinze, Burgdorf
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Straßenkinder lassen niemanden kalt |
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Inzwischen haben wir unsere Gastgeberfamilien gewechselt, und fast jeder aus der 21-köpfigen Reisegruppe des Kirchenkreises Burgdorf hat die große Spanne von Arm bis Reich in der südafrikanischen Gesellschaft am eigenen Leibe erfahren. |
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Gleichwohl: Im abendlichen Johannesburg zum ersten Mal Straßenkinder in Scharen zu sehen, lässt niemanden von uns kalt. Da tut es gut zu hören, dass mit Projekten wie der Gründung der Drum Majorettes, einer Gruppe zu Musik marschierender Mädchen, für Straßenkinder etwas getan wird, auch wenn die Probleme damit längst nicht behoben sind. |
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Ich bin jetzt in Sophiatown zu Gast – ein merkwürdiges Gefühl. Denn Sophiatown war einst Township, bis die Bulldozer kamen, die Bewohner umgesiedelt wurden und eine Vorstadtsiedlung namens Suburb für Weiße entstand. Heute wohnen hier Menschen aller Herkünfte Seite an Seite. |
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So manche Fragen, die den Partnerkirchenkreis Johannesburg West bewegen, sind im Kirchenkreis Burgdorf allenfalls in der Erinnerung präsent. Während daheim darüber nachgedacht wird, Flächen zu verkleinern, umzunutzen oder gar Gebäude zu verkaufen, ist hier beispielsweise die Gemeinde Midrand zwischen Johannesburg und Pretoria gerade neu gegründet worden. Bei den 30 Mitgliedern ist noch der Geist der ersten Stunde spürbar – was für ein Unterschied. |
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Anders ist hier aber auch das Selbstverständnis christlicher Gemeinden. Während eine Kirchengemeinde im Kirchenkreis Burgdorf, die sich zu politischen Fragen äußert, schnell zu hören bekommt, sie möge sich auf die Belange der Gemeinde beschränken, ist Kirche hier grundsätzlich politisch. Das haben Besuche bei der Theologischen Fakultät der Universität Südafrika aber auch beim Südafrikanischen Kirchenrat gezeigt. |
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Bilder: Stefan Heinze, Burgdorf
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Weiße Exoten unter schwarzen Christen |
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Nun bin ich schon gut eine Woche mit einer Reisegruppe des Kirchenkreises Burgdorf in Südafrika unterwegs. Obgleich das Apartheidssystem 1994 abgeschafft wurde, habe ich hier seit der Landung des Flugzeuges nur sehr wenige Weiße gesehen. Das ist – abgesehen vom Alltag in Johannesburg – nicht ganz zufällig, denn wir besuchen den Partnerkirchenkreis Johannesburg/West in der Evangelisch-Lutherischen Kirche im südlichen Afrika (ELCSA), der Kirche der Schwarzen. Die weißen Lutheraner haben hier weiter ihre eigene Kirche. In der ELCSA hat zwar schon einmal ein weißer Pastor gearbeitet. Unter den Mitgliedern gibt es aber keine Weißen. |
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Wo immer wir hier auftauchen, sind wir weiße Exoten und werden von denen, die uns nicht erwarten, neugierig beäugt. Das gilt besonders auf dem Land, im Raum Randfontein, in den wir jetzt vorgedrungen sind. Die Weite des Landes und die großen Abraumhalden der hiesigen Goldminen machen den Menschen hier klein gegenüber der Umwelt, ganz anders als im quirligen Johannesburg. |
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Im dortigen Stadtteil Deepsloot macht Pastor Richard Munzhelele seine Hausbesuche nicht nur in den Wellblechhütten, sondern auch in den Häusern, die der Staat für die Slumbewohner baut. Aber so bald jemand aus seiner Hütte in solch ein einfaches Haus umgezogen ist, kommen neue Slumbewohner nach. Südafrika hält seine Grenzen offen – für jedermann. |
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aus: Hannoversche Allgemeine Zeitung Anzeiger für Burgdorf und Uetze vom 24./27./29. Oktober und 1. November 2011 Red. Stefan Heinze, Burgdorf/Johannesburg/Randfontein/Potchefstrom |
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