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Zum Sonntag von Pastor Andreas Schmidt Kreuzkirche Sehnde In der Kirche erklingt das Lachen der Urenkelin Die Uroma nimmt ihre Urenkelin Julia an die Hand. Beide machen sich auf den Weg. In der Kirche angekommen, nehmen sie in der dritten Bank von vorne Platz. Da fällt man nicht so auf, kann aber trotzdem alles hören. Beim letzten Lied erinnert sich Uroma an früher. Nach dem Krieg musste neu angefangen werden. Es wurde gehungert, Steine geklopft und schließlich ein Häuschen gebaut. Langsam normalisierte sich das Leben wieder. Man fand Arbeit, erzog die Kinder. Als sie später ausgezogen waren, wurde es ruhig im Hause. Die Kinder kamen zu Besuch, brachten ihre eigenen Kinder mit, und inzwischen ist sie Uroma. Manchmal sehnt sie sich nach Ruhe. Doch zuviel davon macht einsam und verlassen. Uropa ist zwar auch noch da, doch das Leben hat bei beiden Spuren hinterlassen. Jede Falte im Gesicht und an den Händen steht für ihr arbeitsreiches Leben. Meistens ein Leben für andere, in dem häufig keine Zeit für sich selbst blieb. Und jetzt? Früher standen die Menschen öfter zusammen. Heute hört sie von Pflegegeld. Sie wollte sich doch von ihrer besten Seite zeigen. Es braucht doch niemand zu wissen, dass sie zuweilen etwas vergisst, und es ihr manchmal nicht mehr so gut geht wie früher. Deshalb will sie kein Pflegegeld. Doch wohin wenden, wenn es nicht mehr geht? Gut, dass sie heute erst einmal hier ist. Hört sie nicht ein leises Lachen der Urenkelin? Ihre Gedanken kehren langsam wieder zurück. Zuhause dann fragt sie die Urenkelin: „Hat es dir in der Kirche gefallen?“ Die strahlt und fragt: „Woher haben mich denn alle gekannt?“ Uroma ist verdutzt. „Ja“, sagt Julia, „denn beim letzten Lied haben alle immer Hallo Julia! gerufen.“ Zum Nachlesen: Psalm 91, Vers 11 und 12 |