Wort zum Sonntag von Diakonin Anja Schawohl, Ehlershausen Erste Wahl „Um Geld zu sparen, kaufe ich häufig zweite Wahl“, erzählt mir eine junge Mutter, „für mehr reicht das Haushaltsbudget nicht aus!“ Und sie zählt auf, wo sie überall einspart: Beim Kauf von Gemüse und Obst und natürlich auch bei der Kleidung. Da ist sie bereit, so manches Loch gleich nach dem Erwerb eigenhändig zu stopfen oder neue Knöpfe anzunähen. Zweite Wahl eben. Minderwertig. Fehlerhaft. Zweite Wahl, die auf die Menschen selber abfärbt. Die Bibel ist voll mit Geschichten von Verlierertypen. Eine erzählt Jesus: Ein junger Mann startet ins Leben mit den allerbesten Voraussetzungen: Er kommt aus gutem Hause, ist sympathisch und: Er hat Geld! Da macht das Leben Spaß und er genießt es in vollen Zügen. Doch plötzlich ist Schluss mit lustig: Rezension, Insolvenz, arbeitslos, Pleite! Zukunft ade. Was jetzt? Welche Optionen hat man noch als zweite Wahl? Für den jungen Mann gibt es eine: das Überleben sichern und zurück ins Elternhaus. Und so steht der Sohn eines Tages wieder vor der Tür, reumütig, sich dessen bewusst, dass er ein echter Verlierer ist. Vom Leben erwartet er nichts mehr. Wer kann sich vorstellen, wie das ist, sich plötzlich am Rande der Gesellschaft wieder zu finden? Abhängig von den Almosen anderer. Menschenwürde ade? Als Christen sind wir davon überzeugt, dass Gott in jedem Menschen etwas ganz Besonderes sieht. Er kennt keine Menschen zweiter Klasse. Er sieht in jedem Einzelnen sein geliebtes Kind. Der Sohn erlebt das. Er wird freudestrahlend aufgenommen und mit einem Fest begrüßt. Damit findet die Geschichte nicht einfach ein schönes Ende, das ist Wirklichkeit Gottes in unserem Alltag und zugleich eine Herausforderung an unser eigenes Verhalten. Das spürt auch die junge Mutter, die mir berichtet: „Wenn mich die alte Frau aus der Kirchengemeinde freudestrahlend in den Arm nimmt, nur weil ich ihren Einkauf gleich mit erledigt habe, dann tut mir das gut und ich ahne ein wenig davon, wie Gott sich unsere Welt wünscht.“