Zum Sonntag
von Andreas Kiebeler
Pastor in der Johannes der Täufer Kirchengemeinde
Uetze-Katensen
„Einmal gesungen ist wie zweimal gebetet“
Es gibt heute ein riesiges Angebot an Liedern. Manche haben Lieblingslieder, die ihnen viel bedeuten. Paare haben oft „ihr Lied“. Vielleicht haben sie dazu zum ersten Mal gemeinsam getanzt. Und wenn sie dieses Lied wieder hören, fühlen sie sich zurückversetzt an den Anfang.
Lieder erreichen uns in jedem Alter. Als Kind, wenn wir in den ersten Jahren abends von der Mutter in den Schlaf gesungen werden, aber auch dann noch, wenn wir alt und krank sind und kaum noch unseren eigenen Namen wissen. Lieder können einen Menschen glücklich machen.
Der kommende Sonntag heißt „Kantate“. Das ist ein Aufruf und bedeutet: Singt! Martin Luther sagte: „Einmal gesungen ist wie zweimal gebetet.“
Lieder können uns trösten, ermutigen, uns das Herz aufgehen lassen. Vielleicht weil sie manchmal Wort für Wort, Note für Note erkämpft sind. Denn sie singen an gegen eine Wirklichkeit, die oft dunkel und grausam ist. Aber gerade das ist kein Selbstbetrug, sondern Ausdruck des Willens zur Veränderung der Wirklichkeit. Wer von einem Traum singt, wird ermutigt, ihn zu verwirklichen; oder doch zumindest sich auf den Weg zur Verwirklichung zu begeben.
Meist lassen wir singen – durch das Radio, die CD, den MP3-Player oder das Fernsehen. Für Ungeübte gehört Überwindung dazu, die eigene Stimme zu hören. Dabei verändert Singen uns auch selbst. Singen macht die Seele frei. Es gibt Situationen, da ist uns nicht nach Singen zumute. Wenn wir traurig sind oder uns selbst nicht leiden können. Aber gerade dann kann Singen wie Medizin sein.
Unsere geistlichen Lieder der vergangenen Jahrhunderte und natürlich auch die Volkslieder gehören zum kostbarsten Schatz, den wir besitzen. In ihnen stecken Mut, Trotz, Hoffnung und Schmerz. Lieder können uns noch heute berühren und in uns verschüttete Träume lebendig machen. Bewahren wir diesen Schatz und schöpfen aus ihm. Denn „Einmal gesungen ist wie zweimal gebetet“.