Zum Sonntag von Pastor Andreas Schmidt Kirchengemeinde Sehnde Der Weg geht bergauf Wer kommt da? Menschen stehen vor der Tür. An der Straße. Alle wollen ihn sehen. Endlich kommt er. Aber warum liegen Falten auf seiner Stirn? Er müsste sich doch eigentlich freuen. So viel Wirbel um ihn. Was für ein Mann. „Aber der scheint unsere Freude gar nicht zu genießen“, geht es der Frau am Straßenrand durch den Kopf. „Er scheint ja doch etwas merkwürdig zu sein“, überlegt ein anderer. Die Menschen freuen sich, dass er kommt. Mitten drin ist er. Man könnte meinen, er nimmt ein Bad in der Menge. Er wird gefeiert, aber er lässt sich nicht feiern. Weiß er, was noch kommt? „Eigentlich müsste es ihm doch gut tun, dass er so beliebt ist. So viele Menschen sind gekommen, nur um ihn sehen zu können“, sagt eine. „Der muss aber viele Freunde haben“, antwortet jemand. „Schade“, sagt ein Dritter, „ich bin immer allein. Ich würde gern mit ihm tauschen.“ Tage später ganz allein im Garten Gethsemane. Von den Freunden vergessen hadert Jesus mit seinem Vater. Wie so viele Jungen mit ihren Vätern hadern. Aber hier geht es weiter. Lebensangst treibt ihn. Verlassen. Einsam. Allein. Jetzt will keiner mehr mit ihm tauschen. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Er zweifelt, verzweifelt. Schreit die Verzweiflung aus sich heraus. Unterdrückt seine Gefühle nicht. Er findet sich trotzdem in Gott geborgen. So kann er sich fallen lassen für seinen Weg. Ein schwerer Weg. Beladen mit dem Kreuz. Wieder durch die Menge. Vielleicht die gleichen Leute. Veränderter Blickwinkel: Nun von unten nach oben. Der Weg nach Golgatha ist hart. Doch eins bleibt: Er geht bergauf.