Zum Sonntag von Pastor Marcus Buchholz Kirchenkreis Burgdorf Endlich mal wieder was Gutes getan Der Mann stürzt aus dem Auto. Mit seinen Händen stützt er sich auf dem nassen Asphalt ab. Der 63-Jähirge schnappt nach Luft. Die Ampel schaltet auf Grün, ungeduldige Autofahrer hupen. Der blaue Golf des Mannes steht mitten auf der Straße. Es ist 17.30 Uhr, Hauptverkehrszeit auf der Marienstraße in Hannover. Ich stehe mit meinem VW-Polo neben dem Mann, bin auf dem Weg nach Hause – in den Feierabend. Wie die meisten anderen auch. Der Moderator im Radio spricht die Verkehrsmeldungen. Die Marienstraße erwähnt er nicht. Ich sehe den Mann. Im Bruchteil einer Sekunde schießen mir Gedanken in den Sinn: Hoffentlich hat er keinen Herzinfarkt! Ist er vielleicht betrunken? Soll ich ihm helfen? Werden sich die anderen Autofahrer um ihn kümmern? Mensch, der hält doch den ganzen Verkehr auf! Kurzerhand schnalle ich mich ab, ziehe die Handbremse bis zum Anschlag an, mache den Warnblinker an und springe aus meinem Wagen. Das Hupkonzert auf der Marienstraße erreicht seinen Höhepunkt. Ein Mofafahrer springt zur Seite, ein Porschefahrer stellt ein Warndreieck auf, ein Fußgänger bietet seine Hilfe an. Gemeinsam setzen wir den Mann wieder in seinen Golf. Jemand hat den Notarzt gerufen. Der Mann ist versorgt. Mir geht ein Stoßgebet über die Lippen: „Schön, dass es dem Mann gut geht. Danke, Gott!“ Als ich wieder im Auto sitze und auf die grüne Ampel warte, hupt der Porschefahrer neben mir und ruft herüber: „Endlich mal wieder was Gutes getan. Das war auch mal Zeit bei mir. Tschüß.“ „Stimmt“, denke ich, „endlich mal wieder was Gutes getan.“ Nicht nur geredet, sondern auch gehandelt. Wie gut, dass es immer wieder Situationen im Leben gibt, die uns wach rütteln und aufmerksamer werden lassen – für unsere Mitmenschen, für uns selbst und für Gott. Es hupt hinter mir. Die Ampel ist schon wieder auf Rot umgesprungen.